#142 - Zwischen Margendruck und Innovation: So baut man erfolgreiche Digitalservices auf

In dieser Folge von insights! trifft Joubin Rahimi auf Tim Wiese, Co-Geschäftsführer der ANWR Media, dem Digital Service Provider der ANWR Verbundgruppe für Schuh- und Sporthandel. Gemeinsam sprechen wir über den Aufbau digitaler Plattformen für tausende stationäre Händler, echte KI-Use-Cases im Retailkontext, Make-or-Buy-Logik im Mittelstand und die Frage, warum Mindset und Teamgeist mehr bringen als das größte KI-Budget.

Du kannst die besten Player haben, wenn die nicht zusammen als Team funktionieren, dann ist das meistens zum Scheitern verurteilt. Das merkst du in so einer Mannschaft auch. Natürlich dürfen da auch mal die Fetzen fliegen oder man darf auch mal anderer Meinung sein, aber dann muss man eben offen kommunizieren und sich aussprechen. Durch diese unterschiedlichen Meinungen entsteht genau diese Reibung, und diese Reibung führt meistens dazu, dass es besser wird.

Tim Wiese CEO ANWR Media

KI im Schuhhandel? Wie die ANWR Media beweist, dass Digitalisierung keine Budgetfrage ist

Der Handel steht nicht mehr vor der digitalen Transformation. Er ist mittendrin. Wer das noch nicht gemerkt hat, zählt vermutlich nicht zur ANWR Media. In der aktuellen Folge von insights! trifft Joubin Rahimi auf Tim Wiese, der gemeinsam mit Geschäftsführerkollege Michael Stolt die digitale Einheit der ANWR Verbundgruppe leitet. Einer mehr als 100 Jahre alten Genossenschaft für Schuh- und Sporthandel mit tausenden angeschlossenem Händler in Deutschland. Was auf den ersten Blick nach traditioneller Branche klingt, entpuppt sich im Gespräch als einer der ehrlichsten und konkretesten Einblicke in echte Digitalisierungspraxis, die man gerade bekommen kann.

Plattformaufbau statt Schaufensterdekoration: Schuhe.de und Co.

Wer Schuhe.de, Sport2000.de oder das jüngste Kind Absolutteamsport.com kennt, kennt das Ergebnis einer strategischen Entscheidung, die ANWR Media vor Jahren getroffen hat. Was als digitale Visitenkarte für den stationären Handel begann, ist heute ein vollwertiger Plattformbetrieb mit eigenem Marktplatzzugang zu Zalando und Amazon sowie einem eigenen Entwicklerteam. Hinter dieser Entwicklung steckt eine Logik, die viele Unternehmen sich zu wenig trauen: Kompetenzen selbst aufzubauen, wo es sinnvoll ist, und einzukaufen, wo Standards am Markt besser und günstiger verfügbar sind.

Tim nennt das Make-or-Buy-Denken. Und er macht keinen Hehl daraus, dass diese Entscheidung in einer Genossenschaft mit Margendruck keine strategische Spielerei ist, sondern schiere Notwendigkeit. Was viele als Nachteil sehen, verbucht ANWR Media als Vorteil. Wer genau weiß, was er sich leisten kann und was nicht, trifft präzisiere Entscheidungen. Und präzise Entscheidungen führen schneller zu Ergebnissen als Strategieprojekte mit dreijährigem Horizont.

30 Prozent automatisiert: Der digitale Türsteher, der nie schläft

Jetzt kommt das Herzstuck dieser Folge. ANWR Media hat Ende letzten Jahres einen sogenannten digitalen Türsteher eingeführt. Der Name klingt unscheinbar, der Effekt ist es nicht. Es handelt sich um eine KI, die auf Basis tausender eingehender Nachrichten trainiert wurde und Anfragen vollautomatisch kategorisiert, priorisiert und an den richtigen Ansprechpartner weiterleitet. Das Ergebnis spricht für sich:

  • 30 Prozent aller Endkundenanfragen werden direkt durch die KI beantwortet
  • Antworten erfolgen sofort, unabhängig von Tageszeit oder Wochentag
  • Spam wird herausgefiltert und belastet das externe Dienstleisterteam nicht mehr
  • Das interne Customer-Service-Team kann sich auf komplexere Fälle konzentrieren

Das ist kein Pilotprojekt für die Investorenpräsentation. Das läuft produktiv. Und es zeigt, was viele in der Theorie besprechen, aber selten in der Praxis umsetzen: KI wirkt dann, wenn man einfach anfängt. Daneben optimiert ANWR Media aktiv Produktdaten mit KI-Unterstützung, ein Bereich, der bei Plattformen mit riesigen Sortimenten immer einer der größten Kostentreiber ist.

Datensouveränität: nicht optional, aber auch nicht der einzige Faktor

Ein kurzer, aber wichtiger Austausch in der Folge dreht sich um Hyperscaler und Datensouveränität. Joubins Frage, ob die Herkunft der Cloud-Infrastruktur eine Rolle spielt, beantwortet Tim ehrlich: Performance und Preis entscheiden in erster Linie. Aber Datenschutz ist kein Verhandlungsgegenstand. Kundendaten aus B2C- und B2B-Bereichen müssen geschützt sein, darüber wacht ein eigener Datenschutzbeauftragter.   Das ist keine Compliance-Phrase. Es ist ein klares Signal für alle, die glauben, dass Datensouveränität ein Thema für Großkonzerne ist. Auch mittelgroße Plattformunternehmen müssen hier standhalten, und sie können es, wenn die Strukturen stimmen.

Digitale Souveränität: Das übersehene Überlebensthema

Ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das Gespräch: digitale Souveränität. Und hier wird Kai Hudetz besonders deutlich. Sein Kernsatz trifft ins Mark: Inzwischen ist die digitale Infrastruktur zum Überleben genauso wichtig wie die Energieinfrastruktur. Was bedeutet das konkret? Die allermeisten europäischen Unternehmen nutzen bei Cloud, KI und Daten ausschließlich amerikanische Anbieter und das ohne Plan B. Joubin hat dafür kein Urteil, aber eine klare Erwartung: Nutze, was dir nützt, aber habe einen Fallback-Plan. In dem Moment, in dem die Preisschraube gedreht wird oder politische Entscheidungen deine Lieferfähigkeit bedrohen, willst du aufstehen und wechseln können. Genau diese Souveränität – also Flexibilität und schnelle Wechselfähigkeit – wird durch KI selbst leichter. Joubin nennt ein konkretes Beispiel aus der Praxis. Ein Kunde wechselte von einer teurer werdenden E-Commerce-Plattform auf eine neue Lösung – dank KI-Unterstützung zu einem Bruchteil der früher notwendigen Kosten. Was früher ein mehrjähriges Migrationsprojekt gewesen wäre, war auf einmal machbar.

Mindset entscheidet: Was KI-Strategie mit Teamsport zu tun hat

Einer der prägendsten Momente dieser Folge ist eigentlich kein KI-Thema. Tim Wiese kommt aus dem Teamsport und macht keinen Hehl daraus, dass sein Führungsverständnis stark davon geprägt ist. Seine These ist so einfach wie sie unbequem ist: Die besten Einzelspieler bringen nichts, wenn das Team nicht funktioniert. Reibung zwischen Menschen mit unterschiedlichen Meinungen führet dann zu besseren Ergebnissen, wenn offen kommuniziert wird und alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.

Was er über KI und Digitalisierung sagt, ist nicht weniger direkt: Es gibt Leute, die zurückhalten, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Und es gibt welche, die einfach loslaufen. Tim ist überzeugt, dass Unternehmen hier aktiv Haltung zeigen müssen. Das Mindset muss gefördert werden. Warten ist keine Strategie. Das ist keine Management-Lyrik. Das ist eine Haltung, die echte Digitalisierungsprojekte von endlosen Strategierunden unterscheidet.

Geben und Nehmen: Warum Ownership das entscheidende Führungsprinzip ist

Ein weiterer Punkt, der in diesem Gespräch immer wieder durchschimmert: Wie gibt man Verantwortung ab, ohne den Anspruch aufzugeben? Tim beschreibt einen Ansatz, den viele Führungskräfte sich von der Zunge nehmen, aber selten konsequent leben. Freiheiten geben, Entwicklung ermöglichen, Mitarbeiter selbst entdecken lassen. Gleichzeitig aber klar einfordern, dass jeder seinen Teil trägt. Nicht wegschieben. Nicht delegieren, um sich zu entlasten. Sondern echtes Ownership erzeugen.

Das klingt nach gesundem Menschenverstand. Und dennoch ist es in vielen Digitalorganisationen der eigentliche Engpass. Nicht das Budget, nicht die Technologie, sondern die Frage, ob jemand für etwas wirklich einsteht. Wer das löst, hat den entscheidenden Vorteil im digitalen Wettbewerb. Tim Wiese zeigt, wie das aussieht, wenn es gelebt wird.

Du möchtest dir die Folge in voller Länge anhören?
Hier findest du den Podcast des Interviews:

x

Du möchtest dir die Folge lieber ansehen? Kein Problem!
Hier findest du eine Aufzeichnung des Interviews:

Du möchtest lieber lesen? 

Hier ist der Inhalt:

Joubin Rahimi

Grandios, dass ihr wieder dabei seid zu einer neuen Folge von insights! Mein Name ist Joubin Rahimi und heute mit dabei und der Tim lacht schon mit Tim Wiese. Wir kennen uns ja schon ein paar Jahre von ANWR. Tim, magst du einfach mal vorstellen?

 

Tim Wiese

Sehr gerne. Hi, hallo an die Audience. Mein Name ist Tim Wiese, arbeite bei der ANWR Media zusammen mit meinem Geschäftsführerkollegen Michael Stolt. Den leiten wir die digitalen Geschicke der Group und bieten Digital Services für unsere angeschlossenen Händler innerhalb dieser Verbundgruppe. Ja, genau. Das ist eigentlich Großteil das, was wir machen und wie wir auch in der Vergangenheit mit synaigy zusammengearbeitet haben.

 

Joubin Rahimi

Ganz witzig, ich kann mich an den Pitch bei euch noch erinnern, das ist glaube ich vier oder fünf Jahre her. Da haben wir, es ging ja um Managed Service für einen Teil der Plattform und wir haben ja einen Mitarbeiter, so ganz trockenen Humor und ich weiß, der hat dann einen Spruch rausgehauen. Ich weiß nicht, wie die Kollegin hieß, aber die ist vor lauter Lachen vom Stuhl gefallen. Das war so ein herzliche Chemie schon in diesem Raum. Das war grandios.

 

Tim Wiese

Ich glaube und das ist uns ganz wichtig. Wir wollen halt bei allem, was wir tun, wir wollen uns identifizieren mit dem, was wir tun und wir wollen Spaß daran haben. Und dazu gehört, dass man vielleicht auch mal über sich lacht bei einem Business, das man betreibt oder eben auch mal gemeinsam. Also von daher. Genau.

 

Joubin Rahimi

Und was auch noch richtig schön ist für alle, die zuschauen, wir haben zusammen einen Weg begonnen, der endete aber anders, weil sich Marktumfeld und Zielsetzung änderte. Und das finde ich ist auch für alle, die zugucken, einfach mal interessant, weil ihr werdet, du hast ja gesagt, ihr seid ja die Media und vielleicht kannst du noch ein bisschen mehr zur ANWR sagen, weil ist ja die meisten kennen ANWR schon, aber nicht unter ANWR. Und dieser Weg, der ist glaube ich ganz richtig und gut, den ihr gegangen seid.

 

Tim Wiese

Ja, also ich kann das jetzt ausführen, dann sind wir hier wahrscheinlich eine halbe Stunde unterwegs. Ich versuche mich kurz zu halten. Die ANWR ist eine Verbundgruppe, eine Group, eine Genossenschaft für Schuh- und Sporthandel. Da ist raus entstanden, also Schuhhandel explizit hat sich in den laufenden Jahren, mittlerweile über 100 Jahre alt, stetig weiterentwickelt. Wir haben auch eigene Banken, mit denen wir Zentralregulierung für unsere angeschlossene Händler durchführen. Genau. Und bieten neben den unterschiedlichen Gesellschaften ganz viele Services ab, die den Wert oder den Mehrwert für die angeschlossenen Händler bilden. Genau das ist das, was wir tun. Und innerhalb der ANWR Media sind wir einfach der Digital Service Provider. Das bedeutet, wir schaffen Möglichkeiten für unsere Händler, die sich an uns anwenden, zusätzliche Vertriebskanäle zu erschließen. Dazu zählen unsere eigenen Kanäle, die wir selber pushen mit Schuhe.de und Sport2000.de oder dem neuen Baby mit Absolutteamsport.com, aber eben auch der Vertrieb der Ware unserer Händler an externe Kanäle, Marktplätze dieser Welt wie Zalando und Amazon.

 

Joubin Rahimi

Insofern, jeder von uns hatte wenigstens indirekt mit euch zu tun. Wenn man die Schuhe irgendwo kauft, kann es gut sein, dass die ja von euch dann distribuiert wurden.

 

Tim Wiese

Ja, mit Sicherheit.

 

Joubin Rahimi

Ich glaube, das ist auch immer, wenn man die Firmennamen nicht kennt, immer wichtig zu sehen. Das hast du gesagt, ANWR Media, ihr habt eine Digitalunit gegründet, um digitale Services euren Mitgliedern zu geben. Warum habt ihr verkauft ja nicht Schuhe, Warum habt ihr jetzt steigt ins digitale Geschäft ein?

 

Tim Wiese

Naja okay, es geht natürlich darum, dass sich der Einzelhandel ja nicht erst seit gestern verändert. Schuhe.de besteht, glaube ich, seit 2014 wurde das ursprünglich ins Leben gerufen als Visitenkarte, als digitale Visitenkarte für den stationären Handel, damit er eine Sichtbarkeit hat. Daraus hat sich eben eine Plattform entwickelt, die den Händlern die Möglichkeit bietet, eben die Sichtbarkeit, die sie alleine nicht erzielen können, gesammelt gegenüber dem Endkunden zu transportieren. Und daraus ist dann ab 2020 2021 die Sport 2000 Plattform entstanden, die auf der gleichen Basis skaliert und eben auch jetzt in 2024 Ende 2024 absoluteamsport.com. Wir sind da, wie gesagt, ganz klar mit dem Fokus. Wir wollen diese Sichtbarkeit dieses stationären Handels fokussieren oder stärken mit Hinblick darauf, dass sich natürlich das Käuferverhalten draußen verändert, die Transformation in das Business auch an unsere Händler natürlich nicht vorbeigeht.

 

Joubin Rahimi

Was ich bemerkenswert finde und für alle, die zugucken und jetzt auch an so einem Thema Ich habe vielleicht Hardwareprodukte, brauche ich digitale Services oder nicht? Ihr seid ein super Beispiel. Vorwerk ist auch ein tolles Beispiel, weil Vorwerk hat ja eigentlich Staubsauger, Teppiche, Küchen verkauft und jetzt mit der Küchenmaschine ja schlussendlich auch was, wo du dann digitales Produkt hast. Und ihr habt ja eine eigene Unit gebaut. Ihr baut ja auch Kompetenzen dort auf, also eigene Entwicklung, eigene Architekten und so weiter.

 

Tim Wiese

Genau, also ich glaube, das geht damit einher. Die Frage ist natürlich immer, was machst du selber bzw. Was kaufst du ein? Jetzt sind wir in einem Plattform Business unterwegs und natürlich kämpfen wir genauso wie der Großhandel, genauso wie der Einzelhandel mit relativ geringen Margen und müssen deswegen umso genauer hinschauen, wenn wir uns unsere Kostenstruktur angucken bzw. Unsere Erlösquote. Und deswegen entscheiden wir ganz präzise darüber, ob wir eine Make Entscheidung treffen oder eine Buy Entscheidung. Das betrifft so unsere personelle Struktur. Ja, wir haben eine eigene IT Abteilung, kaufen aber eben auch bestimmte Dienstleistungen dazu. Aber das betrifft eben auch technische Umsetzungen, wo wir sagen, das können wir selber entwickeln in unserer Abteilung, das andere eben nicht, weil das ein Standard ist am Markt.

 

Joubin Rahimi

Und ich glaube, das ist ein ganz gutes Pattern, also, dass man sagt, ich habe selber Kompetenzen, um Sachen abzuschätzen und auch schneller zu agieren für eure Mitglieder. Da ihr das jetzt habt, kann ich ja noch mal andere Fragen stellen. Das Thema AI, wie stark betrifft es euch auch in der Entwicklung von Services für die Händler? Ich sag mal, die sind ja alle, ihr habt ja viele Einzelhändler, oder ist das richtig? Ihr habt schon viele auch Innenstadthändler.

 

Tim Wiese

Absolut. Also das sind in Anführungsstrichen Genossen oder die Genossen unserer Verbundgruppe, das sind die Schuhhändler in Deutschland, die es da draußen gibt, ihre Individualität, die Skill zu behalten, ihre Spezialität herauszustellen, auch bei den Sporthändlern mit der Entwicklung der zusätzlichen Spezialistenkonzepte innerhalb des sport 2000 was sehr erfolgreich funktioniert. Und natürlich geht es darum, Services aufzusetzen, drumherum, um diesen Händlern eben bestmöglichen Service und Zugang zu digitalen Kanälen, zu neuen Zielgruppen im Digital Business zu ermöglichen.

 

Joubin Rahimi

Und siehst du da schon bestimmte Cases, wo ihr sagt, da guckt er genauer hin?

 

Tim Wiese

Ja, also natürlich, ich meine, das ist glaube ich nichts Neues. Das haben viele Unternehmen, dass wir natürlich im Customer Service agieren. Also wir haben ja einerseits den B2B Bereich, dass wir unsere Händler betreuen, die angebunden sind an unsere Plattform, die ihre Feeds jeden Tag senden und von uns Aufträge bearbeiten. Auf der anderen Seite natürlich auch das Endkunden Business mit dem Betrieb von Schuhe.de, mit dem Betrieb von Sport2000.de natürlich auch sehr, sehr viele Endkundenanfragen. Und einer dieser Cases war eben, dass wir sehr kurzfristig Ende letzten Jahres wir sagen digitalen Türsteher und Chatbot integriert haben. Der digitale Türsteher ist bei uns nichts anderes als eine KI, die trainiert ist anhand von ganz, ganz vielen eintreffenden Nachrichten und eine Kategorisierung für unseren Customer Service und das Partner Management Team vornimmt. Also diese KI schon genau clustern. Was ist das für eine Anfrage? Wohin muss diese Geld zurück? An wen, an welchen Mitarbeiter? In welche Abteilung muss diese Anfrage gesendet werden? Kommt sie von einem Händler? Kommt sie von einem Endkunden oder ist sie vielleicht auch Spam? Sie hilft uns beispielsweise in diesem Spam Thema, was natürlich nicht ganz ohne ist, ganz viel Kapazitäten von unserem externen Dienstleister beispielsweise fernzuhalten. Wir haben es geschafft, vom Start weg ungefähr 30 Prozent der Kundenanfragen, der Endkundenanfragen, die eintreffen, direkt über diese KI beantworten zu können. Das schafft natürlich ein unfassbares Service Level, weil der Kunde eine Anfrage sendet und innerhalb kürzester Zeit und das ist egal, ob er das zu um 2 Uhr nachts macht oder um 8 Uhr morgens direkt eine Antwort bekommen. Das sind natürlich kleinere Cases, die wir gerade umsetzen. Auch im Produktdatenbereich sind wir da aktiv, weil wir natürlich sehr, sehr viele Produktdaten pflegen, um da eine Optimierung herbeizuführen und effizienter agieren zu können, schneller, effizienter und kostensparender.

 

Joubin Rahimi

Sagt ihr, spielt das überhaupt eine Rolle, wo der Hyperscaler ist? Da weiß ich gar nicht, ob ihr eine Diskussion dazu habt pder sagt ihr, der Service muss einfach nur gut und performant sein.

 

Tim Wiese

Das glaube ich. Also darum geht es, glaube ich. Es geht darum, dass wir den passenden Service für uns entdecken, der natürlich in unserem Rahmen liegt. Man kann natürlich immer ganz, ganz hochklassige Services einkaufen, die wahrscheinlich in einer anderen Range liegen als vielleicht in dem Bereich, wo wir es benötigen. Dementsprechend ja eine ganz, ganz klare Selektion bei uns nötig aufgrund unserer Margensituation bzw. Der Entwicklung der ANWR Media an sich.

 

Joubin Rahimi

Also Product Price wird das Wichtigste und gar nicht die Souveränität, also die Datensouveränität. Es darf nicht offen sein. Es darf nicht offen sein.

 

Tim Wiese

Es darf nicht offen sein, natürlich. Wir haben natürlich Datenschutzbeauftragte, die dahinter sind und die genau gucken, wo unsere Daten hinfließen. Wir haben sehr viel sensible Daten, sei es aus dem B2C Bereich, aber eben auch aus dem B2B Bereich. Natürlich eine Souveränität brauchen wir da. Absolut.

 

Joubin Rahimi

Dann noch ein ganz anderer Punkt, wenn du so deinem Kollegen, Geschäftsführern im Handel drei Tipps mitgeben könntest oder mindestens ein bis drei, die noch nicht so weit sind wie ihr in Bezug auf Retail Tech, nenne ich das mal. Was sind so Learnings, wo du sagst, hätte ich das am Anfang gewusst oder das war eine richtig coole Entscheidung am Anfang. Also ich weiß schon mal eine.

 

Tim Wiese

Ja, bin ich gespannt. Ich überlege gerade, ob ich die Richtige treffe,

 

Joubin Rahimi

 glaube ich, viele Richtige getroffen, aber eine Wahl. Ihr habt auch einen hammer, richtig guten Architekten eingestellt.

 

Tim Wiese

Ja, das ist eines der Sachen. Also natürlich steht und fällt so ein ganzes Projekt damit, wie deine Mannschaft aufgebaut ist. Wir wissen selber, dass gerade in den letzten Jahren zu Corona, alles hat sich in den digitalen Raum bewegt, was Einkäufe betraf. Wir haben eine unfassbare Menge an neuen Händlern angeschlossen und was eben nicht verfügbar war an Ressourcen, waren die passenden Menschen dahinter, die das Ganze betreiben und das ganze KI Thema hin und her. Es gibt eben immer noch bestimmte Bereiche und du sagst es, ein relevanter Software Architekt in unserem Team ist das Beispiel oder ein Head of IT kann man darüber nicht ersetzen. Das heißt, das ist natürlich maßgeblich und hat uns sehr stark geholfen. Das heißt, die Manpower an sich, das richtige Team zu finden. Aber ich sage nicht immer nur das richtige Team, sondern auch das richtige Mindset dahinter, weil diesen hundertprozentigen Treffer zu finden, ist Glückssache. Schafft man es immer genau den zu finden, den man wirklich sucht? Ich glaube, das ist auch sehr, sehr viel Mindset. Wie gehen die Leute mit mit so einem Thema? Wie entwickeln sie sich? Welche Offenheit bringen sie mit? Und das sieht man, glaube ich, auch gerade in dem KI. Es gibt Leute, die sind eher zurückhaltend, weil sie nicht so richtig wissen, wie sie damit umgehen müssen oder können. Und es gibt welche, die laufen einfach los. Ich glaube, das muss jeder für sich selber entscheiden. Ich glaube, aber auch, dass wir eigentlich unserem Unternehmen so ein bisschen den Advice geben müssen und dieses Mindset fördern müssen, eben diese Dinge auszuprobieren.

 

Joubin Rahimi

Du hast ja so einen Sport Hintergrund. Wie weit ist das vergleichbar und kannst du da Sachen auch rausnehmen? Das hat da Parallelen.

 

Tim Wiese

Ja, also Sport, ich ziehe da jeden Tag Sachen raus. Also ich komme aus dem Teamsport. Natürlich ist man auch im Teamsport in einer gewissen Art und Weise ein Egoist, aber aus einem Teamsport schaffst du es eben. Du kannst die besten Player haben, wenn die nicht zusammen als Team funktionieren, dann ist das meistens zum Scheitern verurteilt bzw. Du stehst nicht ganz oben auf dem Treppchen. Das merkst du in so einer Mannschaft auch. Also du baust dir ein Team auf und es ist ganz klipp und klar, das Team muss miteinander harmonisieren. Natürlich dürfen da auch mal die Fetzen fliegen oder man darf auch mal anderer Meinung sein, aber dann muss man eben offen kommunizieren und sich aussprechen bzw. Durch diese unterschiedlichen Meinungen, die es eben im Sport gibt oder Entwicklungen, die du auch im Unternehmen hast oder in deiner Truppe, entsteht ja genau diese Reibung und diese Reibung führt meistens dazu, dass es besser wird. Also dieser Team Spirit, gemeinsam an Sachen zu arbeiten, sich gegenseitig zu pushen, sich zu motivieren und im Endeffekt auch einem gemeinsamen Ziel entgegen zu arbeiten in dem Sinne oder zu kämpfen. Das ist glaube ich das was, wo wir einfach die Parallelen zwischen dem Sport und dem Business haben.

 

Joubin Rahimi

Und die Frage kam nicht von ungefähr, weil wir haben es ja gespürt. Also auf dem Feld wie auch nach dem Spiel haben wir vieles zusammen erledigt und auch weggetrunken. Nicht jedem ging es so gut danach.

 

Tim Wiese

Ich war immer der Fahrer. Ich glaube, das gehört dazu. Auch dieses partnerschaftliche, also offene Kommunikation

 

Joubin Rahimi

macht ihr durchgängig ja mit vielen Partnern. Ich weiß, Shopmacher macht ihr ja auch einiges zusammen und das ist ja ähnlich. Und deswegen, das finde ich etwas, wenn Fragen da sind, wie man ein Mindset aufbaut. Go to Guy ist für mich auch der Tim, vielen Dank. Ja, also ich weiß im Teaming. Das kann ich einfach mal widerspiegeln von anderen Situationen, das merkt man schon. Ich glaube, diese Sportler Thematik kommt da einfach auch durch. Wir sind ein Team, zusammen schaffen wir das und nicht.

 

Tim Wiese

Also ich glaube, das ist ein ganz einfaches Zusammenspiel von Geben und Nehmen. Also danke für das Kompliment. Ich habe das so eigentlich noch nicht großartig bei mir selber wahrgenommen, aber es ist einfach ein Geben und Nehmen zwischen den Mitarbeitern. Wir versuchen Freiheiten zu geben, Entwicklungspotenziale zu ermöglichen, ganz viel die Mitarbeiter selber entdecken zu lassen. Aber natürlich fordern wir auf der anderen Seite auch, das muss sich eine vernünftige Waage halten. Das muss dazu führen, dass Verantwortungsbewusstsein auf den Mitarbeiter geht, egal in welcher Hierarchie er sich befindet. Und dass es eben einfach dieses Selbstverständnis der Mitarbeiter dann gibt: Ich bin verantwortlich für etwas, ich möchte etwas treiben und ich drücke das jetzt nicht auf meinen Nachbarn oder meinen Kollegen, sondern das ist mein Projekt, das ist mein Teilprojekt. Da bin ich für der Owner und sehe zu, dass wir dafür das bestmögliche Ergebnis erzielen.

 

Joubin Rahimi

Ich kämpfe dafür. Das ist diese Mindsetfrage. Insofern danke fürs Zuhören. Danke für deine Zeit hier auf der Konferenz. Hier gibt es auch ganz viele spannende Vorträge. Wenn sich jemand die Zeit nimmt, dieser Sportgedanke mit dem Mindset und was Strategisches selber zu machen, das kann man von euch wirklich lernen.

 

Tim Wiese

Ja, da sind wir sicherlich noch nicht am Ende und da müssen.

 

Joubin Rahimi

das ist auch wieder Sport Mindset, da sind wir nicht am Ende. Es geht noch ein Ticken besser.

 

Tim Wiese

Ja, absolut keine Frage. Vielen Dank.

 

Joubin Rahimi

Danke. Danke fürs Zugucken und wenn ihr Fragen habt oder zuhören, gerne in die Show Notes rein, Kommentare reinschreiben und wir gucken, dass wir in Kontakt treten in dem Zuge. Und ich spreche es auch für dich aus. Tim, bist ein super Gesprächspartner für, ich glaube, Pendants auf deiner Ebene, wie er was gemacht hat. Das ist schon super.

 

Tim Wiese

Vielen lieben Dank, Joubin, danke für die Einladung. Danke.

 

Du hast Fragen oder Feedback?

Dann kontaktiere uns gerne direkt.

Joubin Rahimi
Managing Partner synaigy GmbH

Vertiefe dein Wissen mit uns

Jetzt Blog abonnieren und keine News mehr verpassen

✔️kostenlos ✔️jede Woche News ✔️Expertenwissen