#156 - 50.000 SKUs, 7 Sprachen, 900 Kategorien: Wie ein Mittelständler KI wirklich nutzt

Wie verändert KI ein 80 Jahre altes Familienunternehmen? Alexander Zindler, CMO bei der Grube KG, war in der neuen insights! Folge bei Joubin Rahimi zu Gast und liefert eine sehr konkrete Antwort. Du erfährst, wie Grube vom klassischen Katalogversand zum Online Pure Player mit 50.000 SKUs wurde, wie KI 10 Jahre SEO-Arbeit auf 3 Monate komprimiert und warum das Konzept des Mini-CMOs klassische Marketing-Hierarchien aufbricht.

Ich habe so 20 Mitarbeiter inzwischen in meinem Marketing-Team und wir sind seit 2, 3 Jahren stabil, sind aber vorher immer stark gewachsen. Dieses Stabilbleiben bedeutet für uns, dass wir den Output pro Mitarbeiter erhöht haben. Und ich sehe, dass gerade Kollegen, die sich auf KI einlassen, ihren Output unglaublich erhöhen.

Alexander Zindler CMO Grube KG

Wenn 10 Jahre Agenturarbeit zu 3 Monaten KI-Sprint werden

Wenn du wissen willst, was KI im E-Commerce wirklich bewirkt, lohnt es sich, dem Mittelstand zuzuhören. Bei der Grube KG, einem 1945 gegründeten Familienunternehmen aus der Lüneburger Heide, läuft KI längst nicht mehr im Pilotprojekt, sondern in der täglichen Wertschöpfung. Das eindrücklichste Beispiel: SEO-Texte für rund 900 Onlineshop-Kategorien, übersetzt in 7 Sprachen. Klassisch über Agenturen produziert, hatte das Team in 10 Jahren etwa 165 Kategorien fertig. Mit LLM-basierten Prozessen wurde das gesamte Setup in 3 Monaten ausgerollt, inklusive Aufbau der Pipelines.

Das Beispiel zeigt zwei Dinge. Erstens: KI ist im operativen E-Commerce längst kein Forschungsthema mehr, sondern liefert reproduzierbare, messbare Ergebnisse. Zweitens: Wer früh in saubere Produktdaten und ein gut gepflegtes PIM-System investiert hat, kann die Hebel heute deutlich schneller setzen. Grube hat genau das getan, schon 2010 wurde ein PIM eingeführt, mittlerweile läuft alles auf der NovoMind Plattform mit iShop, iPIM und iAgent. Auf dieser Datenbasis entstehen die KI Use Cases nicht im luftleeren Raum, sondern auf einem stabilen Fundament.

Vom Förster zum Online Pure Player: Die Reise von Grube

Grube ist heute Europas führender Forstbedarfshandel. Gegründet wurde das Unternehmen 1945 von einem Förster, der nach dem Krieg eine ungewöhnliche Geschäftsidee hatte: Statt selbst Wald zu verwalten, hat er angefangen, die umliegenden Forstreviere mit Ausrüstung zu versorgen. Aus dem Bulli von damals ist ein internationaler Versandhandel mit rund 50.000 Artikeln geworden, der heute Profis aus Forst, Jagd, Arboristik und Baumpflege ebenso bedient wie Hobbyholzer, Gartenfreunde und Kommunen mit Verkehrssicherungsbedarf.

Der digitale Weg begann 2008 mit einem XT-Commerce-Shop, gefolgt von Magento 1 ab etwa 2010 und Shopware 5 ab 2015. Heute läuft Grube auf NovoMind. Was an dieser Reise auffällt, ist die Konsequenz. Grube hat nicht jeden Hype mitgemacht, hatte aber zu jedem Zeitpunkt eine Lösung, die zur eigenen Skalierung gepasst hat. Das ist eine der Lehren, die man im Mittelstand mitnehmen kann: Reife schlägt Hektik.

Der 5-Jahres-Puffer ist Geschichte

Lange Zeit konnten sich viele Mittelständler darauf verlassen, dass ihre Kundinnen und Kunden Tech-Trends rund 5 Jahre später adaptieren als der Markt. Alexander Zindler beschreibt das in der Folge mit erfrischender Klarheit. Bei Grube saßen die Kunden lange im Wald, mit Handschuhen, Motorsäge und ohne ständigen Blick aufs Smartphone. Diese Verzögerung war ein angenehmer Strategie-Puffer, weil man Trends erst beobachten und dann ruhig reagieren konnte.

Mit KI wird dieses Zeitfenster aber spürbar enger. Die Entwicklung verläuft exponentiell, nicht linear. Wer heute nicht aktiv testet, eigene Use Cases baut und seine Teams enabled, verliert das Tempo. Die Lehre aus der Folge: Du musst nicht jeden Trend sofort umsetzen, aber du musst dich aktiv im Spiel halten, sonst läufst du dir selbst hinterher.

PIM, KI und die unbequeme Wahrheit über Produktdaten

Ein häufig unterschätzter Erfolgsfaktor im KI-Zeitalter ist die Qualität der eigenen Daten. KI macht aus schlechten Produktdaten keine guten, sie skaliert nur, was du hast. Grube hat hier früh investiert. Schon 2010 wurde mit einem PIM begonnen, lange bevor das im Mittelstand Standard war. Die KI Use Cases, die heute funktionieren, sind direkte Konsequenz dieser Vorarbeit.

Konkret nutzt Grube KI an verschiedenen Stellen im Daten- und Content-Stack:

  • Automatisierte Produktbetextung auf Basis strukturierter Attribute.
  • Produktattributisierung, also das systematische Anreichern von Daten in Klassifikationen.
  • Bildverarbeitung und Marketing-Grafiken.
  • Kategorie- und SEO-Texte über alle 7 Sprachen hinweg.
  • Interner Service mit dem iAgent als KI-gestütztem Helpdesk-Layer.

Wer in seinem Unternehmen noch über PIM-Investments diskutiert, sollte spätestens jetzt die Frage stellen, ob er das vor oder nach der KI-Welle nachholen will. Aufschieben wird teurer.

Marketing-Teams hören auf zu wachsen, und werden trotzdem besser

Eine der bemerkenswertesten Aussagen der Folge ist fast nebenbei gefallen. Alexander führt ein rund 20-köpfiges Marketing-Team. Seit 2 bis 3 Jahren ist diese Zahl stabil, davor ist sie kontinuierlich gewachsen. Und trotzdem ist der Output gestiegen, deutlich. Die Erklärung ist einfach: Kollegen, die sich auf KI einlassen, erhöhen ihre Produktivität in einem Maß, das ohne KI nicht möglich gewesen wäre.

Interessant ist auch der Side Effect. Kleinere Programmierprojekte werden nicht mehr extern vergeben, sondern intern erledigt, von Kollegen, die mit der Hilfe von KI plötzlich Code-Aufgaben übernehmen können. Externe Agenturen werden punktueller und gezielter eingesetzt. Das ändert die Wertschöpfungslogik im Marketing fundamental: Inhouse-Generalisten gewinnen, klassische Spezialisten- und Routineaufgaben werden austauschbarer.

Mini-CMO: Warum Spezialistenrollen aufbrechen

Wer heute eine klassische Marketing-Organisation aufzeichnet, findet darin meistens ein bekanntes Muster. Unter dem CMO sitzen E-Commerce-Manager, Social Media Leads, Performance-Spezialisten, Content-Manager, jeder verantwortet seine Disziplin. Alexander bringt aus einer Masterclass eine spannende These mit: Diese Spezialistenstruktur ist im KI-Zeitalter angreifbar.

In seinem skizzierten Modell stehen unter dem CMO sogenannte Mini-CMOs. Generalisten, die ein Sortiment, eine Produktgruppe oder ein Kundensegment ganzheitlich verantworten und im Prinzip wie ein kleiner CMO denken und entscheiden. Das Operative übernehmen Agenten. Klingt provokant, ist aber konsequent. Denn überall dort, wo eine Spezialistendisziplin durch KI bedienbar wird, sinkt der Bedarf an dedizierten Spezialisten und steigt der Bedarf an Menschen, die das große Bild verstehen, Strategie ableiten und Qualität sichern. Bei synaigy nennen wir diese Rolle Business Partner. Der Punkt ist derselbe.

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Hier ist der Inhalt:

Joubin Rahimi

Grandios, dass ihr wieder dabei seid zu einer neuen Folge von insights! Mein Name ist Joubin, Joubin Rahimi, und heute mit dabei freue ich mich ganz besonders, Alexander Zindler. Hi Alexander!

 

Alexander Zindler

Ja, moin, vielen Dank, dass ich da sein darf.

 

Joubin Rahimi

Gerne, wir haben ein paar verbindende Sachen. Du wohnst hier in Hamburg oder bei Hamburg, ne?

 

Alexander Zindler

Bisschen südlich in der Lüneburger Heide, genau.

 

Joubin Rahimi

Ich bin ja Hamburger Jung, freue mich immer wieder, den dialektisch-sprachlichen Verbum zu hören, da geht mein Herz einfach auf. Und du hast grob das studiert, was ich nicht geschafft habe.

 

Alexander Zindler

Ja.

 

Joubin Rahimi

Die Forstwissenschaften war das, ne?

 

Alexander Zindler

Richtig.

 

Joubin Rahimi

Ich wollte Forstwirtschaft in Hamburg studieren, das gibt es nur ...Gab es nur, muss man sagen, in Hamburg. Jetzt hast du mich aufgeklärt, ja, gar nicht mehr. Aber mein NC war zu schlecht, insofern wurde es dann was mit der IT. Ja. Ja, Grube, vielleicht magst du zu dir und Grube 2, 3 Sätze erzählen, dass man es einordnen kann.

 

Alexander Zindler

Das mache ich. Also, ich bin Alexander Zindler, ich bin CMO bei Grube. Ich bin schon seit fast 19 Jahren inzwischen bei der Firma Grube, habe den E-Commerce-Bereich bei der Firma Grube aufgebaut und letztlich Grube von einem klassischen Katalogversandhändler durch die digitale Transformation bis hier, sie ist ja nicht zu Ende, wie wir alle irgendwie wissen, geführt. Und inzwischen sind wir so was wie ein Online Pure Player, würde man glaube ich sagen. Also das heißt, wir haben an sich keine Filialen, sondern es ist ein reines Versandstreckengeschäft. Geschäft, das wir betreiben über unsere Online-Shops. An sich sind wir schon seit 1945 in Deutschland als Versandhändler auf dem Markt. Das war damals so, wir sind auch von einem Förster gegründet worden. Die ganzen deutschen Ostgebiete waren ja verloren, und was passiert ist, ist, dass diese ganzen Beamten— Förster waren damals schon immer Beamte— die sind damals geflohen nach Westdeutschland, und hier gab es also viel zu viele Forstbeamte in Westdeutschland. Und dann waren die so zweidreifach in so einem Forstrevier gesteckt, und dann wusste der nicht so richtig, was mit sich anzufangen, und hat sich gedacht, gut, dann kann ich ja an die Kollegen auch Ausrüstung verkaufen. Hat er sich ganz schnell einen Bulli organisiert und hat noch 1945 gegründet und angefangen, die umliegenden Forstreviere mit Ausrüstung zu versorgen. Und daraus wurde dann schnell der führende Versandhändler, auch bundesweit eben, für den Handel mit Forstgeräten und allem, was man zur Waldarbeit braucht.

 

Joubin Rahimi

Da wir ja nicht alle Waldarbeiter sind, wobei wir haben ja gesagt, wir haben den Kirschlorbeer dieses Jahr, den Cup angesagt. Das sind dann halt Kettensägen, Häcksler, das Verbrauchsmaterial.

 

Alexander Zindler

Genau, also ist ja nicht nur die Ernte im Wald, ist ja auch das Pflegen, also es geht auch ums Pflanzen. Es gibt spezielle Werkzeuge, um Bäume zu pflanzen, es gibt spezielle Werkzeuge, um sie zu schützen vor Wild und Co. Wild ist natürlich auch ein Thema. Zum Berufsbild des klassischen Försters gehört eben auch die Jagd dazu. Dadurch haben dann auch wir uns in den 90er Jahren zu einem Lieferanten entwickelt, der eben auch den Bereich mit abdeckt, weil unsere Kunden uns gefragt haben: Hört mal, wir bestellen unsere ganze Ausrüstung an dieser Stelle mit euch. Was ist eigentlich mit der Jacke und dem Fernglas, das ich zur Jagd brauche? Das noch nebenbei. Und heute decken wir natürlich diesen ganzen professionellen Bereich ab, plus den semiprofessionellen Bereich für Leute, die selber Kaminholz machen zum Beispiel und im Wald arbeiten. Gleichzeitig eben auch für Leute wie dich, den gesamten Bereich Holzspalter oder so. Genau, Holzspalter, also jemand, der in den Wald geht mit der Motorsäge, sich sein Kaminholz selber macht, rausfährt, Holzspalter etc. Das alles.

 

Joubin Rahimi

Mache ich auch gerne.

 

Alexander Zindler

Ja, genau, da wirst du bei uns auf jeden Fall fündig. Dann natürlich für alle, die so einen Garten haben wie du und da pflegend eingreifen müssen, Alles, was man da letztlich braucht.

 

Joubin Rahimi

Und auch so Baumkletterer, also auch—

 

Alexander Zindler

Genau, der professionelle. Das hat ja in den letzten Jahren eine immer größere Rolle angefangen zu spielen, der Bereich der städtischen Baumpflege, ne, die eben anders ist. Im forstlichen Bereich geht's zum einen natürlich um den Erhalt des Waldes, aber natürlich auch darum, diese natürliche Ressource nachhaltig zu nutzen. Und im Bereich der städtischen Baumpflege ist es dann entsprechend anders. Da geht es eher um Verkehrssicherung, um komplizierte Fällungen. Da ist auch der Platz nicht da, um so einen Baum mal eben lang hinzuschmeißen. Da muss geklettert werden etc. pp. Also ein völlig anderes Setup letztlich, aber auch das ist ein inzwischen sehr wichtiger Part bei uns.

 

Joubin Rahimi

Und das geht jetzt ein bisschen weg von Digitalisierung, aber mega spannend, wenn du so einen Baumkletterer siehst. Wir hatten jetzt gerade einen, der hat dann solche Seile zwischen großen Ästen gespannt, damit dann halt bei starkem Wind nicht auf einmal so ein großer Ast abbricht und auf die Straße fällt. Ja, und dann so Sicherungsteile drin. Aber wie die da hochgeklettert sind, Wahnsinn! Und dann auch so, mein Sohn meinte, die liegen da ja drin, oder machen die da einfach oben auch Pause?

 

Alexander Zindler

Echte Passion bei den Jungs.

 

Joubin Rahimi

Ja, also, und Mädels, Mann und Frau, Hammer! Und wir haben einen Baum, wo die sagen, in den nächsten 5 bis 10 Jahren, der ist so alt, der muss dann einfach gefällt werden.

 

Alexander Zindler

Genau, die Diagnose gehört dann noch dazu. Also vorab ist ja auch heutzutage gerade im städtischen Bereich nicht mehr einfach. Man kann ja nicht mehr einfach einen Baum fällen lassen, ne, sondern muss erst jemand kommen, schauen, wie sieht der Baum irgendwie von innen aus, wie lange lebt er noch, wie gefährlich ist es, bevor man dann die Genehmigung bekommt, so einen alten Baum überhaupt zu entnehmen.

 

Joubin Rahimi

Und dann haben die gesagt, ja, dann würden wir den fällen auf das andere Grundstück drauf, das ist nicht bebaut, aber wir haben Zaun und Schuppen und so weiter. Und dann mein Sohn, dann ist der Zaun kaputt. Ja, meinte er, ja, aber es wird viel günstiger für deinen Papa, als wenn wir Stück für Stück abtragen. Und dann hab ich mal gefragt, wie macht ihr das denn? Und dann klettern die ja oben ab und dann von oben dann Stück für Stück wird abgesägt.

 

Alexander Zindler

Genau, das wird scheibchenweise runtergeschnitten, auch ganz cool, in so eine, mit den Seilen gebunden, dass das selbst in so ein Seil wieder fällt, ne. Also es fällt auch tatsächlich in so ein Seil, fällt kontrolliert nach unten, dass es eben nicht irgendwie noch weiter da zur Seite geht und doch noch irgendwie gefährden kann.

 

Joubin Rahimi

Ja, auf jeden Fall mega spannend, das Thema mal reinzudrillen. Und 2008 hattest du gesagt, habt ihr dann angefangen, oder hast du angefangen bei Gruber?

 

Alexander Zindler

Ja, 2008 habe ich angefangen.

 

Joubin Rahimi

Und dann war eins der ersten Tätigkeiten, einen Webshop zu programmieren.

 

Alexander Zindler

Dazu bin ich hingekommen, genau.

 

Joubin Rahimi

Fast 20 Jahre her jetzt.

 

Alexander Zindler

Wir sind inhabergeführt, immer noch, inzwischen in der dritten Generation. Die vierte ist gerade eingestiegen. Und damals war noch so der Wechsel zwischen zweiter und dritter Familiengeneration. Und die sagten, okay, wir brauchen einen Webshop und du hast ja schon Erfahrung letztlich. Bei der Programmierung von Webseiten, traust du dir das zu? Wir finden bei dir eben toll, dass du an sich aus der Branche kommst. Aber ich hatte studientechnisch mich schon selbstständig gemacht gehabt, damals mit einer kleinen Agentur, und habe eben Webseiten erstellt, bisschen Online-Marketing-Maßnahmen betreut, und die sahen in mir irgendwie so den Sweet Spot, um genau so was eben aufzubauen. Und wie es dann so ist bei Familienunternehmen, wenn das passt, ne, dann ist super, bleibt man auch da.

 

Joubin Rahimi

Und wie hast du den ersten aufgebaut? Ich habe auch mal einen aufgebaut, so eine Projektarbeit, die hat viel länger gedauert, als die Projektarbeit war, weil ich ja nicht studiert habe. Habe ich das mit Java gemacht und Servlets, alles mit der Hand, also war echt ganz, ganz billig, aber war so ein Proof of Concept, würde ich sagen. Aber wie bist du 2008 damit umgegangen?

 

Alexander Zindler

Ja, wir hatten uns damals für XT-Commerce Vayton als Lösung entschieden und das war auch ein irgendwie ja noch ein Open-Source-Projekt letztlich, und dann habe ich mich eben tagelang auch nur da in die Community eingelesen und habe dann eben, der lief eben auf PHP, so, und habe eben angefangen, den so zu customizen, dass er auf unsere Prozesse gepasst hat.

 

Joubin Rahimi

Ich glaube, ganz häufig, man sieht immer noch viele XT-Shops, die da sind, das ist unglaublich, wie die sich noch halten. Ja, okay, aber die habt ihr auch abgelöst, den habt ihr ja vor langer Zeit abgelöst.

 

Alexander Zindler

Genau, der war gar nicht so lange, ich glaube ungefähr 2 Jahre, ne, dann, also es ging dann auch schnell. Wir haben bei unseren Kundenklientel das Glück, sage ich immer, dass unsere Kunden sind ja auch im Wald unterwegs und nicht immer so tech-affin, sage ich mal, wie vielleicht der Durchschnittsdeutsche. Das bleiben die aber nicht, sondern wir haben immer so eine Verzögerung von ungefähr 5 Jahren drin. Das heißt, wir können ganz gut gucken, was macht eigentlich der Rest, und haben hatte man so 5 Jahre Zeit, so zu reagieren. Dieser Zeitraum wird ein bisschen schmäler inzwischen, weil durch KI und Co. das natürlich sich exponentiell entwickelt. Aber trotzdem müssen wir nicht jeden Trend sofort umsetzen, sondern sind in der glücklichen Situation, rein von der Kundenseite her, manchmal ein bisschen abzuwarten und zu schauen, okay.

 

Joubin Rahimi

Und ihr seid dann von XT dann gewechselt zu Magento, glaube ich, war das? Richtig, das war dann 2010 oder 2012?

 

Alexander Zindler

Das war 2010, ja.

 

Joubin Rahimi

Das war Magento, Magento, also noch nicht Magento 2.

 

Alexander Zindler

Genau, Magento 1 war das. Da sind wir dann gewechselt hin und sind dann 2015 gewechselt auf Shopware.

 

Joubin Rahimi

5 Jahre gehalten.

 

Alexander Zindler

Ja, so ungefähr. Vielleicht war es auch 2012 der Wechsel auf Magento.

 

Joubin Rahimi

War das schon eine 5er-Version oder noch eine 4er bei Shopware?

 

Alexander Zindler

5er. Genau, das war dann eine 5er-Version und damit waren wir dann jetzt noch über die Corona-Zeit unterwegs und sind inzwischen bei einem NovoMindi-Shop gelandet.

 

Joubin Rahimi

Schön, man sieht so richtig, wie ihr wahrscheinlich auch im Reifegrad gewachsen seid und dann auch einfach von den Systemen her mitgezogen.

 

Alexander Zindler

Keine Frage, das ist so.

 

Joubin Rahimi

Shop ist eins, aber Shop alleine ohne Produktdaten, ohne andere Themen, funktioniert ja nicht gut. Wie ist so das Ökosystem?

 

Alexander Zindler

So ist es. Das haben wir natürlich schnell gemerkt, als wir damals den ersten Shop hatten und noch im Backend Produktdaten gepflegt haben, dass das schnell an eine Grenze stößt. Und wir sind auch 2010 direkt los und haben ein PIM-System eingeführt. Damals waren wir so in unserem Metier da total vorne mit weg. Das ist ganz gut. Inzwischen haben wir da eine lange Erfahrung eben wie wichtig es ist, gute Produktdaten aufzubauen, und können eben auch auf sehr gute Produktdaten zurückgreifen. Und wir haben damals, das System hieß JCatalog, so ein Dortmunder Unternehmen. Die haben dann häufig mal noch hin und her gewechselt. Heute heißen die, glaube ich, Prodexa.

 

Joubin Rahimi

Genau.

 

Alexander Zindler

Also es gibt sie immer noch, und mit denen waren wir lange unterwegs, also fast 10 Jahre, und das passte dann aber irgendwann von der Skalierung bei uns nicht mehr ganz.

 

Joubin Rahimi

Wie viele Produkte habt ihr denn?

 

Alexander Zindler

Wir haben aktuell ungefähr 50.000 SKUs im System. Und dann kam ein Kollege bei uns zurück, der bei uns gelernt hatte, dann bisschen weg war, der kam wieder und brachte in Anführungsstrichen eben die Hamburger NovoMind mit da ins Spiel und sagte, da habe ich jetzt die letzte Zeit drauf gearbeitet. Und dann sind wir ja—

 

Joubin Rahimi

und ihr habt jetzt, glaube ich, den Dreiklang hattest du es genannt, ne? Genau, den iShop, iPIM und iAgent.

 

Alexander Zindler

Genau, angefangen hatten wir dann mit dem iPIM, dann ist der iShop irgendwie, weil wenigstens eine große API, um die man sich nicht mehr kümmern muss, eben diese Produktdaten sind, ne? Das war dann schon geklärt und inzwischen ist auch der iAgent bei uns im Service dazu gekommen.

 

Joubin Rahimi

Was macht ihr mit AI in dem Umfeld, in dem du tätig bist? Wo findet AI sich überall wieder?

 

Alexander Zindler

Also seitdem das ein Thema ist, haben wir an sich sofort versucht aufzuspringen, weil AI natürlich verspricht, viele unbequeme Probleme zu lösen, die wir schon so seit Jahren mit uns rumschleppen. Also fangen wir mal, bleiben wir mal beim PIM. Da gibt es natürlich lauter Prozesse, wo AI uns hilft. Also sei es drum, Bei der Produktbetextung, bei der Produktattributisierung einfach, aber auch wenn es um Bilder etc. pp. geht. Alles das sind Stellen, wo uns Agenten schnell helfen können. Oder ein so ein cooles Thema finde ich, wir hatten unseren Onlineshop dann schon in 7 Sprachen ausgerollt und in 6 europäischen Ländern. Und seit 10 Jahren waren wir immer auch mit Agenturen dabei, SEO-Texte für die Kategorien zu schreiben. Ah, ja, okay. Bei knapp 900 Kategorien, die wir im Onlineshop haben, war das immer ein Kampf gegen Windmühlen. Also zur besten Zeit hatten wir dann 165, glaube ich, umgesetzt. Der Rest wurde nie angefasst. Und dann hatten wir schon wieder Probleme, die zu überarbeiten, die wir da hatten, wieder nach aktuellsten Kategorien etc. pp. Das war eins der ersten Themen, die wir LLM-seitig gelöst haben und tatsächlich dann einfach 900 Kategorien, alle Sprachen innerhalb von, ich glaube, 3 Monaten hat das Gesamte gedauert, also inklusive Aufsetzen der KI-Prozesse.

 

Alexander Zindler

Wir hatten das alles blitzsauber betextet, wieder mitschauen bei uns auf der Seite, was für Produkte sind da eigentlich, welche Marken sind vertreten und so weiter alles.

 

Joubin Rahimi

Ihr hattet damals eine Agentur?

 

Alexander Zindler

Das haben wir 50/50 gemacht. Also wir haben eine Agentur, mit der wir schon seit Jahren einfach zusammenarbeiten, das ist die Firma Webnetz aus Lüneburg, auch so ein bisschen homie eben für uns, genau um die Ecke, und mit denen zusammen haben wir das halt letztlich entwickelt. Und inzwischen haben wir auch einen eigenen Mitarbeiter bei mir im Team, der nichts anderes macht außer KI.

 

Joubin Rahimi

Gut, mit AI braucht ihr jetzt, und einen Mitarbeiter braucht ihr wahrscheinlich gar nicht mal mehr, externe Unterstützung, oder?

 

Alexander Zindler

Brauchen wir trotzdem noch.

 

Joubin Rahimi

Ja?

 

Alexander Zindler

Ja, brauchen wir trotzdem noch, weil das ist ja ein Riesenthema. Also der Mitarbeiter hat sich jetzt erst mal gerade nur darum gekümmert, überhaupt, sage ich mal, so ein AI-Enablement für unsere Mitarbeiter. Da haben wir jetzt so eine Plattform ausgerollt, also dass nicht jeder privat irgendwie eben mit Gemini und ChatGPT unterwegs ist. Haben wir jetzt eine eigene Plattform ausgerollt, um das zu bündeln und um auch allen irgendwie Pro-Modelle zur Verfügung zu stellen. Und alleine damit ist er schon erst mal beschäftigt. Und es gibt aber so viele Ecken gleichzeitig, wo das auf einen einprasselt und wo es einfach auch Sinn macht und wo, wenn wir nicht dabei sind, wir auch direkt das Gefühl haben, den Anschluss zu verlieren, dass er außerdem noch dabei ist, mehrere externe Partner irgendwie zu orchestrieren, die da mit auch unterwegs sind.

 

Joubin Rahimi

Wie glaubst du, verändert AI das Marketing? Bisschen hast du ja schon Einblick gegeben. Und auch wie sich die Rollen und Organisation verändert, so deine Einschätzung?

 

Alexander Zindler

Ja, also der Impact ist, glaube ich, jetzt schon krass da. Also bei uns so auf 7, ich habe so 20 Mitarbeiter inzwischen bei mir in meinem Marketing-Team und wir sind jetzt seit 2, 3 Jahren auch stabil, sind aber vorher immer stark gewachsen. Und dieses stabil bleiben bis jetzt in den letzten Jahren bedeutet für uns schon, dass wir an sich nur den Output erhöht haben, also den Output pro Mitarbeiter erhöht haben. Und ich sehe es halt jetzt ganz krass, so kleinere Programmierprojekte gehen eben schon nicht mehr nach außen, die machen wir intern, die werden gecodet von irgendeinem Kollegen, der sich einigermaßen damit auskennt. Und ich sehe, dass gerade Kollegen, die sich drauf einlassen, auf KI im Generellen ihren Output unglaublich erhöhen, auch in Bereichen, wo sie vorher vielleicht gar nicht punkten konnten.

 

Joubin Rahimi

Wie ist die— Danke, da ist ganz viel drin, wo du sagst, Effizienzsteigerung und auch das Letzte, dass Menschen Sachen machen, die sie vorher eigentlich nicht gemacht haben. Ist auch manchmal der Eindruck so, dass jetzt andere mit deinen Jobs machen, weil sie dann irgendwas in die AI reinschmeißen und sagen: Mensch, Alexander, hier haben wir mal ein Konzept. Ja, vor allen Dingen techie.

 

Alexander Zindler

Das ist so, das finde ich gar nicht so schlimm, muss ich gestehen. Ich habe gestern dazu einen ganz witzigen, eine ganz witzige Masterclass hier vor Ort gehabt. Der hatte so ein so eine moderne Marketingabteilung skizziert, und er sagte dann auch, er glaubt, dass zukünftig eine Abteilung so aussah. Hatte er so ein Organigramm an die Wand geworfen, oben stand CMO, und darunter gab es nur noch nicht mehr E-Commerce-Manager und Social Media, sondern unten drunter gab es nur noch Mini-CMO, nannte er das. Das ist die Stufe unter dem CMO letztlich, weil alle darunter an sich in der Lage sind, die gesamten Marketprozesse, Marketingprozesse Prozesse in ihrer Ganzheit, wie der CMO auch sein sollte, zu behandeln und das Operative eben von Agenten übernommen wird. Das war so sein skizziertes Bild. Das fand ich ganz spannend, weil ich glaube schon, dass da die Entwicklung hingeht. Also ich glaube, dass diese Spezialistenrollen aufbrechen, weil die am ehesten am Ende auch für einen Generalisten bedienbar werden. Und ich fand diesen Ansatz ganz Und er sagte, man wird das ganz anders sehen. Er sagte, so ein Mini-CMO, der sitzt dann eher vielleicht auf einer bestimmten Produktgruppe oder auf einem Sortiment oder auch auf einem Kundensegment. Das ist sozusagen das, auf dem er sitzt und auf dem er dann agiert. Und das fand ich so einen ganz interessanten Ansatz. Und ich sehe schon, dass das da ein bisschen hingeht. Also auch wir werden uns sicherlich intern anders aufstellen müssen, als wir das bisher getan haben, um da agil am Markt zu bleiben und auch schnell reagieren können, weil ich glaube, wir können alle noch gar nicht absehen, wie groß der Impact eigentlich ist.

 

Joubin Rahimi

Ich darf jetzt ja genau die Marketing Operations für uns innerhalb der Gruppe— was können wir als Gruppe machen, wo haben wir noch drin, wo kann ich die Brands unterstützen, was brauchen wir von den Brands neu aufzustellen. Aber dieser AI-Zug, der verändert ja auch gleichzeitig so wahnsinnig viel und das ist im Moment echt spannend, ja, vernünftig zu sagen, okay, wie gehst du vor? Im Moment ist mein Ansatz, das in Stufen zu teilen. Dieser Mini-CMO finde ich, ist auch spannender Ansatz. Wir haben, ich habe einen anderen Namen genannt, aber auch jemand, der ganzheitlich die Brands unterstützt. Wir haben Text schreiben, tut dann die AI. Du musst halt noch jemanden haben, der den Qualitätssicherheit, den Kontext wahrt.

 

Alexander Zindler

Und deshalb, welchen Namen habt ihr dem Kind dann gegeben?

 

Joubin Rahimi

Noch haben wir keine.

 

Alexander Zindler

Ach so, habt ihr noch, okay gut. Also Mini-CMO, sagst du, könnte mit halten.

 

Joubin Rahimi

Ich nehme das mal mit. Vielleicht hören es die Kolleginnen und Kollegen dann. Dann haben sie Mini-CMO. Der Name, den wir haben, das ist Business Partner oder Accounter. Accounter ist ja eigentlich typischerweise Agentur. Aber wenn du einen richtig guten Accounter hast, der kennt ja deine Marke, der denkt für dich mit.

 

Alexander Zindler

Ja.

 

Joubin Rahimi

Ist ja kein Account Manager, wie so häufig.

 

Alexander Zindler

Ja, ich finde auch, der Gedanke passt irgendwie.

 

Joubin Rahimi

Ja, und Mini-CMO finde ich auch total witzig. Insofern danke für die Zeit und die Einblicke da drin. Wenn ihr Fragen an Alexander habt, gerne hier reinkommentieren. Ich glaube, auf LinkedIn kann man dich auch sicherlich finden.

 

Alexander Zindler

Ansonsten grube.de für das gesamte Produktsortiment.

 

Joubin Rahimi

Was kaufen und auf die Bestellung dann die Frage stellen. So ist es.

 

Alexander Zindler

Kommt tatsächlich bei uns auch bei mir an.

 

Joubin Rahimi

Insofern haben wir die Wege geklärt. Danke für deine Zeit.

 

Alexander Zindler

Gerne.

 

Joubin Rahimi

Und bis zum nächsten Mal. Danke.

 

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Joubin Rahimi
Managing Partner synaigy GmbH

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