#153 - Die 3 Hebel, mit denen du 2026 noch sichtbar bleibst

Generative KI verschiebt gerade die Spielregeln im digitalen Marketing radikal: Shop-, Banken- und Versicherungsseiten verlieren in messbarer Geschwindigkeit Traffic an LLMs wie ChatGPT, Perplexity und Co. Annette Kriszun, Geschäftsführerin Scholz & Friends Digital Media, erklärt in der insights!-Folge, warum mehr SEA-Budget jetzt keine Antwort mehr ist, weshalb SEO und Affiliate-Marketing als Content Distribution 2.0 zurückkommen und wie du als Entscheider deine Markenstärke, Landingpage und Sichtbarkeit in der LLM-Welt zukunftsfest machst. 

Das hilft nicht wirklich. Also am Ende gehst du jetzt wieder sehr stark zurück in das alte Businessmodell, wo man gedacht hat, das ist eigentlich schon tot als Kanal. Das Thema SEO und Affiliate-Marketing nimmt halt wieder eine sehr hohe Priorität ein, weil man halt viel stärker contentgetrieben unterwegs sein muss, damit man innerhalb der LLM-Suche auch gefunden wird und ein hohes Ranking hat. Und deswegen muss man sein Marketing auch noch mal ganz anders aufstellen, als man es früher gemacht hat.

Annette Kriszun CEO Scholz & Friends Digital Media

Dein SEA-Budget ist nicht mehr deine Versicherung

Wenn du gerade in deinen Analytics nach unten zeigende Kurven siehst und reflexartig dein SEA-Budget hochziehst, dann hast du verstanden, dass etwas kippt. Du hast nur noch nicht verstanden, dass dein Reflex aus der falschen Epoche stammt. Annette Kriszun bringt es in der Folge schonungslos auf den Punkt: Der Wegbruch von Traffic durch LLMs lässt sich mit mehr Geld auf Google Ads nicht zurückholen. Klassische Shopsysteme, aber auch Versicherer und Banken sehen in ihren Daten genau das gleiche Muster, und niemand redet öffentlich darüber, weil es niemand vor seinen Stakeholdern eingestehen will.

Was bedeutet das konkret für dich? Du steckst nicht in einem temporären SEO-Knick, du stehst in der Mitte einer strukturellen Verschiebung. Generative KI verändert nicht den Kanal, sie verändert die Frage, wo Kaufentscheidungen vorbereitet werden. Wer vorher zehn Tabs offen hatte, fragt heute einmal ChatGPT, einmal Perplexity, vielleicht noch Gemini. Und in genau diesen Antworten musst du vorkommen, sonst existiert deine Marke schlicht nicht im Entscheidungsprozess deiner Zielgruppe.

Totgesagte leben länger: Warum SEO und Affiliate gerade die Hauptrolle übernehmen

Es gehört zu den ironischsten Wendungen der letzten Jahre: Genau die Kanäle, die viele Marketing-Verantwortliche zwischen 2018 und 2023 leise auf die Reservebank gesetzt haben, kommen zurück und werden zur tragenden Säule. SEO und Affiliate-Marketing sind plötzlich wieder Pflichtprogramm, weil LLMs ihre Antworten irgendwo herbeiziehen müssen, und das tun sie aus eben jenen Quellen, in denen du mit hochwertigem Content sichtbar bist. Wer auf Reichweite, Verlinkung und thematische Tiefe gesetzt hat, wird heute fast schon belohnt für die alte Disziplin. Wer alles auf Performance-Auktion gesetzt hat, sucht jetzt nach Plan B.

Wichtig ist dabei, dass du SEO 2026 nicht mit der Logik von 2018 denkst. Es geht nicht mehr um Keyword-Stuffing oder dünne Blog-Texte für Long-Tail-Begriffe. Es geht um Generative Engine Optimization, also darum, wie deine Inhalte für LLMs verständlich, zitierfähig und kontextstark werden. Was dabei konkret hilft:

  • Autorenschaft und Expertise klar ausweisen, damit LLMs deinen Content als verlässliche Quelle erkennen.
  • Strukturierte Daten, klare Überschriften und semantisch saubere Texte, die maschinell gut interpretierbar sind.
  • Content-Distribution auf Plattformen mit hoher Reichweite, statt nur Reddit und Nischenforen.
  • Affiliate als kuratiertes Distributions-Netzwerk verstehen, nicht als reines Cashback-Konstrukt.
  • Regelmäßige Tests, weil sich die Antwortlogik der Modelle dynamisch verändert.

Wenn du dabei den Eindruck hast, dass deine bisherige SEO-Agentur über all das eher leise spricht, ist das ein Hinweis. Die Disziplin verändert sich gerade so schnell, dass Status-Quo-Antworten ehrlich gesagt nicht reichen.

Deine Marke ist austauschbar, und die KI hat das längst gemerkt

Es gibt einen Satz in der Folge, der lange nachklingt: Wenn man sich Wettbewerber ehrlich anschaut, sind die USPs oft sehr vergleichbar. Du denkst jetzt vielleicht: „Nicht meine.“ Mach den Test. Leg drei Konkurrenz-Webseiten neben deine eigene und tausche die Logos aus. Wenn der Text auf der anderen Seite immer noch funktionieren würde, hast du genau das Problem, das Annette beschreibt. Die LLMs sehen das übrigens schneller als jeder Workshop-Moderator es je könnte.

Differenzierung ist deshalb 2026 kein Markenführungs-Luxus mehr, sondern ein knallharter Sichtbarkeitsfaktor. Wer emotionalisiert, wer eine eindeutige Position hat, wer Haltung zeigt, wird in den Antworten der LLMs zur First Choice. Klar, du wirst nicht morgen das nächste Coca-Cola sein. Aber du kannst dir sehr wohl die Frage stellen, was du eigentlich verteidigst, wofür du stehst und warum jemand bei dir kaufen sollte und nicht beim Wettbewerber, der genauso schnell liefert und genauso kompetent klingt.

Asien zeigt dir die Zukunft, aber nicht deine

Live Shopping, Influencer-Ökonomie, hyperdichte Logistik, Konsum, der zu großen Teilen im Social-Feed stattfindet: Wer aktuell aus Asien zurückkommt, hat erstmal eine kleine Identitätskrise. Annette ist gerade aus der Region zurück und sagt sehr deutlich, dass Europa diese Entwicklung nicht eins zu eins kopieren wird. Wir haben andere Bandbreiten (Stichwort Telekom-Gruß in der Folge), andere Konsumgewohnheiten, andere Logistikstrukturen, und unsere Regulierung tickt grundsätzlich anders.

Was du aber sehr wohl aus Asien mitnehmen kannst, sind die strategischen Muster: Content und Commerce werden ein integriertes System. Influencer und Kreation sind keine taktischen Add-ons, sondern strategische Säulen. Und die Bereitschaft, neue Formate schnell zu testen, ist dort höher. Du musst nicht Vietnam sein, um daraus zu lernen. Du musst dich aber davon verabschieden, dass deutsche Vorsicht automatisch deutsche Wettbewerbsfähigkeit bedeutet.

Drei Hebel für Entscheider, die du jetzt ziehen solltest

Wenn du als CEO, CMO, CDO oder Head of Digital aus diesem Beitrag nur drei To-dos mitnehmen willst, dann diese hier. Annette nennt sie in der Folge sehr konkret, und sie sind erfreulich frei von Buzzword-Bingo:

  • Landingpage-Strategie als Top-Priorität: Hör auf, deine Landingpages als Basisversorgung zu behandeln. Plane Budget für laufende Tests, Personalisierung und Datenfeeds, mit denen du Customer Experience und Predictions wirklich kreativ nutzt.
  • Content Distribution 2.0 jenseits der eigenen Plattform: Push deine besten Inhalte über reichweitenstarke Plattformen, modernes Affiliate-Marketing und gezielte SEO-Initiativen, damit LLMs deine Inhalte überhaupt finden und zitieren.
  • Brand Sharpening: Schärfe deine Differenzierung, deine USPs und deine Markenbotschaft so weit, dass sie eindeutig sind, statt austauschbar. Das ist das Fundament für Emotionalisierung und LLM-Sichtbarkeit gleichermaßen.

Bonushinweis aus dem Gespräch: Reddit ist in Deutschland aktuell ein Nischenthema, kein Reichweiten-Heilsbringer. Es schadet nicht, es dort zu probieren, aber stelle deine LLM-Strategie nicht darauf auf.

Brainfuck Generation Smartphone: Kinder, KI und die Frage nach Verantwortung

Werbung lebt vom Hook. Vom Catchen. Vom Halten der Aufmerksamkeit. Wir, die wir Marketing machen, wissen, wie das funktioniert, und genau wir sind oft Eltern, die ihre eigenen Kinder vor genau diesen Mechanismen schützen wollen. Joubin nennt das im Gespräch einen Brainfuck, und es ist tatsächlich einer. Hinzu kommen Themen wie synthetische Freundschaften, KI-Companions, die ausschließlich Positives spiegeln, und eine Generation, die nicht mehr automatisch lernt, dass Beziehungen auch Reibung bedeuten.

Annette plädiert für gesellschaftliche Regulierung, ähnlich wie bei Alkohol oder Zigaretten, und verweist auf die Vorstöße in Australien, UK und Taiwan. Du kannst diese Diskussion als Unternehmen nicht ignorieren, weil sie deinen Markt direkt betrifft. Wer heute Kundenbeziehungen aufbauen will, muss verstehen, in welcher medialen Realität diese Kunden, ihre Kinder und ihre Erwartungen an Marken sozialisiert werden. Das ist keine Soft-Skill-Frage mehr, das ist Strategie.

Fazit: Wer jetzt nicht handelt, ist 2027 unsichtbar

Wenn du diesen Beitrag bis hierher gelesen hast, hast du wahrscheinlich verstanden, dass dies kein Trend-Update ist. Es ist eine Standortbestimmung. Die Reihenfolge der relevanten Kanäle wird gerade neu sortiert, die Bedeutung von Markenführung steigt sprunghaft, und das alte Gleichgewicht aus SEA-Druck und Conversion-Optimierung reicht nicht mehr aus, um Wachstum zu sichern. Wer das versteht, hat einen Zeitvorsprung von zwölf bis achtzehn Monaten, und das ist in diesem Markt sehr viel.

Unser Tipp: Hör dir die komplette Folge mit Annette Kriszun an. Sie liefert Daten, Einordnung und eine erfrischend ehrliche Haltung, wie man sie in deutschen Strategiepräsentationen leider selten zu hören bekommt. Und wenn du diese Themen für dein Unternehmen vertiefen willst, melde dich gerne direkt bei uns. Genau dafür gibt es synaigy.

Du möchtest dir die Folge in voller Länge anhören?
Hier findest du den Podcast des Interviews:

Du möchtest dir die Folge lieber ansehen? Kein Problem!
Hier findest du eine Aufzeichnung des Interviews:

Du möchtest lieber lesen? 

Hier ist der Inhalt:

Joubin Rahimi

Grandios, dass ihr wieder dabei seid zu einer neuen Folge von insights!. Mein Name ist Joubin Rahimi und ich bin Annette Kriszun. Ja, haben wir gar nicht abgesprochen, aber ich hätte erstmal deinen falschen Nachnamen oder deinen falschen, nein, deinen Mädchennamen genannt.

 

Annette Kriszun

Ja, so lange kennen wir uns schon.

 

Joubin Rahimi

Genau, du bist die Person, die ich am längsten kenne in allen Podcastfolgen. Insofern freue ich mich, dass du heute hier bist in deiner Heimatstadt, in unserer Heimatstadt. Und du hast ja eine wahnsinnig tolle Laufbahn gemacht. Wir haben uns irgendwann mal gesehen, da hieß es glaube ich PIA, oder? Da warst du Performance Marketing.

 

Annette Kriszun

Performance Media war das.

 

Joubin Rahimi

Performance Media war noch vorher, stimmt. Genau, da hatten wir mal wieder Touchpunkt und jetzt bist du Geschäftsführerin einer ganz spannenden Unit. Vielleicht magst du 2, 3 Sätze sagen, einer Unit, einer Joint Venture. Ja, ja, genau.

 

Annette Kriszun

Ich bin jetzt Geschäftsführerin der Scholz & Friends Digital Media GmbH. Wir sind sozusagen die Spezialagentur für Mediateams innerhalb der Scholz & Friends und wir sind ein Joint Venture der PIA Media und der Scholz & Friends.

 

Joubin Rahimi

Und warum das für euch so spannend ist, ist halt durch LLMs und AI verändert sich sehr viel, das wissen wir alle, aber wo bekommst du es am ehesten mit? Beim Kunden. Und wo bewegt er sich? Auf den ganzen Kanälen. Und wem ist das? Und insofern bekommen wir einen Blick für die allermeisten in die Zukunft, die bisher viel, viel weniger machen, weil viele unserer Kunden sind nicht so stark im Media-Business, eher so im B2B-Umfeld, und die betrifft es ja nicht ganz so stark, wobei es natürlich auch B2Bler gibt, die bei euch da bestimmt aktiv sind. Aber es ist ein Blick in die Glaskugel der Zukunft, deswegen ist das mega spannend, dass du heute dabei bist.

 

Annette Kriszun

Vielen Dank.

 

Joubin Rahimi

Was würdest du sagen, hat sich jetzt auch drastisch verändert seit einem Jahr in der Medienlandschaft bzw. im Media-Umfeld?

 

Annette Kriszun

Naja, ich glaube, das Schlagwort der letzten anderthalb Jahre ist ja jetzt das Thema KI und Effizienz. Und das Thema Effizienz hat einfach verschiedene Ebenen. Einerseits möchten die Kunden, dass die Agenturen effizienter werden und günstiger werden.

 

Joubin Rahimi

Günstiger und schneller.

 

Annette Kriszun

Günstiger und schneller. Und gleichzeitig sieht man aber auch, dass sich das Business sehr stark verändert auf Agentur-, aber auch auf Kundenseite. Also gerade Shopsysteme, weil du gerade die E-Commerce-Lage angesprochen hast, sind stark abhängig von Traffic, den sie auf ihrer Landingpage generieren. Und das Thema LLM-Traffic, der wegbricht, ist halt ein großes Thema, was uns auch im Bereich Media beschäftigt.

 

Joubin Rahimi

Das seht ihr auch in den Daten?

 

Annette Kriszun

Ja, das sehen wir in den Daten.

 

Joubin Rahimi

Wir sind ja massiv in den Daten.

 

Annette Kriszun

Ja, ja, wir haben zwar das Scholz & Friends als die kreative Seite mit drin. Ich mache aber immer den etwas für die Kreativen langweiligeren Part, den datenbasierten Part. Und da sieht man ganz klar, dass der Traffic halt stark reduziert ist innerhalb von Shopsystemen, aber auch im Bereich von Versicherungen und Banken bricht sehr viel weg.

 

Joubin Rahimi

Und wie versuchen jetzt Versicherungen, Banken das auszugleichen? Also mehr SEA-Budget oder?

 

Annette Kriszun

Das hilft nicht wirklich. Also am Ende musst du und gehst jetzt wieder sehr stark zurück in das alte Businessmodell, wo man gedacht hat, das ist eigentlich schon tot als Kanal. Das Thema SEO und Affiliate-Marketing nimmt halt wieder eine sehr hohe Priorität ein, weil man halt viel stärker contentgetrieben unterwegs sein muss, damit man halt innerhalb der LLM-Suche auch gefunden wird und ein hohes Ranking hat und auch genannt wird. Wird. Und deswegen muss man halt sein Marketing dahingehend auch noch mal wieder ganz anders aufstellen, als man es früher gemacht hat.

 

Joubin Rahimi

Und wie? Genau, ja, klar, wenn du schon hier bist.

 

Annette Kriszun

Also ich glaube, dass die typische—

 

Joubin Rahimi

ich glaube, wenn man die selbst weiß, wo kommt man ja noch nicht mal unbedingt hin.

 

Annette Kriszun

Ja, ich glaube, die typische Antwort eines Marketeers ist, dass das sehr kundenspezifisch ist, wie man das machen muss.

 

Joubin Rahimi

Wie immer.

 

Annette Kriszun

Deswegen, nein, man muss sehr stark aus aus zwei Ecken denken. Das eine ist natürlich aus dem Thema der Kreation, also guten Content zu erstellen und auch wieder das Thema Markenstärke in den Fokus zu stellen. Und das zweite Thema ist natürlich, innerhalb der Media Wege zu finden, dass man in diesen LLMs auch gefunden wird. Das bedeutet, mehr im Bereich Content Marketing auch wieder unterwegs zu sein. Und das ist sehr spannend innerhalb der Branche, weil natürlich die Budgets, die auch hinter Paid Walls stattfinden, also auch im Spiegel, Spiegel-Thematik und Abo-Modell, sind Themen, die gar nicht in LLMs stattfinden. Das bedeutet, wir müssen auch wieder anders denken, wie wir Marketingbudget ausgeben.

 

Joubin Rahimi

Warum muss ich Brand jetzt neu denken? Mit neu meinst du wahrscheinlich intensiver denken, oder?

 

Annette Kriszun

Ja, man muss es intensiver denken, weil man sich als Brand wieder stärker differenzieren muss. Alle sagen, das tun wir sowieso. Aber wenn man sich trotzdem mal seine Wettbewerber anguckt und die USPs, mit denen sie werben, sind doch oftmals sehr vergleichbar, wenn man ehrlich ist. Und die LLMs sind ganz hart. Ja, die vergleichen das sehr stark mit dem, was man contentgetrieben nach außen kommuniziert hat. Und gleichzeitig hilft es natürlich, das große Thema der Emotionalisierung einer Marke. Wenn man an McDonald's denkt oder Coca-Cola. Ich weiß nicht, jeder hat das Budget, aber die haben es halt einfach geschafft zu emotionalisieren an der Stelle. Und das hilft dann auch wieder, First Choice zu sein.

 

Joubin Rahimi

Wie ist es für Industriekunden oder für uns als TIMETOACT GROUP? Ist da Emotionalisierung auch ein Thema?

 

Annette Kriszun

Ich würde da glaube ich eher Richtung SEO gehen, also wie baue ich meine Landingpage, meine Shops auf, damit ich dann auch wieder stärker in den LLMs stattfinde. Und natürlich das Thema User Experience. Ich kann noch so gut in den LLMs gecrawlt sein, aber wenn meine Shop Experience nicht gut ist, dann haben die Kunden einfach keine Lust und sagen. Es gibt auch Anbieter B, das ist viel angenehmer für mich. Deswegen ist das immer noch ein sehr relevantes Thema, was man bedienen muss.

 

Joubin Rahimi

Du hast ja gesagt, die Content-Kreation braucht man jetzt, die braucht man wieder, die müssen neue Formate entwickeln, die Brand mit nach vorne bringen. Jetzt haben wir dann ja gleichzeitig noch die ganzen, wie hier TikTok ist ja gegenüber Meta, haben wir hier auch, die verändern sich ja auch implizit, wahrscheinlich auch explizit durch AI-generierten Content. Siehst du da irgendwie, wohin das führt? Also haben wir bald nur noch Retorten-Content, oder?

 

Annette Kriszun

Ja, das ist, ich glaube, das ist eine stark europäische Sichtweise. Also wenn man mal nach Asien guckt,

 

Joubin Rahimi

du warst ja auch gerade da.

 

Annette Kriszun

Ja, ich komme gerade aus der Ecke. Wenn man nach Asien sieht, sieht man das Thema Live-Shopping in Social-Media-Umfeldern ist viel präsenter und da arbeitet man stärker mit Influencern. Natürlich ist KI auch immer ein Thema, also es gibt da auch starke KI-Testimonials, aber ich denke nicht, dass man KI so negativ betrachten müsste, sondern es eher als Unterstützung sehen kann. Man muss halt aufpassen und wir testen das ja in Deutschland und Europa gerade an. Total. KI in die Bildsprache aufnehmen. Und da muss, glaube ich, auch jedes Unternehmen seine Guidance finden. Es gibt ja einige Marken, die sagen, ich werde für Menschen keine KI nutzen, also für menschliche Darstellung. Und ich glaube, da muss man gucken, wie die Käufer darauf reagieren, was die Resonanz in Europa darauf ist.

 

Joubin Rahimi

Also noch habt ihr keine Zahlen oder Erkenntnisse?

 

Annette Kriszun

Nein, dafür ist es noch zu früh. Und Asien ist ein ganz anderer Markt und Amerika tickt auch ganz anders.

 

Joubin Rahimi

Asien ist ist dann nicht nur der Zeit voraus, also das ist meine Interpretation, aber du sagst, Asien ist auch anders als wir in Deutschland. Wenn wir 2 Jahre nach vorne gucken, werden wir nicht wie in Asien. Ja, definitiv. Warum?

 

Annette Kriszun

Das liegt an 2 Komponenten für mich. Das eine ist die Bandbreite, wie ich halt Internet nutzen kann. Das ist ja in Europa noch mal deutlich geringer, als ich das jetzt in Asien habe.

 

Joubin Rahimi

Das tut schon weh, ne? Telekom, hört ihr zu?

 

Annette Kriszun

Das tut tatsächlich weh, weil ich auch gerne online bin. Und das Zweite ist aber auch, wie man konsumiert. In Asien ist es viel normaler, mit Lieferdiensten zu arbeiten. Vor 20 Jahren war es normal, dass man was bestellt hat und direkt ein Lieferdienst kam. Und das ist einfach eine sehr angenehme Form, die die Menschen stark annehmen, weil die Bevölkerung auch nicht immer nur in der Stadt ist. Die ist auch noch mal anders aufgebaut und deswegen ist die Logistik noch mal anders aufgebaut.

 

Joubin Rahimi

Was mir auch aufgefallen ist, als ich drüben war: Beim Essen waren viel mehr Menschen am Handy, durchweg am Handy. Und auch eher bei den jüngeren Menschen, die waren einfach pur am Handy, haben miteinander gegessen, und wir haben dann irgendwie nur beobachtet, wie beim Fernsehen. Und die haben wenig selber miteinander interagiert, aber die Fotos gemacht, Selfies gemacht mit dem Essen, mit sich, und dann wieder gepostet oder kommuniziert. Das fand ich, ich weiß nicht, ob das jetzt normal war, das war jetzt in Vietnam, war das, die, das war auffällig, sagen wir mal so, das war anders.

 

Annette Kriszun

Ja, obwohl ich finde, das ist auch schon deutlich stärker nach Deutschland geschwappt. Ja, aber da muss man sich selber disziplinieren. Auch wenn man U-Bahn fährt, guckt einen ja auch keiner mehr an, also man guckt ja auch nur auf sein Handy. Aber klar, es ist viel präsenter an der Stelle.

 

Joubin Rahimi

Du hast gesagt, Content Creation muss sich verändern und Media verändert sich auch.

 

Annette Kriszun

Und beides muss miteinander sprechen.

 

Joubin Rahimi

Verrückter Gedanke wahrscheinlich, oder?

 

Annette Kriszun

Ja, verrückter Gedanke.

 

Joubin Rahimi

Aber eigentlich ist das nicht so, oder? Klar reden sie miteinander.

 

Annette Kriszun

Naja, ich glaube, die Erkenntnis ist ja jetzt schon länger da. Darausgehend wurde ja auch das Joint Venture damals gegründet. Und es gibt ja mehrere Unternehmen, die jetzt auch Kreation und Media zusammen anbieten. Aber es ist einfach wichtig, dass Media und Kreation in den Projekten auch schon sehr frühzeitig miteinander sprechen und die Kreation die Daten nutzen kann, die die Media hat und auch analysiert, dass man auch wirklich von den gleichen Plattformen spricht, in denen man den Content oder die Kreativformate produzieren möchte. Weil das selbst bei der engen Abstimmung manchmal dann doch konträr laufen kann. Hat, wenn man das unterschiedlich verstanden hat. Und das ist immer noch im Wachstum, dass man halt dort eng zusammenarbeitet und ein gleiches Verständnis dafür entwickelt.

 

Joubin Rahimi

Ja, wenn ich TikTok und Insta vergleiche mit Fernsehen, ist total klar, dass es unterschiedlich sein muss. Aber Insta zu TikTok ist ja auch schon unterschiedlich, oder? Also es ist ja nicht so, dass du sagst, eigentlich alles gleich bespielen, sondern—

 

Annette Kriszun

Nein, nein, nein, man muss es wirklich sehr spezifisch produzieren. Weil die Social Plattformen auch ganz unterschiedliche Ausrichtungen haben. Bei dem einen ist es mehr Video Content, und zwar mehr User Generated Video Content. Bei dem anderen ist es ein noch stärkeres Scrollverhalten, wo man weniger Video konsumiert und vielleicht nur 2 Sekunden guckt, es sei denn, man ist wirklich gecatcht an der Stelle. Deswegen muss man das wirklich spezifisch angucken.

 

Joubin Rahimi

Du bist ja Profi in dem Umfeld. Wir sind ja bisschen, also synaigy ist ja etwas anderen Umfeld, aber uns verbindet was: Wir haben Kinder und die haben auch Endgeräte, oder haben sie Endgeräte? Wie ist da die Einstellung? Werbung lebt ja davon, dass man den Hook hat und den Menschen catcht. Als Elternteil, so geht's mir auf jeden Fall so, will ich das ja gar nicht. Das ist irgendwie ein Brainfuck, oder? Papa, du arbeitest doch auch in dem Umfeld. Ja, deswegen.

 

Annette Kriszun

Ja, ich habe das Glück, meine Kinder sind noch etwas kleiner, deswegen verstehen sie das noch nicht so ganz. Aber klar, also ich finde es auch ein Vorteil, weil man weiß, was so die Gefahren sind von den verschiedenen Plattformen. Aber es ist natürlich eine ganz andere Generation, als wir das noch waren.

 

Joubin Rahimi

Klar, bei uns gab es das nicht.

 

Annette Kriszun

Amiga 500 gestartet hat, um ins Internet zu kommen.

 

Joubin Rahimi

Ich glaube, zur Abiturzeit gab es dann, hatte ich ein Smartphone, Handy. Genau, aber das war SMS, 40 Pfennig oder so was in der Richtung.

 

Annette Kriszun

30 Zeichen oder wie viel waren das?

 

Joubin Rahimi

Ich weiß es gar nicht.

 

Annette Kriszun

Genau überlegen, was man schreibt, und die, ja, ist eine große Herausforderung. Deswegen, man sieht es ja auch mit Australien, wie die jetzt damit umgehen.

 

Joubin Rahimi

Das wäre jetzt meine Anschlussfrage gewesen.

 

Annette Kriszun

Mit UK. Also ich kann das komplett nachvollziehen und ich beurteile das, glaube ich, auch sehr gut, diesen Schritt, dass die Industrie an einigen Sachen sagt, dass sie es nicht so gut findet, das auch nachvollziehbar. Ja, wir müssen natürlich schon gucken, wie wir mit dem Thema Social Media und auch KI, das geht jetzt noch mal weiter, hat Scott Galloway gerade eben auch noch mal gesagt.

 

Joubin Rahimi

Nein, ich war nicht da, was hat er gesagt?

 

Annette Kriszun

So wie letztes Jahr hat er auch noch mal gesagt, dass natürlich Beziehungen super wichtig, und die gehen halt verloren, weil man halt auch über AI Freundschaften, synthetische Freundschaften hat, die natürlich immer nur Positives suggerieren. Und zwischenmenschliche Beziehungen leben halt von gut und manchmal auch schlechter Zeit. Und deswegen glaube ich schon, dass es ein guter Schritt ist, dass wir uns ein bisschen regulieren, weil es natürlich auch verrückt ist, dass man den Kindern einfach mal die Welt in die Hand legt. Und bei Alkohol und Zigaretten ist man auch reguliert, aber bei dem Thema muss man glaube ich als Gesellschaft selber da rein wachsen.

 

Joubin Rahimi

Und was ich jetzt spannend fand, also klar, Australien hat man mitbekommen, war ja auch groß in der Presse hier. Taiwan hat auch was Spannendes gemacht. Ich war auf der DLD, und da war der, ich glaube, das war der Digitalisierungsminister oder Digitalminister von Taiwan, der schon witzig gewählt wurde oder ins Amt gehievt wurde, aber das ist eine andere Geschichte. Und die haben gesagt, wenn die halt bei TikTok eine bestimmte Anzahl von, ja, Nachrichten haben, dass bestimmte Sachen gesendet werden oder gezeigt werden, die nicht gezeigt werden sollen, über so einen Trashhold fangen die an, die Bandbreite zu reduzieren von TikTok. Also wenn TikTok dann halt böse, ich sag mal böse Videos, Inhalte nicht rausnimmt, sinkt die Bandbreite. Und nachdem sie das so langsam eingeführt haben, oder nachdem sie es eingeführt hat, sich langsam TikTok auch wirklich bemüht, den ganzen wirklich klaren Bots dann rauszudrücken. Das fand ich spannend.

 

Annette Kriszun

Das Thema Regulierung und Monitoring von Content ist aber super komplex und auch schwierig. Das haben wir ja auch schon bei Meta gesehen. Deswegen ist es ein Zwischenschritt, den wir schon versucht haben zu gehen, glaube ich, in Deutschland und Europa. Aber so eine starke Regulierung auf Altersbegrenzung ist natürlich noch mal ein stärkerer Schritt, so wie man das auch bei gewissen Filmen machen würde, ne? Erst ab 12 oder 16 Jahren.

 

Joubin Rahimi

Guck sie trotzdem vorher.

 

Annette Kriszun

Genau, wird sicherlich auch geben, aber das wäre natürlich noch mal stärker.

 

Joubin Rahimi

Was würdest du denn Geschäftsführern, Geschäftsführerinnen, Geschäftslenkern und Geschäftslenkerinnen empfehlen? Was, also so 3 Sachen mit an die Hand geben, um einfach ihre Sichtbarkeit auch gegenüber den LLMs und Geo-seitig nach oben zu pushen?

 

Annette Kriszun

Um es nach oben zu pushen? Natürlich Optimierung der eigenen Landingpage weiter voranzutreiben. Ich würde mal davon ausgehen, sowieso, aber dass man das wirklich budgetär auch in den Fokus wieder hebt, weil man das vielleicht so als Basis geschnitten Brot eine Zeit lang gesehen hat.

 

Joubin Rahimi

Aber dann die Landingpages und gar nicht die klassische Webseite?

 

Annette Kriszun

Ja, die Landingpage ist da auch wieder stärker in Testings reinzugehen, weil ich glaube auch, dass die User sich verändert haben und der Anspruch an die Landingpage ist an der Stelle, dass man auch mit den Datenfeeds, die man hat, noch mal versucht kreativer umzugehen, auch im Bereich Customer Experience und Vorschlägen, Predictions an der Stelle, und dass man dann noch mal sieht, inwiefern man halt auch Content außerhalb der eigenen Plattform wieder stärker pushen kann, ne?

 

Joubin Rahimi

Ja.

 

Annette Kriszun

Das typische Thema mit Affiliate-Marketing, Content Distribution noch mal 2.0 gedacht.

 

Joubin Rahimi

Reddit und so weiter, spielt Reddit eine Rolle oder ist das eher eine gehypte Rolle?

 

Annette Kriszun

Reddit ist die Zielgruppe an sich so klein und der Traffic auch noch überschaubar, als dass er einen großen Impact auf die LLMs in Deutschland hätte. Deswegen würde ich sagen, das ist so ein Nischenthema, ist nice to have, Da müsste man eher gucken, welche Plattformen wirklich eine hohe Reichweite haben und wie die verschiedenen LLMs, wir sprechen ja nicht nur von einer, auch wirklich den Content rausziehen, ne. Und das ist ja auch etwas, was noch in der Entwicklung ist und was das ganze Umfeld so spannend macht.

 

Joubin Rahimi

Immer verändert.

 

Annette Kriszun

Ja, deswegen macht es ja auch so viel Spaß, im Marketing zu arbeiten, weil sich die Welt halt in den letzten 15 Jahren, wo wir mal von CPC weggekommen sind, in den kompletten Social Media und jetzt LLM-Thematik.

 

Joubin Rahimi

Wenn ihr noch mehr Fragen habt an die Annette, dann schreibt unten rein oder LinkedIn direkt an Annette. Bin sicher, ihr werdet dann noch viel mehr erfahren, als ich heute erfragen konnte. Danke fürs Zuschauen, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, direkt nach dem Trip. Und du hast gesagt, fühlt sich jetzt heute noch wie 19 Uhr, und es ist 13 Uhr, ne?

 

Annette Kriszun

Ja, ja.

 

Joubin Rahimi

Der Tag ist lang.

 

Annette Kriszun

Jetzt ist gerade 13 Uhr, 3 Stunden bin ich noch fit. Vielen Dank, Joubin.

 

Joubin Rahimi

Gerne, danke dir, Annette.

 

Annette Kriszun

Ciao.

Du hast Fragen oder Feedback?

Dann kontaktiere uns gerne direkt.

Joubin Rahimi
Managing Partner synaigy GmbH

Vertiefe dein Wissen mit uns

Jetzt Blog abonnieren und keine News mehr verpassen

✔️kostenlos ✔️jede Woche News ✔️Expertenwissen