Joubin Rahimi
Grandios, dass ihr wieder dabei seid zu einer neuen Folge von insights! Und heute von INSIGHTS the Conference. Mein Name ist Joubin, Joubin Rahimi, und mit bei mir ist Pip Klöckner. Hi Pip!
Philipp Klöckner
Hallo, ich freue mich da zu sein.
Joubin Rahimi
Total, weil auf dem Event, und wir machen das ja jetzt zum dritten Mal, das erste Mal hatten wir einen anderen Namen, warst du ja jedes Mal und es ist auch so, dass viele sagen: Ist der Pip wieder da? Und so weiter. Also insofern danke, dass auch für die Konstante, dass wir dich immer wieder hier dabei haben.
Philipp Klöckner
Ich versuche es gerne. Gute Tradition geworden.
Joubin Rahimi
Ja, und das ist ja auch so, dass du auch immer wieder Updates mitbringst von Jahr zu Jahr. Und da würde ich heute auch gerne einfach mal einsteigen. Letztes Jahr waren wir im Juni beieinander, also nicht ganz 12 Monate, bisschen weniger. Wie viel hat sich aus deiner Sicht in diesen 10 Monaten verändert?
Philipp Klöckner
Unheimlich viel.
Joubin Rahimi
Hast du gleich einen Vortrag mitgebracht mit 3 Slides neu?
Philipp Klöckner
Genau, da werde ich noch mal drauf eingehen. Genauer. Aber es ist wirklich schwer, sich vorzustellen, wo wir vor einem Jahr waren. Es hat sich so viel getan, gerade was die Fähigkeiten dieser Large Language Models angeht. Ich glaube, die größten oder die 2, 3 größten Änderungen sind einerseits so das Execution Window, also wie lange diese Modelle unabhängig arbeiten können. Vor einem Jahr war das so, dass die mal so 3 Minuten ein bisschen Code schreiben konnten oder so ein Research Task machen konnten. Heute ist das so, dass die die neuesten Anthropic-Modelle einen halben Tag lang autonom arbeiten können. Also man kann abends ins Bett gehen, denen eine Aufgabe geben: Bau mir ein Projekt, mach Research, bau eine App selbstständig, und die arbeiten wirklich 8 bis 12 Stunden, und die Komplettierungsrate ist noch so 50/50. Es kann auch sein, dass sie mal scheitern, aber sie können quasi einen halben Tag autonom arbeiten. Das ist eine große Änderung, produzieren natürlich auch unheimlich viele Tokens in der Zeit. Das wird wird dann auch teurer, die Kosten steigen. Gleichzeitig sinken die Kosten pro Token einfach. Deswegen können die auch länger arbeiten. Deswegen können die auch quasi noch komplizierter denken oder verschiedene Agenten so im Orchester nebeneinander arbeiten lassen, weil die Kosten pro Token Faktor 100 teilweise günstiger geworden sind innerhalb von einem Jahr. Die sogenannte Inferenz, das Abfragen der KI, wird immer günstiger. Das ist ein großer Treiber und sorgt für noch mehr Nutzung auch. Und ganz aktuell gibt es noch mal einen Riesendurchbruch bei der Bildgenerierung. Also das Images-2-Modell von ChatGPT ist rausgekommen. Die haben sich ansonsten viel Schneid abkaufen lassen zuletzt von Anthropic, gerade beim B2B-Umsatz. Aber dieses neue Image-Modell ist wirklich beeindruckend. Also da kann man innerhalb von Minuten von Wimmelbildern über Infografiken, Social-Media-Kacheln, historische Poster, Landkarten, Nicht perfekt. Auch da sind manchmal noch so kleine Fehlerhalluzinationen versteckt. Aber im Vergleich zu diesen anderen Bildmodellen der letzten Generation, Midjourney und so weiter oder Black Forest Labs, ist es ein Riesenquanten-Sprung, muss man schon sagen, weil das Modell kombiniert Bilderstellung mit Nachdenken. Also man kann sagen, mach mir mal eine LinkedIn-Ankündigung für die Insights und der sucht selber, welches Datum ist das? Ist das im Smart Village? Wer bist du eigentlich? Was ist dein Hintergrund? Und baut daraus quasi das, was sonst ein kleines Social-Media-Team innerhalb von 1, 2 Stunden gemacht hätte vielleicht.
Joubin Rahimi
Und witzig, wir haben auch der große Unterschied, die Kuratierung beispielsweise des Events. Wir haben jetzt über 100 Vorträge, haben wir jetzt hier, also eine Menge. Wir hatten aber über 200 auf der Liste und jeder wollte natürlich mit dabei sein. Und wie bekommst du es hin und wie ordnest du es zusammen und wie packst du das in Streams rein? Das war etwas, da habe ich dann erst mal altes Muster, mir alles angeguckt, mal ausgedruckt, Schnipsel gemacht. Ich komme da echt nicht voran und ich brauche wahrscheinlich eine Woche allein, um das zu machen. Und dann dachte ich, ach, ich probiere es mal in Claude. Und dann Claude angeschmissen und ich gucke jetzt mal an der Kamera bisschen vorbei, weil da ist die Patricia, die leidet auch manchmal drunter. Und dann gesagt, okay, ich habe die Herausforderung, was ist unser ICP, was wollen wir als Firma erreichen? Was war letztes Mal begeisterungsfähig? Hier sind die ganzen Feedbacks dazu. Bau bitte das Ding. Und er hat das gemacht. Und dann habe ich festgestellt: Eigentlich gar nicht so geschickt. Bau mir bitte 5 Versionen mit verschiedenen Ausrichtungen.
Philipp Klöckner
Genau.
Joubin Rahimi
Und dann: Mega! Und jetzt fängt der Spaß an. Und der hat dann auch erst mal eine halbe Stunde oder so gebaut. Ich habe immer geguckt. Warum dauert es so lange. Nee, das ist anders.
Philipp Klöckner
Aber wenn man es selber gemacht hätte, hätte es 4, 5 Stunden gedauert oder noch länger. Ich habe auch ein schönes Beispiel. Ich wollte einfach nur eine Matrix als Hintergrund generieren. Also ich habe gesagt, also die These ist, der KI-Markt ist nicht ein Markt, sondern es ist eigentlich Consumer, Professionals, B2B. Und dann gibt es Leute, die erwarten free, Leute, die wollen Subscription zahlen und dann gibt es sozusagen konsumabhängigen, also API sozusagen Rechnungsstellung pro Token. Und bauen wir das nur mal als Matrix. Und dann wollte ich die möglichen Gewinner da eintragen und dann hat dieses Modell aber vollautomatisch mir schon alle Player in den einzelnen Segmenten da reingegeben. Danach habe ich gar nicht gefragt, aber er hat quasi diese Grundstruktur sofort ausgefüllt. Also das, was normalerweise ein Juniorberater oder Analyst 2, 3 Stunden recherchieren würden, hat es einfach innerhalb von 2 Minuten fertig gebaut. Damit war die Slide fertig. Es waren viel mehr Logos drin, als ich eigentlich wollte. Jetzt sehe ich, welche Player da eigentlich aktiv sind im Free-Consumer-Markt oder im B2B-Markt. Fand ich auch beeindruckend.
Joubin Rahimi
Wie glaubst du, verändern sich dann Firmen und Rollen dazu? Also schaut ihr euch das auch an oder bist du eher nur auf der Finanz- und Tech-Ebene?
Philipp Klöckner
Ich glaube, das unterscheidet sich sehr stark nach dem Profil der Firma. Ich glaube, bei herkömmlichen, gealterten Firmen, auch öffentlichen Trägern vielleicht oder so typischen Mittelständlern, sa wird es wieder einen Transformationsprozess geben, der vielleicht eine Dekade dauern kann, einfach weil es am Ende darum geht, die Gewohnheiten von Menschen und Organisationen, Strukturen zu verändern, und das dauert. Wenn man sich die Digitalisierung anschaut, die heute noch nicht abgeschlossen ist, 20 Jahre vor sich hergeht quasi, dann glaube ich, wird es in den Firmen so ähnlich sein. Und ganz ähnlich auch wieder parallel zur Digitalisierung: Die Start-ups, die heute entstehen, oder die Freelancer, die heute beginnen mit mit AI anzufangen. Die Studenten, die heute, und Studentinnen, die die Uni verlassen, die würden halt für gewisse Rollen gar keine Menschen mehr einstellen. Die würden den Einkauf von KI erledigen lassen, Großteil der Legal Work, Accounting von KI erledigen lassen, Großteil des Marketings von KI erledigen lassen. Also ich glaube, da gibt es auch gute Statistiken für, die zeigen, dass um ein Unicorn zu bauen, braucht man immer weniger Mitarbeiter. Es gibt noch nicht diese Ein-Personen-Milliarden-Companies. Aber was man schon sehr gut sehen kann an den Zahlen, ist, dass viel weniger Leute gehired werden, um quasi auf 100 Millionen Umsatz oder auf eine Unicorn-Bewertung zu kommen. Das heißt, es wird so eine Parallelökonomie geben, glaube ich, dass es sehr schwer wird, die älteren Firmen zu transformieren. Und gleichzeitig droht Gefahr von sehr, sehr schnell wachsenden jungen Firmen, die unheimlich dynamisch arbeiten.
Joubin Rahimi
Und die typischerweise nicht aus Europa kommen oder?
Philipp Klöckner
Ich habe prinzipiell, würde ich sagen, ist ein globales Phänomen, aber die größten, am schnellsten wachsenden Firmen, die am besten finanzierten Firmen natürlich sind in den USA und sicherlich in China auch.
Joubin Rahimi
Ich will noch mal auf die Menschen eingehen. Wir haben dann weniger Personal, die bestimmte Sachen dann machen. Wir haben eine Basis und Applikationen oder Lösungen baust du, was weiß ich, 100 im Jahr in einer Firma. Jetzt kannst du aber mit AI 100.000 machen.
Philipp Klöckner
Theoretisch.
Joubin Rahimi
Theoretisch, genau, mit derselben Truppe. Einige werden die Truppe verkleinern, andere werden vielleicht sagen, ich nutze das Ganze. Die Frage ist, wie endlich ist das oder was kommt eigentlich danach? Das ist die Frage, die ich mir immer stelle. Ich habe alle Lösungen für unsere Kunden dann durchdigitalisiert. Ist das so dann fertig oder was ist die nächste Ebene? Ganz viele Gedanken.
Philipp Klöckner
Also man sieht das schon ein bisschen bei Anthropic, wenn man da schaut, mit was für einer Geschwindigkeit da neue Features, Produkte, Launches, Security-Updates auf den Markt kommen. Also jede Woche 2, 3 größere.
Joubin Rahimi
Auch mit Design jetzt noch mal.
Philipp Klöckner
Genau, Design, Cowork. Jede Woche wird eigentlich eine neue Profession angegriffen, eine neue Startup-Kategorie angegriffen. Diese Entwicklungsgeschwindigkeit hättest du ja bei einer normalen Firma nicht gesehen. Aber weil Anthropic quasi selber zunächst Software gebaut hat und jetzt haben die Software die Software gebaut oder Menschen sehr stark unterstützt, haben sie wahnsinnige Geschwindigkeit. Was sich daraus ableitet, ist: Es ist wichtiger, Probleme zu finden als Lösungen. Also die Lösungen sind einfacher zu bauen als Probleme zu finden in Zukunft wahrscheinlich. Und was die Restriktion sein wird, ist, glaube ich, die Nachfrage zu finden wird immer schwerer sein. Also viele Sachen, man könnte zum Beispiel sagen, wenn man über Bild- und Videoerstellung nachdenkt, dass Hollywood und die Gaming-Industrie sehr stark angegriffen ist, habe ich letztes Jahr hier, glaube ich, so erzählt auch. Dass quasi jeder ein Computerspiel über Nacht bauen kann, der noch nie programmiert hat. Das ist auch so und wird immer stärker so werden. Es werden auch Leute ihre eigenen Hollywood-Filme texten können mehr oder weniger in Zukunft. Das Problem ist, dass dadurch nicht ein Mensch mehr ins Kino geht. Leute haben ja trotzdem nicht mehr Zeit, um Fernsehen zu gucken oder um Filme zu schauen. Das heißt am Ende ist die Nachfrage die Restriktion. Es geht darum, wer erreicht noch die Kunden mit den Produkten am besten.
Joubin Rahimi
Das ist so, wenn ich mir Fernsehen angucke, gibt es weiterhin Netflix, Streaming-Media gibt es weiterhin. Jetzt bei Insta und Co., also die ganzen Snippets gibt es auch. Wir Menschen verbringen eigentlich immer mehr Zeit dann mit den Sachen, weil wir ansonsten weniger arbeiten müssen. Oder ja, das sind so Überlegungen, Was macht es mit unserer Gesellschaft dort?
Philipp Klöckner
Auch da wird es glaube ich einen riesen Divide geben zwischen Creatoren oder Buildern, würde man im Englischen vielleicht sagen, also Dingen, die mit KI was bauen, und Konsumenten. Also es wird eine, jetzt mal tendenziell gemeint, aber es wird relativ träge Leute geben, die hauptsächlich Konsumenten sind.
Joubin Rahimi
Die Matrix, so ein bisschen, ne?
Philipp Klöckner
Genau.
Joubin Rahimi
Bist du angedockt und—
Philipp Klöckner
Genau, einfach die noch mehr Social Media, natürlich werden die Inhalte, sagen, noch suchtführender werden. Die Algorithmen werden noch besser werden und Menschen werden, manche Menschen werden sich davon gar nicht losreißen können. Und für andere wird das halt eine Explosion an Kreativität sein. Also die können noch mehr verwirklichen, noch mehr bauen. Die werden noch mehr Zeit am Tag damit verbringen, Produkte und Lösungen zu generieren. Und es gibt natürlich auch dazwischen irgendwelche Phänomene. Aber die Spaltung wird es geben, natürlich.
Joubin Rahimi
Und dann ist die Frage, wie ist der Kreislauf des des Kapitals, also nicht nur des Kapitals, auch der Wertschöpfung. Du machst Doomscrolling, arbeitest kaum noch, weil du es nicht musst, bist aber dopaminversorgt und eigentlich glücklich. Vermehren wir uns?
Philipp Klöckner
Also würde man jetzt im Silicon Valley fragen, dann wäre das Narrativ natürlich, das wird eine ganz neue Zeit von Autonomie, jeder kann alles auf einmal. Das wird meiner Meinung nach aber nicht so kommen. Genauso auch wie beim Internet oder Digitalisierung. Wird zu noch mehr Konzentration von Kapital führen, höchstwahrscheinlich. Uns wird immer das Gegenteil erzählt worden. Beim Internet gab es so den Long Tail, da hat man so erzählt, durch Amazon, durch Netflix können jetzt auch kleine Independent-Filme größer werden. Ist natürlich Quatsch, das Gegenteil ist passiert. Wir gucken alle die gleichen Serien, wir hören alle die gleichen, wir hören alle Taylor Swift eine Milliarde Mal statt irgendwelche Independent-Künstler. Und zu dieser Konzentration, die durch Algorithmen sehr stark verstärkt wird nochmal, wird es auch durch KI kommen. Und die Gefahr ist halt, dass die positiven Effekte von KI, die es natürlich gibt, ganz stark in der Hand, oder die Erträge daraus ganz stark in den Händen weniger Tech-Unternehmen und deren Shareholder quasi konzentriert sind und dass die negativen Effekte, eventuell Jobverlust, Ablenkung, suchtführendes Verhalten und so weiter, sich dann bei der breiten Masse sozusagen verteilt und sozialisiert werden. Also die Gefahren werden sozialisiert und die Gewinne privatisiert, wenn Politik da nicht handelt.
Joubin Rahimi
Nicht anders.
Philipp Klöckner
Das ist eine große Herausforderung. Bei der Digitalisierung haben wir es nicht so gut geschafft bisher. Also die Konzentration steigt, die Mittelschicht wird tendenziell zumindest nicht reicher, partizipiert nicht mehr daran, aber die Menschen, die an Tech-Firmen beteiligt sind, werden natürlich unheimlich reich.
Joubin Rahimi
Aber in Europa, wenn ich nach Südostasien gucke, wächst die Mittelschicht ja.
Philipp Klöckner
Genau, das ist auch richtig. In Asien, Südostasien, China, da ist es noch so, dass über die letzten Jahrzehnte relativ nachhaltig und linear immer mehr Menschen aus absoluter Armut rauskommen. Auf jeden Fall ist das unbedingt gut. Für die ist es auch eine große Chance. Wobei interessanterweise gerade der, oder zumindest für einige von denen, deren Jobs jetzt angegriffen werden. Zum Beispiel, wenn wir auf den Entwicklermarkt schauen, Dann sind es nicht die irgendwie Entwickler, die bei der Deutschen Kariath Software für VW bauen oder so, sondern die ihren Job verlieren, sondern die ersten, die den Job verlieren, sind diese typischen Outsourcing-Dienstleister in Indien, InfoSec oder InfoTech oder so, das sind, oder Tata Consulting, die so Hunderttausende von Entwicklern beschäftigen, die man da einkaufen kann, die dann vielleicht ganz viele Datenbank-Anbindungen machen oder ganz viele Webseiten scrapen für Kunden, für Marktmacher, Marktplätze oder so. Und da sieht man schon, dass es da zu Massenentlassungen kommt, weil die Jobs kannst du halt wirklich voll autonom inzwischen mit KI ganz gut machen. Das heißt, oder Callcenter-Agenten waren viele in Philippinen zum Beispiel, weil die gut, relativ gut Englisch sprechen und andere Sprachen auch. Die sind massiv durch KI bedroht leider auch.
Joubin Rahimi
Wir haben ja bei uns, wir sind 1700 Mitarbeiter, haben auch in Malaysia, Singapur Standorte. Ich war vor 2 Jahren auch drüben und dann vor einem Jahr noch mal. Die Idee war halt, auch für unseren digitalen Agenturarm, für die synaigy, was aufzubauen. Glücklicherweise, weil wir genug Aufträge, haben wir uns dann gedacht, okay, wie können wir da größer werden? Das war noch vor Claude. Und dann haben wir heute auch unsere AI Factory vorgestellt und das war dann halt eigentlich unser Experiment. Können wir mit AI total viel machen? Und das war ein hammer cooles Ergebnis. Dabei haben wir festgestellt, das wird eine Menge verändern. Und damit hat sich bei uns die Überlegung, wir gehen nach Südostasien oder Brasilien oder wohin auch immer, sofort gesagt: Nee, machen wir nicht, weil die Personen bedienen dann ja auch nur AI. Also haben wir noch eine Schicht da drin. Ja, mag vielleicht vom Kostenpunkt her günstiger sein, aber wo wollen wir uns bewegen? Haben wir gesagt, unser Mehrwert ist doch, wenn wir mit dem Kunden direkt in einem Raum sitzen und die Sachen besprechen können, viel näher. Und dann lass uns das aus Deutschland raus produzieren, oder Deutschland ist vielleicht falsch formuliert, dort wo der Kunde sitzt.
Philipp Klöckner
Genau.
Joubin Rahimi
Und schwupp, war das von 100 auf 0, der Gedanke weg. Du stützt das gerade, ne? Aber siehst du das auch so?
Philipp Klöckner
Ja, ich glaube, diese, also früher hat man versucht, so ein bisschen so eine Werkbank outzusourcen. Und diese Werkbank kann jetzt noch nicht komplett, aber zunehmend von KI gemacht werden. Und tatsächlich, wenn man davon ausgeht, dass ein Entwickler unterstützt oder ein Produktmanager, Produktmanagerin unterstützt mit KI einfach deutlich mehr Lösungen bauen kann, dann ist natürlich viel weniger wichtig, was diese eine Person jetzt kostet, weil am Ende wird das Tokenbudget, was sie braucht, also wir werden das haben, dass man einem Produktmanager, Produktmanagerin 150.000, 200.000 vielleicht im Jahr zahlen, wenn sie richtig produktiv sind. Die werden aber 2 Millionen an Tokenbudget vielleicht verbraten für KI. Aber früher hätten sie halt vielleicht eine 40-, 50-Entwickler-Organisation hinter sich gehabt. Die wird man nicht mehr brauchen. Und damit fallen natürlich nicht nur die Kosten für die menschlichen Entwickler weg, sondern auch die Querschnittsfunktionen. Ich brauche kein Recruiting mehr, ich brauche kein HR Admin mehr, ich brauche kein Payroll in anderen Ländern mehr, was ja sehr aufwendig ist. Auch da gibt es Lösungen, aber das hat schon einfach auch in der Komplexität Vorteile. Es ist natürlich viel einfacher, eine Organisation mit 50, 100, vielleicht 200 Menschen zu führen, als wenn man auf der Welt verteilt 2.000, 3.000 Leute sozusagen beschäftigen muss.
Joubin Rahimi
Total.
Philipp Klöckner
Und die Geschwindigkeit. Also es geht natürlich immer viel um Kosten, Komplexität, aber der eigentliche Gewinn ist natürlich die Geschwindigkeit. Also dass ich mit Kunden nach 2 Tagen den ersten Aufschlag machen kann, also Prototypen zeigen kann. Eigentlich, wenn der Kunde schnell genug ist, wieder ein Meeting zu haben. Also der Kunde wird wahrscheinlich zum Bottleneck, schnell genug die Ergebnisse zu teilen.
Joubin Rahimi
Das haben wir auch gemerkt. Bei Kloeckner haben wir das gehabt. Wir waren dann halt fertig und der Kunde hat gesagt, wir brauchen aber noch 3 Monate. Und wir haben halt schon ganz viel mit AI gemacht und die noch nicht. Und auch super Leute, aber die hatten halt andere Barrieren, sage ich mal so, strukturelle Barrieren in der Firma. Und konnten gar nicht so, wie die schlauen Köpfe da eigentlich wollten.
Philipp Klöckner
Und das meine ich, warum die Transformation, obwohl Kloeckner ja schon viel macht mit eigenen Inkubatoren und so, warum die Transformation länger dauern wird, weil diese Beharrungskräfte in Bestandsorganisationen, die unterschätzt man halt tendenziell. Selbst wenn ihr als Dienstleister oder Partner da unheimlich schnell arbeiten könnt und Dinge realisieren könnt, bis das abgezeichnet wird, von Legal geprüft wird und so weiter, dauert dann beim Kunden vielleicht immer noch so lange wie früher und dadurch wird dieser Wandel dann doch viel behäbiger vor sich gehen, als man denkt.
Joubin Rahimi
Wie viele Firmen sind dir schon untergekommen, die sagen: Ich habe ein Tokenbudget für einen Entwickler oder pro Team in Deutschland?
Philipp Klöckner
In der jüngsten Kohorte der Start-ups, ich würde sagen, die in den letzten 2, 3 Jahren gegründet wurden oder jetzt ganz jüngst, ist das fast Standard würde ich sagen. Da gibt es vielleicht noch zwei Fälle. Es gibt die, die gar nicht so AI-first sind. Da sind es dann einzelne Personen, die vielleicht schon so unter der Haube ganz viel mit Claude machen. Also es gibt wirklich Leute, ich will jetzt niemanden nennen, aber die eigentlich sagen so zwei Drittel meines Jobs macht Claude, aber ich supervise das noch und das ist ja auch ein Job.
Joubin Rahimi
Das ist total okay.
Philipp Klöckner
Aber eigentlich laufen ständig 3, 4 Prozesse, die ich gestartet habe, wo ich auf Ergebnisse warte. Das heißt, die gibt es, das passiert so ein bisschen unter der Haube, aber es gibt auch welche, die das ganz klar quasi zur Firmenphilosophie machen oder zum Modus operandi, dass sie AI-first arbeiten. In großen Firmen habe ich es, wenn wir jetzt deutscher Mittelstand, typischen Hidden Champions, MDAX-, DAX-Unternehmen, da habe ich das natürlich noch überhaupt nicht gesehen. Auch nicht in den Consulting-Firmen, die das verkaufen. Also die, ich nenne jetzt mal alle, damit, also ich meine gar keinen Speziellen, das könnte Accenture sein, könnte Deloitte sein, eine BCG, McKinsey oder so. Die nutzen teilweise selber nicht die Lösung intern, also ob es dann einen companyweiten Agenten gibt, der das Wissen der ganzen Company und aller Kunden verinnerlicht, weiß ich nicht. Ich habe nicht den Eindruck, dass das der Fall ist. Gleichzeitig versucht man anderen das schon als Lösung zu verkaufen.
Joubin Rahimi
Ja, das Problem ist häufig: Habe ich die Daten? Also wir sind ja mit neun Marken, vielleicht aus dem Nähkästchen ein bisschen plaudern. Wir haben 9 Marken und wir haben gesagt Referenzsituationen. Also welche Referenzen haben wir zu welchem Kundencase? Da müssen wir uns erst mal öffnen und früher war es ja immer so, wir halten die Daten so eng wie möglich. Nicht alle Daten für alle. Ich sag mal Referenzen sind jetzt mal nicht so geheim, aber es führte dazu, dass ja Ordnerstrukturen und so weiter immer so dann weggeblockt werden in Abteilungen, Bereiche.
Philipp Klöckner
Rechtemanagement ist unheimlich wichtig für KI, weil man will ja nicht, dass jeder die Firmen, also der Pförtner, ich sag mal übertrieben, der Pförtner die Firmen-KI fragen kann, was verdient der CEO.
Joubin Rahimi
Das ist okay. Aber auf der anderen Seite, wenn du sagst Referenzen, dann willst du ja Zugriff auf alle haben, die du irgendwie nehmen kannst. Und das finde ich, da gibt es dann eine Menge zu tun, weil genau, arbeite ich dann halt in Strukturen, die wir kennen, also das ist ein Ordner, da darfst du rein, da nicht, oder ich schieb es rum, oder weiß die KI, was sie überhaupt mitgeben kann? Jetzt gibt es natürlich Datenschutz.
Philipp Klöckner
Ja, da kommen wir gleich nochmal drauf zu. Zugriffsrechte eigentlich, wer darf mit welchem Purpose oder welchem Intent worauf zugreifen? das ist unheimlich schwer. Und was ich auch vollkommen teile, ist, dass die Consulting- und Integrationsarbeit, die derzeit gemacht wird bei den größeren Kunden, ist eigentlich alles Dateninfrastruktur-Arbeit noch, weil da hapert es halt noch, damit KI mit Daten arbeiten kann muss sie halt auch für KI maschinenlesbar optimiert sein. Was sie halt nicht kann, ist die Taxonomie von der Tabelle, mit der der oder die CFO seit 20 Jahren arbeitet, automatisch verstehen. Dafür sind die Daten noch nicht uniform genug. Würden sie sich alle an so eine Terminologie halten oder eine Taxonomie halten, dann könnte KI das ganz gut. Aber das erstmal zu lernen und Daten zu normalisieren, das ist ja, was Palantir zum Beispiel in den USA ganz inzwischen weltweit ganz erfolgreich macht, dass sie erst mal Leute in die Firma schickt, die die Daten so normalisieren, Taxonomien zufügen, damit sie maschinenlesbar, maschinenauswertbar wird. Und dann kann KI relativ autonom damit arbeiten. Die Fehler passieren hauptsächlich aufgrund schlechter Daten. Die Technologie ist eigentlich gar nicht so schlecht.
Joubin Rahimi
Und das ist natürlich eines der Kernthemen in den Unternehmen, die Daten dann rauszuziehen. Was würdest du als Unternehmenslenker:in Europa machen? Also wenn du CEO eines Hidden Champions bist, was wären so ein, zwei Gedanken, die du hättest, da würde ich direkt reingehen?
Philipp Klöckner
Das hat sich gar nicht so stark verändert, aber vielleicht ist es noch mal klarer und wichtiger geworden. Also das proprietäre Daten, Daten, die niemand anders hat, sind das eigentliche Gold. Daten sind Öl, das hat man schon immer so ein bisschen gesagt. Diese Modelle haben eigentlich alles, was öffentlich an digitalen Daten verfügbar ist, inhaliert schon. Das ist sozusagen gelernt von der KI inzwischen. Jetzt geht es darum, hast du irgendwelche Daten, die kein anderer hat? Also hat ein Bosch vielleicht Daten von den Assistenzsystemen der Autos sozusagen anonymisiert, mit denen man noch besseres Self-Driving bauen kann? Oder hast du irgendwie als Siemens industrielle Produktionsdaten oder Verbrauchsdaten, Windgeneratoren, irgendwie Daten zu Verschleiß oder so. Sowas kann alles wertvoll werden, weil das kannst du nicht aus dem Internet lernen. Da können die großen Anbieter nicht so gut Konkurrenz für bauen. Das kann aber unheimlich wertvoll werden. Das kann man anderen wieder als Lösung weiterverkaufen. Es können medizinische Daten sein. Wie gesagt, alles, was Wartung ist. Predictive Maintenance ist immer ein Thema. Verschleiß, Flottenoptimierung, da ist es immer schwer für andere Anbieter reinzukommen, weil niemand weiß, wie REWE jetzt seine Flotte von Lieferfahrzeugen optimiert oder so. Dazu brauchst du die Firmendaten selbst und das ist der Pool und das kann man eventuell mit eigenen Lösungen, mit Open-Source-Lösungen in deutschen, europäischen Datacentern selber die Wertschöpfung daraus generieren und dann haben wir auch die Wertschöpfung, die steuern die Gewinne in Deutschland, Europa und das ist eigentlich was super Wichtiges für unsere Zukunft, weil das Gegenteil, was drohen würde, ist, dass diese Arbeit in Zukunft alles von US-Unternehmen wie Palantir, aber wie auch OpenAI, Anthropic, die wollen alle so Kooperationen machen in Zukunft mit Private-Equity-Unternehmen, um an die Daten ranzukommen, an die Use Cases ranzukommen, um die Software auch zu distribuieren oder die Modelle zu distribuieren. Und dann wird die Wertschöpfung natürlich zum großen Teil auch bei denen landen, dann wird sie über quasi Steueroasen der Europäischen Union und Deutschland entzogen leider. Das ist jetzt schon sehr absehbar. Die Firmenzentralen von Anthropic, OpenAI sitzen wieder in Irland. Natürlich nicht wegen der exciting Tech-Infrastruktur in Irland, sondern der spannenden Steuern.
Joubin Rahimi
Der exciting tax regulation.
Philipp Klöckner
Genau, in Irland. Genau, deswegen ist das unsere Aufgabe, sowohl politisch als auch Führung für die Deutschland AG oder die beteiligten Unternehmen.
Joubin Rahimi
Ich habe noch eine abschließende Frage, gleich wird hier nämlich auch mit Schlagzeug richtig rumgetrommelt, dann wird man uns wahrscheinlich gar nicht hören. Die Europäer haben irgendwann ja Amerika erobert, physikalisch, vor ein paar hundert Jahren. Mein Eindruck ist, dass die Amerikaner aber auch die Chinesen quasi das umgekehrt mit Europa machen, aber jetzt auf der digitalen Ebene. Kann man das so sehen oder ist das total abwegig? Weil das ist ja schon auch einfach sehr hart und militärisch ausgedrückt oder konfrontativ. Aber das ist so mein Eindruck, dass die Daten einfach rausgesogen werden, die wir in unseren Hidden Champions haben, ohne dass die Firmen ein Auge drauf werfen.
Philipp Klöckner
Könnte durchaus sein, dass am Ende uns nichts anderes bleibt, als so eine Art Protektionismus zu machen. Also wirklich, und dann eben den Marktzugang zu verhindern. Ich bin großer Fan von globalisierten Märkten, nicht falsch verstehen, aber man muss ja überlegen, was ist am Ende pragmatisch und realistisch für uns. Und wenn wir das verhindern wollen, also dass die Wertschöpfung über KI und Robotik, also man kann sagen, KI würde den White-Collar-Sektor abschöpfen, Robotik würde sehr viel im industriellen Sektor, im Blue-Collar-Sektor mit der Zeit, das wird über paar Jahrzehnte gehen natürlich, abschöpfen. Und vielleicht müssen wir uns Zeit kaufen, indem wir da quasi Grenzen einziehen und sagen, wir lösen das selber mit Open Source, wir lösen das selber mit Robotik. Das Problem ist aber, wir haben wenig Energie in Europa, bis jetzt zumindest, und wir haben wenig Ressourcen. Das heißt, die Länder, die prädestiniert sind für so ein KI-Zeitalter, wo die Grenzkosten sehr stark sinken, sind die, die viel Energie haben und viele Ressourcen. Das sind China und Russland leider. Das ist nicht wirklich eine gute Aussicht.
Joubin Rahimi
Ich will damit gar nicht enden.
Philipp Klöckner
Das verstehe ich schon.
Joubin Rahimi
Das ist so negativ. Aber ja, okay, da muss man ja arbeiten.
Philipp Klöckner
Aber wie erkennst du ein positives Bild?
Joubin Rahimi
Letztes Jahr hast du gesagt, wir haben tolle Informatiker.
Philipp Klöckner
Genau. Also wenn man immer wieder, wenn ich diese Fachpapiere lese aus den KI-Laboren oder auch die Präsentationen sehe von den großen US-Tech-Firmen, dann sieht man da unheimlich viele deutsche Namen. Auf den großen Konferenzen gibt es Deutsche. Peter Steinberger, ein Österreicher, hat gerade dieses OpenClaw gebaut, was für die Adoption unheimlich wichtig war und die Technologie ganz weit vorangetrieben hat in der Distribution. Das heißt, wir haben immer noch die Talente, wir haben schlaue, gut gebildete Leute, auch kreative Leute, Leute, die was bauen wollen. Die müssen wir hier halten. Man sieht, hat es in den letzten Jahren so gesehen, dass auch das politische Angebot, gesellschaftliche Angebot eine Rolle spielt. In den USA gibt es gerade so viel Auswanderung wie noch nie. Du hast teilweise in europäische Länder wieder Einwanderung. Viele Leute beantragen wieder einen irischen Pass, in dem Fall nicht wegen Steuern, sondern um sich eine zweite Basis zu sichern, falls die USA noch mehr kippen. Das heißt, wir müssen ein komplettes Angebot bauen aus verschiedenen Vorteilen, die Europa noch hat. Um die Talente hier zu halten, dann haben wir mit Hilfe von Open-Source-Technologie hoffentlich schon noch eine Chance.
Joubin Rahimi
Danke. Danke für die Zeit. Wir sehen uns ja gleich auf der Stage und wenn ihr Fragen habt, beantwortest du auf LinkedIn Fragen oder kommst du einfach gar nicht mehr dazu?
Philipp Klöckner
Genau, einfach unter meinen LinkedIn-Post kommentieren oder eine Nachricht schreiben, gerne.
Joubin Rahimi
Super, danke. Dann, wir freuen uns auf nachher. Und schön, dass ihr zugeguckt habt.