Management Summary: Vom Großhandel zum Direktvertrieb mit Shopware am Point of Sale
Die H. Gautzsch Firmengruppe ist ein traditionsreicher Großhändler, der mit seiner Marke Siena Garden den Schritt in den Direktvertrieb an Endkunden wagt. Während der Online-Shop auf Shopware 6 bereits lief, fehlte bislang die Möglichkeit, auch im stationären Handel direkt an Endkunden zu verkaufen. Erst das von synaigy entwickelte Kassensystem auf Basis von Shopware macht diesen lokalen Direktvertrieb möglich.
Die Lösung ist eine native Windows-App mit eingebettetem Next.js-Frontend, eigenem Shopware-Plugin, direkter Hardware-Anbindung (Kartenterminal, Bondrucker, Scanner) und integrierter KassenSichV-Konformität. Das Besondere ist, dass ein festes Kernteam das System in kurzen Zyklen ohne klassisches Lastenheft gebaut und dabei Termin und Budget eingehalten hat.
Siena Garden und H. Gautzsch: Vom Großhandel zum Direktvertrieb an Endkunden
Die H. Gautzsch Firmengruppe ist ein Verbund führender mittelständischer Fachgroßhandlungen mit mehr als 70 Standorten in Deutschland und Österreich. Mit über 1.400 Mitarbeitenden und zwei Geschäftsbereichen (Elektro sowie Haus und Garten) ist das Familienunternehmen aus Münster seit über 160 Jahren am Markt.
Siena Garden ist die Eigenmarke im Bereich Haus und Garten. Klassischerweise vertreibt H. Gautzsch seine Produkte über den Fachgroßhandel an den Einzelhandel. Mit dem Shopware-basierten Online-Shop hat Siena Garden bereits den ersten Schritt in den Direktvertrieb an Endkunden gemacht. Der lokale Direktvertrieb in eigenen Stores war bislang jedoch nicht möglich, weil die dafür nötige Kasseninfrastruktur fehlte.
Ausgangslage: Vom Großhändler zum D2C-Händler, aber ohne Kasse für den eigenen Store
Siena Garden verfolgte die klare strategische Ambition, sich vom reinen Großhändler zum Direktvertrieb an Endkunden zu wandeln. Online war dieser Schritt mit dem Shopware-Shop bereits gelungen, im stationären Handel fehlte jedoch das entscheidende Puzzlestück. Ohne eigenes Kassensystem ließ sich der lokale Direktverkauf an Endkunden nicht abbilden, und herkömmliche Lösungen passten nicht zu den Anforderungen. Ohne eigene Kasse gibt es keinen eigenen Store.
1. Keine Systemvernetzung
Herkömmliche Kassensysteme sind geschlossene Insellösungen, die keine Verbindung zum Online-Shop herstellen. Produkte, Preise und Gutscheine müssten doppelt gepflegt werden.
2. Getrennte Kundenprofile
Ein Kunde, der online und im eigenen Store kauft, würde in zwei getrennten Systemen als zwei verschiedene Personen existieren. Eine echte D2C-Kundenbeziehung wäre von Anfang an fragmentiert.
3. Parallele Datenwelt
Die gesamte Sortiments- und Bestandslogik lag bereits in Shopware. Eine separate Kasse würde eine parallele Datenwelt schaffen und den operativen Aufwand für den neuen Kanal vervielfachen.
4. Keine passende POS-Integration
Kein am Markt verfügbares POS-System bot die nötige Integration mit Shopware, um den Direktvertrieb aus einer einzigen Commerce-Engine heraus zu betreiben.
Schnell zeigte sich, dass der lokale Direktvertrieb an Endkunden nur dann wirtschaftlich und operativ sinnvoll wird, wenn er auf derselben Plattform läuft wie der Online-Shop. Shopware musste vom reinen Webshop-System zur Commerce-Engine für alle Kanäle werden, einschließlich der Kasse im eigenen Store.
Projektziele: Shopware als Enabler für den lokalen Direktvertrieb
Um den lokalen Direktvertrieb an Endkunden zu ermöglichen, wurden gemeinsam mit Siena Garden klare Ziele definiert:
- Shopware als Single Source of Truth: Produkte, Preise und Kundendaten werden zentral in Shopware gepflegt und gelten einheitlich für Online-Shop und POS.
- Vollwertiges Kassensystem: Keine Light-Version oder Plugin-Kompromiss, sondern eine eigenständige Kassenanwendung mit professioneller Hardware-Anbindung.
- KassenSichV-Konformität: Das System muss ab Tag 1 jede Kassenprüfung bestehen, inklusive Cloud-TSE, Belegausgabepflicht und DSFinV-K-Export.
- Security by Design: Gehärtete Architektur, die auch den Anforderungen eines Unternehmens mit über 70 Standorten standhält.
- In time und budget: Umsetzung ohne klassisches Lastenheft, stattdessen iterativ mit einem festen Kernteam.
Wir wollen als Siena Living den nächsten Schritt gehen und als Online Pure Player auch direkt auf der Fläche verkaufen. Ohne unser Shopware-basiertes Kassensystem wäre das im stationären Handel schlicht nicht möglich gewesen. synaigy hat verstanden, was wir brauchen, und hat geliefert.
Stefan Brechler
Group Head E-Commerce Services
H. Gautzsch
Die Lösung: Ein Kassensystem auf Shopware, von der Architektur bis zum Bondrucker
Shopware-Plugin und Custom Architektur
Den Kern der Lösung bildet das eigens entwickelte Shopware-Plugin. Es führt einen neuen Sales-Channel-Typ „Store“ ein, der die gesamte Shopware-Logik für Preise, Promotions und Kundendaten nutzt, aber in einem sauber getrennten Scope operiert. Darüber hinaus bringt das Plugin eigene Entities für POS-Konfiguration, Filialbestand und Mitarbeiterverwaltung mit. Die Authentifizierung erfolgt über PIN-basiertes Login mit rollenbasierter Zugriffskontrolle.
Electron-App mit Next.js-Frontend
Die POS-Anwendung selbst ist eine native Windows-Applikation auf Basis von Electron mit eingebettetem Next.js 15 und React 19. Diese Architekturentscheidung war bewusst gewählt, denn nur eine native Desktop-App ermöglicht die direkte Kommunikation mit Hardware-Peripherie über Betriebssystem-Schnittstellen, ohne auf eingeschränkte Browser-APIs angewiesen zu sein.
Hardware-Integration: Kartenterminal, Bondrucker, Scanner, Kundendisplay
Die POS-Lösung steuert alle relevanten Hardware-Komponenten direkt aus der Electron-App an:
- Kartenterminal: Integration des EC- und Kreditkarten-Terminals (TCP/IP). Der Zahlungsbetrag wird automatisch an das Terminal übergeben, der Zahlungsstatus zurückgemeldet. Das Terminal verarbeitet Kartendaten vollständig standalone – die App erhält nie sensible Kartendaten.
- Bondrucker: DIN-A4-Belegdruck über den Windows Druckspooler. Die Druckvorlagen werden in Shopware gerendert und enthalten alle gesetzlich vorgeschriebenen Angaben inklusive TSE-Signatur und Transaktionsreferenz.
Rechtssicherheit: KassenSichV, TSE und GoBD-Konformität
Compliance ist bei einem Kassensystem keine optionale Ergänzung, sondern Kernarchitektur. Die Lösung implementiert sämtliche Anforderungen der Kassensicherungsverordnung:
- Cloud-TSE-Anbindung mit kryptographischer Signatur jeder Transaktion und Fallback-Logik bei Verbindungsunterbrechung.
- Vollständige Belegausgabepflicht: Jeder Kassenbon enthält TSE-Signatur, Transaktionsnummer, Seriennummer und QR-Code.
- DSFinV-K-Export für Betriebsprüfungen ist standardmäßig implementiert.
- GoBD-konforme, unveränderbare Aufbewahrung aller Kassenvorgänge
Was das Projekt besonders gemacht hat
Ohne Lastenheft, in time und budget
Statt mit einem 200-Seiten-Pflichtenheft zu starten, hat ein festes Kernteam mit direktem Kundenzugang in kurzen Zyklen gearbeitet. Vertrauen und schnelle Entscheidungen statt Wasserfall. Das Ergebnis ist ein produktionsreifes Kassensystem, pünktlich geliefert.
Einmalige Integrationstiefe
Die Kombination aus nativer Hardware-Steuerung, gehärteter Electron-Architektur, Custom Shopware-Plugin und integrierter Cloud-TSE gibt es in dieser Form kein zweites Mal im Shopware-Ökosystem.
Shopware als Enabler für den Direktvertrieb
Ohne das Shopware-basierte Kassensystem gäbe es keinen lokalen Direktvertrieb. Der Custom Sales Channel Type „Store“ macht Shopware zur Commerce-Engine für den eigenen Store, mit denselben Preisen, Promotions und Kundendaten wie im Online-Shop.
Ergebnisse: Lokaler Direktvertrieb mit Shopware als einheitlicher Commerce-Plattform
Mit dem Shopware-basierten Kassensystem hat Siena Garden den Sprung vom reinen Online-D2C in den lokalen Direktvertrieb geschafft. Erst durch diese Lösung ist es möglich, in eigenen Stores direkt an Endkunden zu verkaufen und dabei auf dieselbe Commerce-Engine zuzugreifen wie im Online-Shop.
- Der lokale Direktvertrieb an Endkunden ist erstmals möglich. Siena Garden kann in eigenen Stores verkaufen, ohne eine separate Kasseninfrastruktur aufbauen zu müssen.
- Online-Shop und Store laufen auf einer Plattform. Produkte, Preise und Kundendaten werden zentral gepflegt, ohne doppelten Aufwand.
- 100 Prozent KassenSichV-konform ab dem ersten Einsatztag. Die Lösung besteht jede Kassenprüfung.
- Skalierbare Architektur, die für den Rollout auf weitere Standorte und internationale Märkte vorbereitet ist.
Zentrale Learnings aus dem POS-Projekt
Das Projekt hat gezeigt, dass auch hochkomplexe Systeme pragmatisch entstehen können, wenn Vertrauen, Teamstabilität und technische Exzellenz zusammenkommen.
Vertrauen schlägt Lastenheft
Ein festes Kernteam mit direktem Zugang zum Kunden und kurzen Entscheidungszyklen liefert schneller und passgenauer als ein klassischer Wasserfall-Prozess.
POS ist kein Nebenprojekt.
Die Integrationstiefe bei Hardware, Recht und Sicherheit darf nicht unterschätzt werden. Ein Kassensystem erfordert dieselbe Sorgfalt wie ein Online-Shop.
Der richtige Partner an der Seite.
Ohne einen Auftraggeber, der schnell entscheidet, Nerven bewahrt und dem Team den Rücken freihält, wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen.
Electron ist die Wahl für native Hardware
Wer Bondrucker und Kartenterminals direkt ansteuern muss, kommt mit Browser-APIs nicht weit. Electron bietet das Beste aus Web-Technologie und nativer OS-Integration.
Compliance gehört in die Architektur
KassenSichV, TSE und GoBD müssen von Anfang an mitgedacht werden. Nachrüsten ist teurer und fehleranfälliger.