#157 - Hamburger Hochbahn vs. Google Maps: Warum der ÖPNV plötzlich gegen Tech-Giganten antritt

Auf der OMR trifft Joubin Rahimi Marcus Schulz von der Hamburger Hochbahn, zu einem ehrlichen Gespräch über die Realität der Mobility-Plattform HVV Switch. Es geht um die wahre Konkurrenz im ÖPNV-Markt, die nicht heißt Deutsche Bahn, sondern Google Maps. Und es geht um die erste autonom fahrende U-Bahn Deutschlands, die in Hamburg gerade gebaut wird.

Das ist ein bundesdeutsches Thema, was Digitalisierung betrifft, hinken wir sehr weit hinterher. Und ich glaube, der Digitalisierungswille, also wirklich diese Bereitschaft, das auch mal auszuprobieren, das ist nicht einfach bei allen Leuten da. Wir merken an solchen Beispielen, dass der Digitalisierungswille bei vielen Leuten auf der einen Seite da ist, aber die Hemmschwelle, solche Services zu nutzen, immer noch sehr groß ist.

Marcus Schulz

Mobility-as-a-Service in Hamburg: Warum Switch anders ist als der Rest

Wenn du im deutschen ÖPNV nach einer wirklich integrierten Mobility-Plattform suchst, kommst du an Hamburg nicht vorbei. Berlin hat Jelbi, das auf Trafi aufsetzt. München hat MVG GO, Leipzig und Dresden nutzen ähnliche White-Label-Systeme. Nur Hamburg hat sich entschieden, die Plattform selbst zu bauen. HVV Switch ist seit Juni 2022 live und integriert ÖPNV, Carsharing, E-Scooter, Moia, bald auch Stadtrad und Voy-E-Bikes. Alles über ein Konto, alles tief integriert.

Diese Entscheidung war strategisch und mutig. White-Label-Lösungen sind schnell live, aber sie geben dir keine Hoheit über die Customer Experience, die Daten und die Innovation. Die Hochbahn hat das früh erkannt und gleichzeitig akzeptiert, dass eine Eigenentwicklung länger dauert und mehr kostet. Genau dieser längere Atem zahlt sich heute aus, weil neue Mobilitätspartner ohne Limitierungen integriert werden können und das Produkt iterativ weiterentwickelt wird.

Vergiss die Verkehrsbetriebe: Dein wahrer Wettbewerber ist Google

Eine der provokantesten Aussagen aus dem Gespräch: Die Hamburger Hochbahn misst sich nicht an FreeNow, nicht an Uber, nicht an anderen Verkehrsbetrieben. Sie misst sich an Google Maps. Und das ist ein Satz, der in vielen deutschen Mobility-Strategiemeetings noch nie gefallen ist.

Der Grund dafür ist logisch und unbequem zugleich. Die Customer Journey eines Stadtbewohners beginnt nicht in einer ÖPNV-App. Sie beginnt in Google Maps. Du tippst dein Ziel ein, du siehst den Vergleich zwischen Auto, Fahrrad, Öffis und Fußweg, du klickst direkt durch. Wer als Mobility-Anbieter erst dann in die Customer Journey einsteigt, wenn der Nutzer bereits in seiner App ist, verpasst den entscheidenden Moment. Das Gespräch macht klar, dass diese Erkenntnis noch nicht überall angekommen ist und genau deshalb so wertvoll ist.

Tot trotz toll: Was HVV Any über die deutsche Digitalisierung verrät

HVV Any war eines dieser Produkte, von denen Strategen träumen. Du steigst in den Bus oder die U-Bahn ein, die App checkt dich automatisch ein. Du steigst aus, die App checkt dich aus. Am Ende des Tages bekommst du automatisch den besten Preis berechnet. Kein Tarif-Studium, kein Fehlkauf, keine Komplexität. In Oslo, Stockholm und vielen anderen Städten ist das selbstverständlich.

In Hamburg wurde HVV Any eingestellt, weil es trotz zweier großer Kampagnen und massiver Kommunikation einfach nicht genutzt wurde. Und jetzt kommt der Twist: Nach dem Abschalten kamen plötzlich die Beschwerden. Warum habt ihr das eingestellt, das war doch super. Genau diese Schleife ist symptomatisch für den Stand der digitalen Adoption in Deutschland.

Was du als Digital-Entscheider daraus mitnehmen kannst:

  • Adoption ist nicht gleich Begeisterung. Menschen mögen ein Feature in Umfragen lieben und es trotzdem nicht nutzen.
  • Kommunikationsaufwand allein schafft keine Verhaltensänderung. Du brauchst Friction-Reduktion und Trigger.
  • Ein Produkt zu killen ist eine valide strategische Option. Es schafft Ressourcen für das, was wirklich wirkt.
  • Erst nach dem Abschalten zeigt sich oft, wer wirklich gebunden war. Nutze diese Erkenntnis für zukünftige Produktentscheidungen.

Autonome U-Bahn und Shuttles: Hamburg baut den ÖPNV der nächsten Dekade

Die U5 wird die erste wirklich autonom fahrende U-Bahn in Hamburg, mit Glaswänden an den Bahnsteigen wie in Dubai oder Tokio. Autonome Züge bedeuten kürzere Taktzeiten, weil die Züge untereinander kommunizieren und Abstände automatisch ausgeglichen werden. Die Glaswände sorgen für mehr Sicherheit und schnellere Zugabfertigung. Das ist nicht Science-Fiction, das ist konkretes Engineering, das gerade in Hamburg umgesetzt wird.

Parallel testet die Hochbahn mit OLAIC autonom fahrende Shuttles. Diese sind dafür gedacht, Linien zu reaktivieren, die im klassischen Linienbetrieb mit Fahrer unrentabel sind. Das ist eine ganz neue Logik des öffentlichen Nahverkehrs. Statt feste Routen mit festen Takten zu fahren, kann der Verkehr dynamisch auf Nachfrage reagieren. Moia testet ebenfalls autonomes Fahren, und in einigen Jahren wird das Zusammenspiel zwischen klassischem ÖPNV, autonomen Shuttles und Sharing-Mobilität die Stadt grundlegend verändern.

Markenname egal, Hauptsache du nutzt es: Warum diese Haltung selten und gesund ist

In einer Branche, die manchmal mehr Energie in den eigenen Markennamen investiert als in echten Nutzwert, ist Marcus Schulz erfrischend pragmatisch. Agenturen haben über Jahre versucht, Switchen als Verb in den Hamburger Alltag zu bringen. Seine Antwort: Ist nett, aber unwichtig. Hauptsache, die Menschen nutzen die App und kommen entspannt von A nach B. Das ist eine Haltung, die viele Markenverantwortliche schwer aushalten, aber sie ist ehrlich und strategisch klug.

Die Marke entsteht durch Nutzung und Vertrauen, nicht durch Werbung allein. Wenn dein Produkt im Alltag funktioniert und Probleme löst, bekommst du eine Markenbindung, die jeder Kampagne überlegen ist. Das hat Marcus Schulz aus seinen 18 Jahren in Digitalagenturen mitgenommen und in die Konzernrealität der Hochbahn übersetzt. Die Mischung aus kreativer Werbevergangenheit und strategischer Klarheit ist genau das, was viele deutsche Konzerne in ihren Marketingabteilungen heute brauchen.

Bargeld, Apple Pay und die deutsche Digitalseele

Ein kleines, aber sehr aufschlussreiches Detail aus dem Gespräch: In Madrid kannst du an einer technisch eher veralteten U-Bahn-Maschine einfach deine Kreditkarte halten und das funktioniert reibungslos. In Deutschland diskutieren wir, ob ein Fahrkartenautomat Apple Pay unterstützen sollte. Die Hochbahn hat moderne Automaten installiert, die wie ein riesiges iPhone aussehen, aber nicht überall sind sie verfügbar und Bargeld bleibt eine zentrale Bezahlmethode.

Diese Diskrepanz zwischen technisch Möglichem und kulturell Akzeptiertem ist ein Kernthema der deutschen Digitalisierung. Die Hochbahn macht ihre Hausaufgaben auf der Tech-Seite, aber die Adoption hängt eben nicht nur an der Technologie. Sie hängt an Gewohnheit, Vertrauen und Generationsfragen. Marcus Schulz selbst sagt, er sei Ende 50 und mache auf seinem Smartphone alles, sogar Banking. Aber er weiß auch, dass er nicht von sich auf andere schließen darf. Das ist eine Demut, die im Digitalbereich oft fehlt.

Fazit: Lehrstunde in ehrlicher Mobility-Strategie

Dieses Gespräch ist eine seltene Mischung aus konkreten Insights, strategischer Klarheit und der Bereitschaft, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Marcus Schulz benennt, woran es in der deutschen ÖPNV-Digitalisierung hapert, und er zeigt gleichzeitig, wie die Hamburger Hochbahn diese Themen anpackt. Wenn du in Mobility, Customer Experience oder digitalen Plattformen arbeitest, sind das die Kernaussagen, die du mitnehmen solltest:

  • Miss dich an den besten Customer-Experience-Anbietern, nicht an deiner Branchenkonkurrenz.
  • Akzeptiere, dass Produkte sterben dürfen, auch wenn sie technisch beeindruckend sind.
  • Investiere in echte Customer Journey statt in Markennamen-Politur.
  • Plane langfristig: Autonomie ist kein Hype, sondern eine konkrete Infrastrukturentscheidung.
  • Adoption ist die eigentliche Königsdisziplin der Digitalisierung.

Hamburg ist hier kein Outlier, sondern ein Maßstab. Wenn du Verantwortung in einem deutschen Mobility-Unternehmen oder einem traditionellen Konzern trägst, lohnt sich der Blick nach Norden. Die Hamburger Hochbahn zeigt, wie ein Unternehmen mit über 100 Jahren Geschichte digital denken und liefern kann, ohne sich dabei in Marketingfloskeln zu verlieren.

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Hier ist der Inhalt:

 

Joubin Rahimi

Grandios, dass ihr wieder dabei seid zu einer neuen Folge von insights! Mein Name ist Joubin Rahimi. Heute auf dem VTEX-Stand der OMR. Erster Tag, letzte Session mit Markus Schulz von der Hamburger Hochbahn. Hallo Markus.

 

Marcus Schulz

Hallo.

 

Joubin Rahimi

Und bevor du 2, 3 Sätze zu dir sagen kannst oder auch mehr, wollte ich aber noch mal für die Hamburger Hochbahn eine Lanze brechen, weil gar nicht so bekannt. Hamburger Hochbahn ist, wenn man Hamburger ist, die Firma, die ja die U-Bahn betreibt und die meisten Busse. Als Hamburger Jung für mich natürlich auch etwas, wo ich ein Herz habe, weil ich damit aufgewachsen bin. Ich weiß immer noch den Bus, mit dem ich die 112er dann immer gefahren bin, und die U3, die jetzt aber glaube ich nicht mehr U3 da heißt, wo sie ist, sondern, also U3 gibt's noch, aber ich glaube, die fahren was anderes. Und wir durften eine Zeit lang sehr viel für die Hamburger Hochbahn machen, und das waren sehr tolle emotionale schöne Jahre und freue mich richtig, Markus, dass du heute da bist, weil wir haben nie wirklich direkt zusammengearbeitet in dem Kontext. Als du gekommen bist, sind wir quasi mehr rausgegangen, aber man muss schon sagen, es ist spannend, dass du als Leiter für digitale Geschäftsmodelle bei der Hochbahn bist und du kommst ja an sich aus der Agentur.

 

Marcus Schulz

Genau.

 

Joubin Rahimi

Und da würde ich gerne so ein bisschen eintauchen, weil das ist ja total ungewöhnlich in dem Kontext.

 

Marcus Schulz

Also erstmal vielen Dank für die Einladung. Ich hoffe, dass euer Ausgang nichts mit meinem Eingang zu tun hatte.

 

Joubin Rahimi

Kannst du mehr sagen als wir?

 

Marcus Schulz

Nein, nein.

 

Joubin Rahimi

Ich glaube nicht.

 

Marcus Schulz

Also ich habe vorher ca. 18, 19 Jahre in Digitalagenturen gearbeitet. Also ich komme ursprünglich aus dem Film- und Fernsehbereich und hatte 1998 irgendwann das Gefühl, das bringt mir nichts mehr, und bin dann tatsächlich in die Werbung gegangen als Texter und Konstruktion. Aber ausschließlich digital. Hab damals bei den üblichen Verdächtigen gearbeitet, Kabelmedia und so. Bin irgendwann in die Beratung gewechselt, weil ich als Kreativer oft in Gesprächen mit Kunden saß und gemerkt habe, der Beratung fehlt so ein bisschen Strategie. War damals auch eher klassisches Projektmanagement. Es wurden teilweise Sachen vorgeschlagen, von denen du als Kreativer schon wusstest, es wird rarig. Also nicht unmöglich, aber und bin dann so in die Beratung gewechselt, um da auch so ein bisschen diese kreative, konzeptionelle Perspektive mit einzubringen. Und dann im Oktober 2017 bin ich zur Hochbahn gewechselt.

 

Joubin Rahimi

Und die Hamburger Hochbahn hat, das war eine neue Stelle damals, weiß ich, Switch wurde ja, ich sag, 2, 3 Jahre vorher aufgesetzt. Mensch, ist das lange her, na, über 10 Jahre her. Und wo wir noch damals mitgewirkt haben. Aber Switch ist ja etwas, was in Hamburg— ist das einzigartig? Ich weiß gar nicht, ob das in anderen Städten auch so ist. Also in NRW kenne ich das nicht.

 

Marcus Schulz

Also als ich bei der Hochbahn angefangen habe, war es noch ein Abo-Kartenmodell, sehr klassisch. Du hattest im Grunde ein Guthaben, das du über ein Abo erworben hast, und konntest dann mit Ausschließlich karte benutzen. Und dann im ersten mit den Switchpunkten dann die Autos ausladen oder abstellen.

 

Joubin Rahimi

Und Fahrräder waren glaube ich auch noch dabei, ne? Oder kamen die später?

 

Marcus Schulz

Nee, Fahrräder hatten wir noch nie, die kommen jetzt erst zum nächsten Mal. Und naja, also irgendwann kam dann, das war auch vor meiner Zeit, die Idee, eben dieses Sharing-Modell mit dem ÖPNV zu digitalisieren. Weil du über diese digitale Plattform eben auch immer mehr Geschäftspartner bzw. Mobilitätspartner einbinden kannst und in der heutigen Zeit natürlich der Zugang zu vielen Sachen auch digital passiert. Und ich habe das dann von Anfang an mitbegleitet, aber eher aus der Marketingperspektive. Also ich habe mit einer Designagentur, Karl Anders aus Hamburg, die ganze Marke aufgebaut. Und da hat natürlich angefangen, Markengeschichte zu entwickeln, eine Kommunikationsstrategie. Dann sind wir Juni 2022 an den Start gegangen.

 

Joubin Rahimi

Warum war das für die Hochbahn so wichtig? Weil es ist ja eher untypisch, der HVV ist ja bekannt, weil die Hochbahn spielt hier schon einfach eine präsente Rolle.

 

Marcus Schulz

Also die Hochbahn, das wissen viele Hamburger und Hamburgerinnen nicht oft, viele Menschen, die nicht aus Hamburg kommen.

 

Joubin Rahimi

Die erst recht nicht wahrscheinlich.

 

Marcus Schulz

Ja, die Hochbahn ist das größte Unternehmen im Hamburger Verkehrsverbund, macht auch den größten Anteil des Vertriebs für den Hamburger Verkehrsverbund. Und die HVV-App wie die HVV-Switch werden von der Hochbahn entwickelt. Also der Verkehrsverbund praktisch verwaltet und organisiert die Mobilität. Wir sind die Betreiber. Und uns war es wichtig, eine Plattform zu entwickeln, die über den normalen ÖPNV-Tellerrand hinausschaut. Weil zum einen bestimmte Lücken im Verkehrssystem durch Sharing-Angebote besser geschlossen werden können, natürlich abhängig vom Geschäftsgebiet, oder aber zum Beispiel durch E-Scooter oder E-Bikes die letzte Meile geschlossen werden kann. Und ÖPNV, also öffentlicher Personennahverkehr, nicht nur mittlerweile rein S-Bahn, U-Bahn, Bus und Fähre ist, sondern eben man muss Mobilität als ganzheitlich begreifen. Und für uns gehört Sharing eben dazu. Deswegen haben wir gesagt, wir brauchen eine Plattform, auf der tiefenintegriert alles über ein Konto nutzbar ist.

 

Joubin Rahimi

Und das ist ja die Bewegung, die Mobilität. Wenn ich dann drauf gucke, Digital Signage, ist das auch ein Teil dessen, was ihr macht, oder gebt ihr das aus?

 

Marcus Schulz

Das habe ich ja kurz— Digital Signage, was verstehst du?

 

Joubin Rahimi

Im Endeffekt die Werbung In den entsprechenden Haltestellen oder habt ihr das beispielsweise an Steuer komplett? Oder in den U-Bahnen selber gibt es ja auch die Displays.

 

Marcus Schulz

Also das ist so eine Mischung. Also in den Verkehrsmitteln selber ist unser Werbekontingent, im Haltestellenumfeld ist es so eine Mischung. Also wir haben Eigenwerbekontingent, das wir über fest zugesichert einrufen, und der Rest geht in die klassische Werbung oder in andere Werbepartner. Um noch mal auf die andere Frage zurückzukommen, also in Berlin gibt es zum Beispiel Gaby, das ist eine ähnliche Plattform, In München gibt's die MVG GO, das ist auch eine ähnliche Plattform, und in Leipzig oder Dresden gibt's das glaube ich auch. Wobei wir die einzige Plattform sind, die eigens entwickelt wurde. Also Berlin hat auf Trafi aufgesetzt, die Münchner und die Dresdner und Leipziger auch auf dem White-Label-System. Wir haben die Plattform, die technische Plattform wirklich selber entwickelt.

 

Joubin Rahimi

Und auch früh, ne? Ich glaube, das war Ja, wir weiter vorne dran. Welche Geschäftsmodelle seht ihr denn noch in dem Umfeld? Oder bist du hauptsächlich, ist Switch so, oder ich sag mal, ich sag immer Switch, ich weiß gar nicht, ob das noch richtig ist.

 

Marcus Schulz

Hauptsache Switch, aber die meisten sagen Switch.

 

Joubin Rahimi

Das ist ja die End-to-End-Kette, also von Haustür zu Haustür kommen. Ist das der einzige Bereich, wo ihr jetzt gerade digitale Geschäftsmodelle aktiv denkt? Ich überlege gerade, wo drille ich mich gerade in den Fragen rein, deswegen frage ich an der Ebene gerade.

 

Marcus Schulz

Ich fand den Begriff digitale Geschäftsmodelle immer sehr irreführend, weil wir ja mit der App im Grunde genommen der Zugang sind zum Mobilitäts-Hamburg. Das Geschäftsmodell Modell dahinter ist natürlich, dass du Tickets verkaufen kannst, dass Sharingbuchungen gemacht werden. Das ist das monetäre Geschäftsmodell. Das eigentliche Modell dahinter ist, dass wir die Privat-Pkw-Nutzung reduzieren. Also wir sind nicht gegen den privaten Pkw, aber dass wir Leuten die Möglichkeit bieten, weitestgehend auf den eigenen Pkw zu verzichten. Digitale Geschäftsmodelle, die Es sind natürlich noch andere Systeme. Wir haben ganz neue Fahrkartenautomaten, die sehen aus wie ein riesiges iPhone, Touchdisplay, wo du eben auch nicht nur mit Karte, sondern auch mit Telefon zahlen kannst.

 

Joubin Rahimi

Deutlich schneller reagieren auch, ne?

 

Marcus Schulz

Ja, wir haben auch vorletztes Jahr, meine ich, den Ticketverkauf in den Bussen abgeschafft, um die Leute auch immer mehr in diese digitalen Vertriebskanäle reinzubringen, und Weil der Abverkauf der Tickets in den Bussen einfach Zeit kostet.

 

Joubin Rahimi

Klar, und ihr habt ja einen viel schnelleren Takt auch teilweise, ne?

 

Marcus Schulz

Also wir haben auch, wir hatten schon vor Corona so einen Hamburg-Takt beschlossen mit der Stadt Hamburg zusammen. Haben während Corona das Geschäft auch weiter ausgebaut, also wir haben den Verkehr nicht eingeschränkt oder reduziert, sondern wir haben ihn weiter ausgebaut. Im Moment ist es ein bisschen schwieriger, aber wir sind eigentlich dabei, das Angebot weiter auszubauen und auch wir versuchen echt, den Takt zu verkürzen.

 

Joubin Rahimi

Für alle Nicht-Hamburger: Was ist der Hamburg-Takt?

 

Marcus Schulz

Der Hamburg-Takt war ursprünglich die Idee, dass du innerhalb von 5 Minuten auf ein Verkehrsmittel deiner Wahl zugreifen kannst. Ob das jetzt ein Bus ist, eine U-Bahn, eine S-Bahn oder auch ein E-Scooter, Sharing-Auto oder ein Stadtrad. Also Stadtrad integrieren wir jetzt im Sommer. Im Herbst kommen noch die E-Bikes von Voy dazu, also dass du, egal wo du bist, innerhalb von paar Minuten wirklich ein Angebot hast, das du sofort nutzen kannst und nicht irgendwo hinrennen musst, auf den Fahrplan guckst, um zu sehen, so, was kommt jetzt, sondern du guckst in die App rein, das ist meine Umgebung, da kann ich sofort hingehen, das nutze ich.

 

Joubin Rahimi

Und wie integriert sich Moia dazu? Moia ist glaube ich von Volkswagen, oder?

 

Marcus Schulz

Moia ist von Volkswagen, Moia war der erste Mobilitätspartner, den wir in der App haben.

 

Joubin Rahimi

Sehr tolle Busse übrigens, also meine Kinder lieben die Busse mega.

 

Marcus Schulz

Ganz tolles Design, also wirklich sehr, ganz toll gemacht. Und Moia ist mit der Stadt Hamburg sehr eng verwandelt, also es war auch Auflage, dass Moia sich tief integrieren lässt bei uns, um einen es in Hamburg zu bekommen, und du kannst Moja über uns buchen, mittlerweile mit sehr viel Komfortfunktionen, und Moja darf mittlerweile einen Großteil der HVV-Haltestellen nutzen.

 

Joubin Rahimi

Okay, das ist natürlich auch super wertvoll, weil sonst guckst du ja immer, wo ist denn nun die virtuelle Haltestelle, ne? War da eine Gesetzesänderung notwendig, oder?

 

Marcus Schulz

Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht.

 

Joubin Rahimi

Aber die Frage habe ich mir mal gestellt. Warum halten die nicht da, sondern 300 Meter weiter, und dann, naja, vielleicht weil es dann halt kein Bus ist und dann, also, muss es wirklich ein Punkt sein, an dem du den Verkehr nicht beeinträchtigst.

 

Marcus Schulz

Bei den Haltestellen, ich meine nicht, dass da eine Gesetzesänderung für nötig war, aber ich weiß nicht.

 

Joubin Rahimi

Jetzt haben wir eine Uber, schauen wir uns mal Uber an, auch Mobilitäts- liefern die aber jetzt noch so einen anderen Drall haben mit Uber Eats und so weiter. Wie nimmst du Uber einfach im städtischen Umfeld wahr? Ihr bietet ja auch das End-to-End an, und viele sagen, ich bin mit dem Uber gefahren, aber keiner sagt, ich bin mit Switch gefahren, oder? Oder ändert sich das, und ich bin zu selten in Hamburg.

 

Marcus Schulz

Also wenn die Leute mit uns fahren, dann fahren sie entweder Ich bin mit dem Öffis gekommen, oder ich habe mir einen Miles geliehen, oder ich habe mir einen E-Scooter gegeben.

 

Joubin Rahimi

Ich habe mir Miles gegeben. Bitte? Ich habe mir Miles gegeben.

 

Marcus Schulz

Ja, also, und sagt ja auch keiner, ich bin mit dem HVV unterwegs, ich bin mit der U-Bahn gekommen. Das ist uns als Marke nicht so wichtig, dass wir ständig genannt werden. Wir hatten so viele Kreativvorschläge von Agenturen, wie man Switchen in den vokabularen Alltag der Hamburger und Hamburgerinnen bringt. Ich habe immer gesagt, Leute, was soll das? Die Leute sollen uns einfach nutzen. Wie sie uns nennen, ist mir am Ende des Tages zwar nicht egal, aber Hauptsache, dass sie uns nutzen.

 

Joubin Rahimi

Ist denn, oder kooperiert ihr auch mit Uber, oder ist das eher—

 

Marcus Schulz

also jetzt noch nicht. Um deine Frage zu beantworten, auch sagen, ich nehme Uber in Hamburg gar nicht wahr.

 

Joubin Rahimi

Free Now?

 

Marcus Schulz

FreeNow sehr, die sind ja auch schon ein bisschen auch Konkurrenz, weil sie ja neben den Taxis auch Carsharing und andere Sharing-Angebote drin haben. Ich selber nutze FreeNow auch, wenn ich mal wirklich ein Taxi brauche. Die nehmen wir schon wahr, weil wir hatten mal so einen kleinen Culture Clash mit Miles, weil Miles FreeNow-Werbung auf den Autos hatte. Du kannst Miles jetzt auch über FreeNow buchen. Wie gesagt, ihr bekommt von uns die ganzen Buchungen 1:1 weitergereicht. Warum sind wir nicht auf der Tür drauf? Also FreeNow ist uns mitunter schon ein kleiner Dorn im Auge, aber wir konkurrieren eher, wenn man ehrlich ist, das ist jetzt nicht vermessen, mit so Services wie Google Maps, weil die sind einfach so gut. Daran muss man sich eigentlich messen lassen.

 

Joubin Rahimi

Und die Google Maps ist dann ja auch eher, wie komme ich von A nach B? Und das ist ja nicht die Frage. Und dann, wie wähle ich da mein Mittel?

 

Marcus Schulz

Naja, aber Google Maps wählt ja eben schon im Interface, wenn du eine Strecke eingibst, sagst du ja, mit dem Auto brauchst du so lange, zu Fuß so lange und mit dem Fahrrad auf Öffis. Das ist schon ein guter Service und Google Maps ist sehr genau in der Routenplanung. Das können wir noch nicht so zu 100%, weil wir haben einfach teilweise, also nicht Datenprobleme, aber die Datenqualität ist manchmal in Echtzeit nicht so abrufbar. Aber Google Maps ist mit Sicherheit ein Service, den muss man auf dem Zettel haben, wenn man sich irgendwo orientiert. Wenn man auch irgendwo eine Messlatte hinhängt, dann hängt die mit Sicherheit bei Google Maps.

 

Joubin Rahimi

also ich wäre niemals drauf gekommen, dass du sagst, Google Maps ist quasi Marktbegleiter, aber es ist dann, weil die Customer Journey anders ist, ne? Du machst dann Google Maps auf und guckst dann, was du tust, und du machst dann nicht Switch auf, und Switch legt dir vor, was du machen könntest.

 

Marcus Schulz

Das ist eben der entscheidende Punkt. Also die Customer Journey fängt ja in dem Moment an, wo ich mir überlege, also keine Ahnung, ich muss nachher noch zum Fußball, habe ich vorhin geguckt, so, weil zum Treffpunkt am Platz zu gehen, also am Vereinsplatz, Zu Lange, wie komme ich dahin? Unsere Verbindungsauskunft ist im Moment noch nur ÖPNV. Google Maps sagt dir, du kannst den Weg gehen, den Weg gehen, den Weg gehen. Und im Zweifelsfall kannst du bei Google Maps das Service auch buchen. Und das ist der Weg, dass du den Leuten Vorschläge machst. Was ist die bessere Option?

 

Joubin Rahimi

Und das genau da, wo man ist. Und dann ist das ja auch der nächste Klick, weil kennt ja jeder von sich. Man wechselt ja nicht. Wenn wir jetzt mal so in die Zukunft schauen, tut ja die Hamburger Hochbahn eine Menge für die Mobilität, für lebenswertere Städte. Man kann ja auch sagen, je weniger Autos dann wirklich so im Kern der Innenstädte sind, umso schöner ist es ja, dort auch zu verweilen. Du willst ja einfach hinkommen, aber dich stören dann ja auch wieder die Autos. Du darfst fahren, aber selber da fahren, aber dann irgendwie auch nicht mehr. Aber was glaubst du, wird sich noch verändern? Ihr habt sicherlich auch einen 2040-Plan oder 2050, vermute ich mal. Aber was glaubst du, wird in der nächsten Zeit noch kommen? Und ist vielleicht auch die Hamburg City ein Role Model in dem Ganzen?

 

Marcus Schulz

Also ich hoffe, was natürlich definitiv kommen wird, ist eine Verlängerung der U4, wir bauen die U5 neu. Das ist auf der einen Seite natürlich eine große Belastung für die Stadt, weil wir viele Baustellen eröffnen. Auf der anderen Seite binden wir so, ich glaube, noch mal, ich will jetzt keine falsche Zahl nennen, aber irgendwie roundabout 100.000 Menschen wirklich besser an den ÖPNV an. Wir verkürzen Verbindungen, das ist das eine.

 

Joubin Rahimi

Da muss ich einmal kurz eine Lanze brechen. Halt den Gedanken, aber ihr baut relativ viel, ne? Und es gibt dann Elbbrücken unten, da hat ja die Bahn, die Deutsche Bahn, eine Brücke gebaut, und die Hamburger Hochbahn hat eine Brücke gebaut. Und wir haben so eine Touri-Bus-Tour gemacht mit so einem Amphibienfahrzeug, und der hat uns da gesagt, naja, schauen Sie sich mal die Brücken an. Und guckst du, ja, sind zwei Brücken, die sehen gleich aus. Ja, die eine war doppelt so teuer wie die andere, und die, die viel günstiger war, hat viel schneller gestanden. Das war die Hochbahn, das andere war die Deutsche Bahn. Da habe ich mich erstmal total gefreut, dass ich bei euch eine Zeit lang mitwirken konnte. Aber das fand ich sehr beeindruckend, dass dann halt so, dann beide vergeben, dass beide was haben, aber wie unterschiedlich das doch sein kann.

 

Marcus Schulz

Also wir sind, also ich bin der Deutschen Bahn da keine Baukompetenz absprechen, das kann ich nicht beurteilen.

 

Joubin Rahimi

Kann auch andere Gründe haben, aber das wär erstmal—

 

Marcus Schulz

Ich kann für die Hochbahn nur sagen, wir sind halt sehr bauversiert, ne. Also wir bauen seit 2011, also seitdem ich bei der Hochbahn bin sozusagen, und wir sind eben sehr bauerfahren. Wir entwickeln auch wirklich uns bei dem Bauen weiter, wir haben jetzt nachhaltigen Betonstoff entwickelt für den Sumpfbau. Wir sind da schon wirklich ein sehr, sehr starker, zuverlässiger Partner, wenn es darum geht. U5, das wird die neue U-Bahn-Generation, das wird die erste wirklich autonom fahrende U-Bahn in Hamburg, was auch noch mal eine bessere Taktung ermöglicht. Wir werden andere, modernere Bahnsteige haben, mehr Sicherheit bieten.

 

Joubin Rahimi

Warum ist autonom fahren— erlaubt autonom fahren eine höhere Taktung?

 

Marcus Schulz

Zugabfertigung wird schneller und einfacher. Und dadurch, dass die Bahnsteige auch diese Glaswände haben, wo du wirklich direkt an den Türen, die Glaswand auf und du kannst ein- und aussteigen, hast du einen viel besseren, schnelleren Zustrom. Ein- und Ausstieg wird einfacher, Zugabfertigung wird einfacher und die Züge sind so miteinander verbunden, dass die Züge in kürzeren Abständen hintereinander fahren. Da wird immer automatisch ein Abstand ausgeglichen und die Züge können wesentlich schneller hintereinander fahren und abgefertigt.

 

Joubin Rahimi

Weil die Menschen dann quasi nicht das machen müssen, sondern die Züge kommunizieren untereinander und sagen, ich brauche immer 500 Meter Abstand oder sowas. Und dann die Schiebetüren wie in Dubai oder Japan führen dazu, dass dann, du hast gesagt Abfertigung, aber das ist einfach das Rein- und Rausstellen, dass nicht alle irgendwie die Wege suchen müssen, erst wenn der Zug steht, sondern Das Wort klar ist. Okay, verstanden.

 

Marcus Schulz

Und was natürlich bei uns ein großes Projekt ist, ist autonomes Fahren grundsätzlich. Wir haben da mit Fleet vor Jahren in HafenCity den ersten Testlauf gemacht. Das machen wir jetzt mit OLAIC. Das wird uns noch ein paar Jahre beschäftigen. Aber autonomes Fahren, also autonom fahrende Busshuttles, die nicht nur im einfachen Linienbetrieb übernehmen, sondern auch On-Demand fahren, sind mit Sicherheit dazu geeignet, wieder Linien Linien fahren zu lassen, die vorher unrentabel waren.

 

Joubin Rahimi

Also quasi Moia autonom und dann der Switch doch zu Linien, die dann, also dann auch plus zusätzlich Linienbusse.

 

Marcus Schulz

Moia testet ja auch parallel zu uns auch autonomes Fahren. Also autonom fahrende Shuttles, das ist ein Thema. Ich meine, da können wir von so vielen anderen, so vielen anderen Ländern so viel lernen. Wir sehen ja auch, dass andere Länder schon wesentlich weiter sind. Da müssen wir noch unsere Hausaufgaben machen, aber das ist ein ganz, ganz großes Thema für uns.

 

Joubin Rahimi

Dann habe ich noch eine Frage zum Bezahlmodell, und zwar, ich kam also auch paar Jahre jetzt her, früher aus 6 Jahren, würde ich vermuten, 6, 7 Jahre war ich in Norwegen, in Oslo, Flughafen angekommen, dann die Bahn genommen, und dann so, wie komme ich ans Ticket? Karte durchstecken, die Karte durchgezogen, Tür, Gate geöffnet, in die Bahn rein, beim Verlassen wieder Karte durchgezogen, und die gleiche Karte. Den Hinweis hat er mir dann gegeben, sehr, wo ist denn die Quittung? Ja, im Netz und das fand ich total spannend gedacht. Weiß nicht, wie es jetzt gerade ist, weil ich bin so ein Scooter-Fahrer geworden. Geht man auch in die Richtung oder ist das zu komplex, weil du sagst zu viel Traffic? Und Oslo hat weniger Traffic, deswegen ist das okay.

 

Marcus Schulz

Das ist ein bisschen schwierig, finde ich. Wir hatten vor 4 Jahren oder vor 4 Jahren hatten wir bei uns mit der Switch App HVV Any. Das heißt, die App hat dich in den ÖPNV eingecheckt und ausgecheckt. Ja, du bist zur Haltestelle gegangen, hast gesagt, okay, ich check ein. Die Haltestelle hat gesehen, da ist Markus, der steigt in den Bus ein, der steigt an der Haltestelle in die U-Bahn, steigt da aus. Wenn die Fahrt dann, wenn du ausgecheckt wurdest, die Fahrt also beendet wurde, wurde ich in der besten Preisberechnung. Das wurde einfach nicht genutzt, obwohl wir zwei große Kampagnen dazu gemacht haben, doch sehr viel Kommunikation und sehr viel Aufwand betrieben haben, um das bekannt zu machen. Wir haben es dann letztes Jahr abgestellt und oh Wunder, auf einmal Leute: Warum habt ihr das abgestellt? Das war doch toll! Ja, aber der Nutzen stand in keiner Relation zu dem Aufwand, den wir da betrieben haben. Wir merken an solchen Beispielen, dass der Digitalisierungswille bei vielen Leuten auf der einen Seite da ist, aber die Hemmschwelle, solche Services zu nutzen, immer noch sehr groß ist.

 

Joubin Rahimi

Oder war der zu früh? Kann das sein?

 

Marcus Schulz

Glaube nicht. Weil das geht auf anderen Strecken, in anderen Ländern kennt man das schon. Also das ist ein bundesdeutsches Thema, was Digitalisierung betrifft, hinken wir sehr weit hinterher. Und es ist auch immer so unterschiedlich. Also ich bin Ende 50, ich mache auf meinem Smartphone alles, sogar mein Banking. Und gut, ich habe jetzt 19 Jahre in Digitalagenturen gearbeitet und bin jetzt seit 8,5 Jahren bei der Hochbahn im digitalen Bereich. Deswegen denke ich immer so, andere Leute müssen da auch so sein wie ich, aber man kann eben nicht an sich auf andere schließen. Und ich glaube, der Digitalisierungswille, also wirklich diese Bereitschaft, das auch mal auszuprobieren, das ist nicht einfach bei allen Leuten da.

 

Joubin Rahimi

Oder, also ich kann es aus Köln sagen, da gibt es das auch, easy heißt das, glaube ich. Ich habe es am Anfang mal genutzt, und ich fahre sehr selten, und ich war mit der UX so überhaupt nicht zufrieden, dass ich jetzt eigentlich nur noch mit Karte zahle an so einem Automaten. Kinder lieben das, U-Bahn zu fahren oder Straßenbahn. Aber das Krasse ist, in Köln die Automaten sind ein Pain in the ass. Ganz häufig geht das dann nicht und dann wollen die noch Bargeld haben. Nee, ich habe kein Bargeld. Und wenn, dann habe ich einen Schein und wie soll ich dann 15 und ich kann keinen 50er reinstecken. Also irgendwie nicht durchgedacht. Aber das ist ja hier okay, das hier anders.

 

Marcus Schulz

Ja, also wie gesagt. Wir haben die ganz neuen Fahrkartenautomaten, die sind aber nicht an jeder Haltestelle, aber an vielen. Da kannst du auch nicht mit allen digitalen Möglichkeiten bezahlen, auch mit Apple Pay und so. Wir haben es auch mit Bargeld. Der Deutsche oder die Deutschen lieben ihr Bargeld, warum auch immer. Ich war Ende Januar eine Woche in Madrid. Madrid hat eine tolle U-Bahn. Also ich fahre in anderen Städten immer U-Bahn, weil ich das ganz spannend finde. Fahrkartenautomaten waren wirklich wie aus den 80ern. Aber du hast auch einfach nur deine Kreditkarte, eine Bargeldkarte dagegen gehalten und es hat trotzdem funktioniert. Interface grottenmäßig, gerade für einen Deutschen, aber es hat trotzdem gut funktioniert. Also finde ich extrem unterschiedlich.

 

Joubin Rahimi

Und eine Abschlussfrage, anschließend an das, was du gesagt hast: Du fährst viel U-Bahn in anderen Ländern und Städten. Was war die beste Erfahrung?

 

Marcus Schulz

Also die beste Erfahrung war eigentlich, was U-Bahnkomfort betrifft, immer noch Stockholm. Ja, also Stockholm U-Bahn fahren ist traumhaft. Die witzigste Erfahrung war New York. Ich bin in den Expresszug eingestiegen und wusste nicht, dass der an meiner Haltestelle nicht hält. Hatte auch, um ehrlich zu sein, schon eine kleine Lampe an. Bin dann in Haarlem ausgestiegen, und das war in den 90ern, da war Haarlem noch so.

 

Joubin Rahimi

Kam ich da so runter, das Ding, was ist anders?

 

Marcus Schulz

Und dann kamen zwei Polizisten auf mich zu und haben mich gefragt: Ja, wo sitzen Sie denn? Was wollen Sie denn? Ja, so und so. Die haben mich dann ganz nett wieder zurück zum U-Bahn gebracht. Und fahren Sie mal zurück. Das fand ich witzig, dass du, weil das kennst du aus Europa gar nicht, dass du U-Bahn hast, die an bestimmten Haltestellen nicht hält. Wenn du so als Tourist unterwegs bist, denkst du so, wieso hält die denn nicht? Ja, ja, das ist schwer zu verstehen.

 

Joubin Rahimi

Wenn noch Fragen bestehen zu digitalen Geschäftsmodellen bzw. zu dem, wie er das monetarisiert und die UX macht, Fragen einfach bei LinkedIn unten.

 

Marcus Schulz

Mein Fachbereich nennt sich mittlerweile Digital Marketing. Ah, wir haben es von LinkedIn geändert.

 

Joubin Rahimi

Okay, waren wir oldschool oder haben wir an der falschen Stelle geguckt?

 

Marcus Schulz

Nee, ich glaube, die haben das auf LinkedIn sehr, sehr spät geändert. Spannend.

 

Joubin Rahimi

Aber jeder weiß ja jetzt, was das Themenschwerpunktgebiet ist, und ich finde es für Hamburg halt total toll. Ich freue mich, dass Hamburg da so modern voran ist. Und vielleicht noch als Abschluss die Bindung, was ich ja vorhin auch gesagt habe: Hamburg Hochbahn war für einen Kollegen und mich wirklich was Besonderes. Ihr habt ja auch eine ganz große Transition gehabt, bevor du ja gekommen bist, Richtung viel mehr IT und Digitalisierung. Und da gab es aber Partner, die viel mitgeholfen haben, und wir wurden mitfotografiert und hingen dann an den Wänden. Und das machte einen stolz, weil das macht auch was mit einem und man hat immer noch so eine Extrameile gegeben. Bis jetzt, ich bin ja immer drangeblieben, lass uns mal treffen. Insofern danke, Markus, für die Zeit, für die Einblicke. Total gerne und viel Spaß nachher beim Fußball.

 

Marcus Schulz

Euch noch viel Erfolg auf der OMR.

 

Joubin Rahimi

Danke.

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Joubin Rahimi
Managing Partner synaigy GmbH

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