#160 - 850.000 Arbeitswerte gespart: Wie Roboter und KI den Mittelstand umkrempeln

In der neuen insights!-Folge spricht Joubin Rahimi mit Toralf Feuchtenhofer, Gründer und Geschäftsführer der Crest Digital, über die Realität hinter den schönen Digitalisierungsversprechen. Es geht darum, warum Ausschreibungen oft Wert vernichten statt schaffen, warum digitale Souveränität jetzt zum Vorstandsthema wird und wieso jedes Unternehmen am Ende ein Softwareunternehmen sein muss, wenn es relevant bleiben will. Du erfährst, was Kunden wirklich brauchen, wie KI nicht an der Technik scheitert, sondern an den eigenen Daten und Prozessen, und warum ein einzelnes Beispiel aus der Autoindustrie 850.000 Arbeitswerte freisetzt.

„Aus meiner Sicht wird jedes Unternehmen, ob es ein Schraubenhändler aus Wuppertal ist oder ein Landmaschinenhändler aus Seevetal, auf kurze oder lange Sicht auch ein Softwareunternehmen. Keine Branche funktioniert noch ohne Software. Und gerade in KI noch stärker: Viele Dinge sollte man sich in der Wissensstruktur ins Haus holen, sonst verlierst du als Unternehmen den Anschluss.“

Toralf Feuchtenhofer Gründer und Geschäftsführer  Crest Digital GmbH

Digitalisierung ohne Bullshit: Warum dein KI-Projekt nicht an der KI scheitert

Wenn du in den letzten zwei Jahren irgendwo in einem Vorstandsmeeting gesessen hast, kennst du das Drehbuch. Jemand erwähnt ChatGPT, alle nicken bedeutungsvoll, ein Pilot wird angeschoben, ein paar Monate später fragt jemand, warum eigentlich keine Wertschöpfung dabei rauskommt. Toralf Feuchtenhofer, Gründer und Geschäftsführer der Crest Digital, hat dafür eine sehr klare Diagnose. Es liegt nicht an der KI, es liegt an dir.

Genauer gesagt liegt es an Daten, Prozessen und Wissen, die in vielen Häusern nicht in dem Zustand sind, in dem moderne Werkzeuge überhaupt sinnvoll andocken könnten. Das ist die ehrliche Version der Digitalisierungserzählung, und genau darüber sprechen wir in dieser Folge von insights!

Ausschreibungen: Warum sie öfter schaden als nutzen

Toralfs erste Provokation hat es in sich. Ausschreibungen unterhalb einer relevanten Größenordnung sind für ihn volkswirtschaftlicher Unsinn. Sein Argument: Viele Unternehmen formulieren in Ausschreibungen Fragen, die sie eigentlich gar nicht haben dürften. Es wird abgefragt, was vermeintlich Standard ist, statt klar zu definieren, welches Geschäftsproblem überhaupt gelöst werden soll.

Das Ergebnis: Dienstleister pitchen sich gegeneinander, verbrennen Beratungsstunden und am Ende landet ein Projekt, das vielleicht günstig aussieht, aber an den eigentlichen Pains vorbeigeht. Wenn du gerade eine Ausschreibung vorbereitest, lohnt sich vorher die Frage, ob du wirklich weißt, welche Wertschöpfung am Ende stehen soll.

Kunden im Fog: Wenn zu viele Optionen lähmen

Toralf unterscheidet zwischen zwei Kundentypen. Die einen kommen mit klarem Auftrag und brauchen jemanden, der hilft, das Briefing scharf zu schleifen. Die anderen kommen im sogenannten Fog. Sie haben hunderte mögliche Initiativen, alle Abteilungen wollen Geld und alle Themen klingen plausibel: CRM-Ausbau, Logistik-Upgrade, KI-Pilot, Cybersecurity-Programm, Compliance-Projekt.

Das ist die Stelle, an der Unternehmen sich selbst lahmlegen. Toralf nennt das eine Denial-of-Service-Attack gegen die eigene Organisation. Die Lösung ist nicht mehr Aktivität, sondern Priorisierung. Was schafft jetzt den größten Wert? Wo ist der Pain am größten? Wo sind die schnellsten Ergebnisse möglich?

Konkrete Leitfragen, die du dir stellen kannst:

  • Welche meiner Initiativen löst ein echtes Kundenproblem und welche nur ein internes Bedürfnis?
  • Wo verlieren wir heute messbar Wert in der Wertschöpfung?
  • Welche zwei Initiativen würden wir streichen, wenn wir Nein sagen müssten?
  • Wo können wir innerhalb von 90 Tagen sichtbare Ergebnisse zeigen?

Digitale Souveränität: Die unbequeme Wahrheit über deine Daten

Im KI-Zeitalter wird ein Thema überlebenswichtig, das viele Unternehmen noch immer unterschätzen. Digitale Souveränität. Toralf bringt es auf den Punkt: Wenn du heute nicht weißt, wie deine eigenen Daten in Verbindung mit KI-Werkzeugen genutzt werden, fließen sie ab. Stell dir vor, du bist ein internationaler Logistikkonzern und dein Wettbewerber fragt offen einen Chatbot nach deinen Einkaufskonditionen. Klingt absurd, ist aber Realität.

Wer digitale Souveränität ernst nimmt, denkt nicht in einzelnen Tools, sondern in Orchestrierung. Welche KI-Werkzeuge dürfen welche Daten sehen? Wo läuft eine Anfrage in eine offene Cloud, wo in ein abgeschottetes Modell? Und vor allem: Wer im Unternehmen entscheidet das? Das ist 2025 ein Vorstandsthema, nicht mehr ein IT-Detail.

Jedes Unternehmen wird ein Softwareunternehmen

Eine der Kernthesen der Folge, und für mich eine, der ich zu 100 Prozent zustimme. Egal ob Schraubenhändler in Wuppertal oder Landmaschinenhändler in Seevetal, in fünf bis zehn Jahren wirst du ein Softwareunternehmen sein, oder du wirst nicht mehr sein. Das ist keine Drohung, sondern eine Beobachtung.

Was bedeutet das praktisch? Du musst nicht alles selber programmieren, das hat Toralf explizit klargestellt. Aber du musst die Wissensstruktur im Haus haben. Du musst verstehen, wie deine Prozesse, deine Daten und deine Services zusammenspielen. Du musst Produktdenke entwickeln, nicht nur Projektdenke. Und du musst akzeptieren, dass die Kundenbeziehung digital getragen wird, auch wenn dein eigentliches Produkt aus Stahl, Metall oder Holz ist.

Vom Maschinenbauer zum Service-Anbieter

Ein Beispiel hat sich bei mir festgesetzt. Ein Hersteller industrieller Nähmaschinen wollte Predictive Maintenance einführen. Technisch machbar, betriebswirtschaftlich attraktiv. Das Problem: Sie haben es als Projekt aufgesetzt, nicht als Produkt. Sie haben es behandelt wie eine IT-Initiative, nicht wie das, was es eigentlich war: ein neuer Service mit eigenem Geschäftsmodell.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer schönen Tech-Demo und einer Cash Cow. Wer Predictive Maintenance, Remote Services, Verbrauchsmodelle oder digitale Add-ons als echte Services denkt, mit Preismodell, Kundenführung und Service Level, baut langlaufende Kundenbeziehungen. Wer es als IT-Anhang behandelt, baut Tickets.

Wenn 25 Minuten zu 850.000 Arbeitswerten werden

Das heimliche Highlight der Folge ist eine kleine Geschichte aus der Autoindustrie. Ein Mechatroniker braucht ein Ersatzteil, läuft ins Kleinteilelager, trifft einen Bekannten vom Wochenende, holt sich auf dem Rückweg einen Kaffee, plaudert kurz, geht zurück an die Hebebühne. 25 Minuten nicht abrechenbare Zeit. Klingt nach nichts, ist aber, wenn du das auf einen großen Betrieb hochrechnest, ein Vermögen.

Die Lösung war so elegant wie banal. Roboter, die den Weg ins Kleinteilelager übernehmen und Material direkt an den Arbeitsplatz bringen. Ware zur Person statt Person zur Ware, ein Prinzip, das wir aus dem E-Commerce kennen. Ergebnis: 850.000 Arbeitswerte Einsparung im ersten Jahr. Das ist nicht KI im engeren Sinne, aber genau die Sorte von Prozess-Redesign, die durch KI und Automatisierung gerade in jeder Branche möglich wird.

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Hier ist der Inhalt:

Joubin Rahimi

Grandios, dass ihr wieder dabei seid zu einer neuen Folge von insights! Mein Name ist Joubin Rahimi und heute mit dabei ist der Toralf Feuchtenhofer. Hi Toralf!

 

Toralf Feuchtenhofer

Hi Joubin!

 

Joubin Rahimi

Ich freue mich mega, dass du hier bist, weil wir uns de facto vor 4 Wochen noch gar nicht gekannt haben und jetzt eigentlich wieder, wir haben Abo aufeinander, wir haben jetzt jede Woche uns entweder getroffen oder gesprochen und jetzt hier auf der Couch, wollte ich sagen, auf dem Stuhl. Warum ist das so spannend? Warum reden wir dauernd? Vielleicht das einmal für euch: Wir fangen mit der synaigy und mit der TIMETOACT auf einer gewissen Ebene bei der Digitalisierung ja an und wir kommen eher aus der Technik und haben auch Berater auf, ich sag mal, taktischer bis leicht strategischer Ebene und du bist ja nur in der strategischen Ebene unterwegs, deswegen dachte ich, macht Total sind, dass wir uns heute mal austauschen und bisschen was aus dir herauskitzeln können im Sinne der Insights. Aber vielleicht magst du noch 2, 3 Sätze zu dir sagen, Toralf.

 

Toralf Feuchtenhofer

Genau, also erstmal vielen Dank, Joubin, dass ich hier dein Gast sein darf. Wir haben gesehen, dass wir unheimlich viele Gemeinsamkeiten haben. Wir kommen beide nicht 100% aus Deutschland, leben aber im Norden von Deutschland, also ich zumindest, Du bist hier auch mal groß geworden. Du hast mit der Seefahrt viel zu tun gehabt durch deinen Vater. Ich segle viel und also erst mal vielen Dank, hier dein Gast sein zu dürfen.

 

Joubin Rahimi

Total gerne.

 

Toralf Feuchtenhofer

Für den Einstieg in unser gemeinsames Thema ist es so, wir, ich selber, das Geschäft, was ihr mit der TIMETOACT GROUP macht, kenne ich sehr gut, weil das habe ich auch mal 10 oder 12 Jahre in meinem Leben gemacht. Und wir haben halt immer, wenn wir zu Kunden kamen und große Pitches gewonnen haben, haben wir immer gesehen, die waren noch gar nicht so weit, dass sie das, was sie bei uns beauftragt haben, machen konnten. Und dann haben wir uns darauf spezialisiert, die Kunden eigentlich erstmal in die Form zu bringen, dass sie mit jemandem wie euch, also einer TIMETOACT GROUP oder anderen Mitbewerbern oder Digitaldienstleistern arbeiten können.

 

Joubin Rahimi

Und wie meinst du das, erstmal so reif genug zu bekommen?

 

Toralf Feuchtenhofer

Also wir haben im Grunde genommen—

 

Joubin Rahimi

der Kunde wird sagen, ich bin doch reif, ich mache jetzt mal eine Ausschreibung. Ja, ja, genau, das Typische.

 

Toralf Feuchtenhofer

Also erstens Ausschreibung, wir werden auch oft gefragt, Ausschreibungen zu organisieren für unsere Kunden. Wenn Sie das von uns fragen und abfragen wollen, wir machen keine Ausschreibungen unter ein paar hunderttausend Euro, weil wir Ausschreibungen für ein ziemlich volkswirtschaftlich nicht gutes Werkzeug halten. Man nimmt einfach nur Zeit von Digitaldienstleistern weg, die dann sich gegeneinander irgendwie pitchen und dafür irgendwie Ressourcen einfach verschwenden, die für bessere Sachen eingesetzt werden können.

 

Joubin Rahimi

Also ich weiß nicht, ob ihr es hört, es ist relativ laut hier, ne? Wenn wir mal stottern, dann ist es, weil der Bass uns wegfegt. Warum ist eine Ausschreibung so ein volkswirtschaftlicher Schaden? Eigentlich soll es doch den Unternehmen helfen, eine bessere Entscheidung zu treffen.

 

Toralf Feuchtenhofer

Ja, aber wenn die Unternehmen, und das erleben wir sehr, sehr oft, wir erleben sehr, sehr oft, dass die Unternehmen manchmal etwas wollen oder eine Frage stellen und sie brauchen das im Grunde genommen nicht. Also das, was sie abfragen, brauchen sie im Grunde genommen nicht. Sie brauchen vielleicht was ganz anderes. Und deshalb kategorisieren wir Kunden, die zu uns kommen, dass sie einen ganz klaren Auftrag haben. Die sagen, das und das und das und das und das will ich. Ja, und da helfen wir denen dann, die Themen noch besser zu formulieren, so dass jemand wie der, der das umsetzen soll, dann auch richtig am richtigen Punkt trifft. Dann haben wir halt Unternehmen, die eigentlich, wo alles eher im Nebel ist, die haben einen kompletten Fog Die wissen gar nicht, die sind eher wie so ein Denial-of-Service-Attack. Also die haben halt hunderte von Sachen, die sie machen können. Ich habe einen Kunden, der hat mir gesagt, ich kann hier eine Logistik-Erweiterung machen für Unsummen. Ich kann hier in einem CRM-Werkzeug noch mal mehr Geld reinpacken. Ich kann das und das tun und alle wollen, er ist Finanzvorstand in dem Unternehmen, alle wollen, dass ich diese Dinge freigebe. Aber viel machen erzeugt an dem Punkt auch nicht sehr, sehr, sehr viel Wert, sondern macht halt einfach nur noch viel Aktivität, aber nicht im Grunde genommen. Wir sind sehr, sehr wertorientiert in dem, was wir machen. Also wir wollen, dass der Kunde mit dem, was wir mit ihm gemeinsam bauen, wirklich auch Wert daraus stiftet.

 

Joubin Rahimi

Also ihr helft ihm, die Einführungsschneise richtig zu wählen. Genau. Und dann halt die Kunden, der Kunde ist ja nicht ein Kunde, das sind ja verschiedene Abteilungen mit verschiedenen Strömungen. Die dann zu streamline.

 

Toralf Feuchtenhofer

Genau, und vor allen Dingen auch zu sagen, was ist eigentlich das, was mir jetzt in welchem Bereich in meinem Unternehmen in der Digitalisierung eigentlich am meisten Wert stiftet. Und im Moment kommen so viele Themen auf den Kunden zu, KI, Cybersecurity, Compliance-Themen, Marktveränderungen, komplette Geschäftsmodelle brechen komplett weg, dass die Kunden oftmals gar nicht wissen, womit fangen wir denn jetzt hier eigentlich an? Und da sind wir eher wie ein Guide, ein Begleiter, der sagt: Okay, wir ordnen das einfach, wir machen mit denen die Strategien, wir bringen denen auch sehr viel in Umgang, eigentlich Nein sagen bei, damit sie die richtigen Themen tun.

 

Joubin Rahimi

Jetzt haben Sie gesagt digitale Transformation und Digitalisierung ist ja kein Thema seit 1, 2 Jahren, sondern schon deutlich länger. Seit 2 Jahren ist AI durch ChatGPT in aller Munde. Was, 2 Jahre ist es schon her oder erst? Ich überlege nur gerade bei der Zahl, das ist so surreal.

 

Toralf Feuchtenhofer

Also seit 2 Jahren ist KI und AI auf der in aller Munde durch ChatGPT oder in allen Fingern, aber die eigentlichen Algorithmen dahinter sind ja schon sehr, sehr viel älter.

 

Joubin Rahimi

Die sind so gut, aber im Markt ist es ja noch nicht angekommen.

 

Toralf Feuchtenhofer

Naja, wenn man jetzt im Markt, also in vielen Sachen, wir haben halt miterlebt, wo halt Dinge, die halt eher Machine-Learning-Thematiken sind und dergleichen, die dann, also in der Industrie ist das schon an vielen Punkten.

 

Joubin Rahimi

Genau, so ein bisschen. Bei meinem Arbeitgeber unten im Schwarzwald hatten wir auch bisschen Machine Learning drin, mit der Karlsruher Universität, KIT damals auch gemacht. Living Agents hieß das sogar. Aber das hat ja noch keine Verbreitung gehabt, aber jetzt gibt's ja noch so richtigen Spin.

 

Toralf Feuchtenhofer

Absolut.

 

Joubin Rahimi

Wie verändert sich aus deiner Sicht für die Kunden, die ihr betreut, jetzt für das Thema Digitalisierung?

 

Toralf Feuchtenhofer

Also erstmal sind das, es kommen sehr viele Chancen dafür, für Dinge, die sonst sehr, sehr lange gedauert haben. Also wir, ich würde das sagen, die Time to Value hat sich verkürzt. Also zwischen dem, dass Menschen wie wir kommen, mit den Kunden arbeiten, die richtigen Strategien entwickeln. Und dann kommt der Kunde immer in eine Phase, wo du weißt, sehr viel, wie komplex Kunden auch sein können in ihrer Infrastruktur, in ihren Legacy-Systemen, also in den Bestandssystemen des Kunden, in ihren Daten. Und viele unserer Kunden oder viele Kunden, die ich da draußen sehe, und Firmen, die sind im Grunde genommen auf Grundlage ihrer heutigen Infrastruktur und ihrer Daten noch gar nicht in der Lage, sage ich mal, moderne Werkzeuge wie KI-Werkzeuge einzusetzen. Das sehen wir halt ganz viel. Aber in der Vergangenheit war das immer so, wir mussten unheimlich viel Grundlagenarbeit machen, um dann überhaupt erst mit dem Kunden Werte zu stiften. Und dann ist die Time, zu dem, dass es Dass du hier was umgesetzt kriegst, unendlich lange. Und dann fragen die Kunden auch: Ja, aber wir haben doch alles besprochen. Können wir jetzt nicht mal—

 

Joubin Rahimi

Warum ist es noch nicht fertig?

 

Toralf Feuchtenhofer

Warum ist es noch nicht fertig?

 

Joubin Rahimi

Hast du schon die Demo gesehen?

 

Toralf Feuchtenhofer

Ja, ja, ich habe das schon gesehen. Warum ist es denn jetzt noch nicht fertig? So, das ist halt eine Sache. Was wir sehen, ist, wir sehen aber auch Gefahren durch eine... Wenn Kunden jetzt heute nicht wissen, was ihre Herangehensweise mit ihren eigenen Daten mit KI-Werkzeugen ist, wird auch sehr, also wir sprechen davon, wie viele auch, über digitale Souveränität, wird es halt auch sehr viel, dass Daten leider abfließen. Also ich möchte ja auch nicht, wenn ich ein weltweiter Logistikkonzern bin, möchte ich nicht, dass halt mein Mitbewerber Chatbot fragt, wie sind denn meine Preiskonditionen, wie funktioniert meine Einkaufskondition? Und da sehen wir halt auch, dass wir sehr, sehr stark darauf gucken müssen, wie orchestriere ich denn diese unterschiedlichen KI-Werkzeuge innerhalb meiner Gruppe.

 

Joubin Rahimi

Die Prozesse verändern sich ja auch noch, ne. Also das finde ich, bei der Digitalisierung hast du häufig angefangen, einen Prozess zu digitalisieren, so 1:1. Da gab es einen Spruch: Ein scheiß manueller Prozess bleibt ein scheiß digitaler Prozess. Mit AI verändert sich das ja maßgeblich in dem Zuge, weil Prozesse ja automatisch anders werden müssen, Rollen verschieben sich ja auch.

 

Toralf Feuchtenhofer

Absolut.

 

Joubin Rahimi

Wie wichtig ist da Organisationsberatung, Führungsthemen, das mit aufzufangen?

 

Toralf Feuchtenhofer

Also wichtig ist aus unserer Sicht, dass man nicht nur einfach eine Black Box hat, wo man seine, wie du so schön gesagt hast, eher suboptimalen Prozesse reinschmeißt und man kriegt ein, huch, ein neues tolles Ergebnis raus, sondern wichtig ist aus unserer Sicht, dass man schon weiß, was seine Prozesse sind, wie man mit denen arbeiten kann und auch, dass man die so auseinanderbauen kann, dass man sie auch wieder in bessere neue Prozesse zusammensetzen kann. Aber wir sehen heute auch ganz viel, es ist so ein bisschen Erwartung und Erfüllung in der Enttäuschung. Wieso? Wir machen da jetzt KI, das muss doch jetzt alles funktionieren. Dann kommen wir halt und sagen, wir brauchen auch heute, um gute Ergebnisse zu machen, unbedingt Menschen im Loop. Also nicht nur, um KI-Systeme, sei es externe oder interne, anzulernen und denen gutes Lernwissen zu geben, sondern wir brauchen halt die auch, um als Werkzeug unterstützt zu werden. Also, und auch wir haben einen Kunden, wo das Interface zu deren Kunden sind immer noch Menschen, aber wir packen sehr, sehr viele Werkzeuge dahinter, um eigentlich quasi die, sag ich mal, Geschwindigkeit und die Arbeitslast von den Menschen zu ergänzen.

 

Joubin Rahimi

Ich formuliere das jetzt so, dass du bisschen Zeit hast, darüber nachzudenken. Du hast ja ganz, ganz viele Projekte gesehen oder Programme, und bei erfolgreichen Kunden und bei nicht so erfolgreichen Kunden. Wenn du einfach an die Historie denkst, was sind so die 1, 2, 3 Sachen, die dir aufgefallen sind, was so richtig gute Kunden von euch anders gemacht haben als andere, die das halt nicht so gut gemacht haben?

 

Toralf Feuchtenhofer

Wirklich richtig gute Kunden von uns, wir kommen, um zu gehen. Die vertrauen uns zwar, geben uns Verantwortung, aber wir brauchen immer das innere Gegenstück. Also wir brauchen beim Kunden Leute, die sich mit dem, was wir tun, intensiv beschäftigen, die intensiv auch lernen wollen, die intensiv genau diese Themen, die wir beschreiben, mit internalisieren in den Kunden. Und das ist aus unserer Sicht auch so, das geht bis in die Geschäftsleitung. Also für uns, weil wir sehr viel mit Veränderung zu tun haben, sei es nun KI, You name it. Das muss auch wirklich im tiefen Wissen mit in Geschäftsleitung verbunden werden. Wir sind nicht nur die, die vorbeikommen und irgendwie mal was machen. Wir haben einen Kunden, da haben wir angefangen zu arbeiten, da war die Geschäftsleitung, hat eine Sache in dem Markt nicht geglaubt, wir nicht, und zwei Personen im Unternehmen. Mittlerweile beschäftigen sie ein 300-Mann-Team innerhalb des Unternehmens. Sie brauchen uns auch nicht mehr, weil sie das wirklich alles intern selber gut können. Also sehr viel internes Wissen, um moderne Prozesse, Technologien aufzubauen.

 

Joubin Rahimi

Dann sagst du ja, okay, das ist so strategisch, mach es selber und gib es nicht raus.

 

Toralf Feuchtenhofer

Ich sag nicht, dass— nein, ich sag dir, ich sag nicht, gib es nicht raus.

 

Joubin Rahimi

Ich sage, Oder wenn du es schon nicht hast, dann musst du es dir erarbeiten, dass du es machen kannst.

 

Toralf Feuchtenhofer

Du musst nicht alles selber programmieren oder machen oder tun. Du musst nur die Struktur selber im Wissen haben. Aus meiner Sicht wird jedes Unternehmen, ob es ein Schraubenhändler aus Wuppertal ist oder ein Landmaschinenhändler aus Seevetal, jedes Unternehmen wird auf kurze oder lange Sicht auch ein Softwareunternehmen. Und deshalb, und jetzt in KI noch stärker, viele Dinge sollte man sich in der Wissensstruktur in das Haus holen.

 

Joubin Rahimi

Da hake ich noch mal ein. Jedes Unternehmen wird ein Softwareunternehmen werden. Ja, also ich teile das, aber warum denkst du das?

 

Toralf Feuchtenhofer

Weil ich es erlebe. Weil ich da lebe, weil ich halt, weil ich, also es gibt Unternehmen, die halt sehr, sehr, sehr viel mehr dafür prädestiniert sind oder wo man das sehr viel mehr hat, aber ich arbeite, also mein Leben ist, wir haben uns vorhin über, während mein Leben ist Sendung mit der Maus unplugged, also ich sehe so viel, sag mal, unterschiedliche Branchen. Keine dieser Branchen funktioniert noch ohne Software. Und das kann, you name it, das kann von Logistik, Automotive, Ersatzteile, After Sales, nichts funktioniert mehr ohne Daten und Software.

 

Joubin Rahimi

Da bin ich bei dir, aber das ist ja ein bisschen so die IT. Warum ich sage, jedes Unternehmen muss auch mehr Softwareunternehmen werden, weil ja die Prozesse, du kannst ja immer mehr digitalisieren und die Prozesse intern, aber nach außen hin, das ist halt der erste Unterschied. Der zweite ist, du kannst digitale Services jetzt ja aufbauen, die sonst gar nicht da gewesen wären. Wir haben Kunden, der stellt Nähmaschinen her, industrielle Nähmaschinen, und die haben dann halt irgendwann gesagt, okay, wir wollen so Predictive Maintenance haben. Da ging es darum zu erkennen, wann geht eine Maschine kaputt. Oder ist ja okay, die haben halt Gewerbeparks, um dann zu sehen, welche Maschine hat wann ein Problem und wann muss man das austauschen, dass dann halt so eine Reihe Jeans nicht kaputt geht beispielsweise. Und daraus wurde dann Service. Das haben die aber immer wie ein Projekt gemacht und dann festgestellt, irgendwie funktioniert das nicht so, wie sie wollten. Weil sie haben ein Projekt gemacht, sie haben nicht gesagt, okay, das ist ein Service, den wir verkaufen, wir behandeln es als Produkt und so weiter. Sie haben es nicht wie ihre Nähmaschinen behandelt, sondern so als IT-Dienstleister. Deswegen fand ich den Satz so gut, du musst wie ein Softwareunternehmen ticken, weil es mehr ist als nur IT.

 

Toralf Feuchtenhofer

Exakt. Weil also Predictive Maintenance und Ersatzteile sind sowieso eins meiner Lieblingsthemen, aber davon mal abgesehen, Und daran siehst du auch, dass es gibt ja sehr viele Branchen, also wenn dein Nähmaschinenhersteller nicht mehr produzieren kann, weil die Hälfte der Maschinen kaputt ist, und da hätte sie doch mal vorher heile gemacht, und da gibt es halt über Krankenhäuser, über, es gibt halt relativ viele Themen, wo sowas zum Tragen kommt, da musst du auch in den Wertströmen, also auch in dem Geld verdienen. Wenn du da anfängst, nur noch einen Service zur Verfügung zu stellen oder meinetwegen deine Leistung auch zu verschenken und hinten an Software Geld zu verdienen bzw. wie in Lizenzmodellen Geld zu verdienen, dann wird aus deinem Geschäftsmodell ein sehr, sehr gutes Geschäftsmodell.

 

Joubin Rahimi

Genau, dann kannst du ganz anders verdienen als nur an dem Produkt selber.

 

Toralf Feuchtenhofer

Und du hast halt, es ist halt so, nicht dass du, du verkaufst dann nicht mehr nur eine Nähmaschine, sondern du verkaufst halt einfach eine Kundenbeziehung. Also, du, die bleiben ja auch länger bei dir. Das ist halt, wir wissen ja auch, dass im After-Sales mehr Geld verdient wird. Aber da kommt auch dann nicht so ein neuer Maschinenhersteller und stellt eine Maschine auf.

 

Joubin Rahimi

Und du bist ja ein Teil der Wertschöpfung, also  der operativen Wertschöpfung. Ich habe die Maschinen, so sell and run, sondern ich bin ja immer noch da.

 

Toralf Feuchtenhofer

Genau.

 

Joubin Rahimi

Was würdest du denn halt mittelständischen Unternehmen, die in der Digitalisierung noch nicht so weit vorangeschritten sind, jetzt sagen? Was sind die nächsten Schritte?

 

Toralf Feuchtenhofer

Also ich würde erstmal schauen, wo stehe ich denn überhaupt heute? Ich würde auch mal gucken, wo stehe ich in meinem Markt? Ich würde mir anschauen, wo stehen— also ich sehe halt auch Unternehmen ja nicht nur als abgeschlossenes Entität, sondern ich gucke, wo sind meine Lieferanten, wie sind meine Kunden, was brauchen meine Kunden, was macht, wie trage ich eigentlich mit meinem Geschäftsmodell zu der Wertschöpfung meiner Kunden bei. Und dann würde ich halt, dann gucke ich, welche Rolle nehme ich darüber, um in IT-Sprech zu sagen, würden wir sagen, wir Ich bin ja wie in einer Wertschöpfungswelt ein Service, wie ein Microservice. Und ich gucke, würde dann—

 

Joubin Rahimi

Da steht ein ITler wieder.

 

Toralf Feuchtenhofer

Da steht ein ITler wieder, aber so kannst du es auch übertragen auf ein Geschäftsmodell, wo du sagst, in dieser Branche stelle ich was dar und welchen Wert schaffe ich? Und dann gucke ich, was brauche ich heute, also wo verliere ich heute Wert in der Herstellung? Wir haben einen Kunden, der zu mir gesagt hat, ich muss mit selben Mitarbeitern, AWs, das ist Autoindustrie, ein Arbeitswert sind 5 Minuten, ich muss mit denselben Mitarbeitern doppelt so viel AWs produzieren und die abrechenbar. Und das ist unser Ziel. Das heißt, auch mal die Ziele so formulieren, als Unternehmer zu gucken, wo habe ich heute die größten Pains und wo kriege ich die schnellsten Ergebnisse. Weil ganz wichtig ist auch für intern, für Mitarbeiter, für Kunden, für auch Stakeholder aus meinetwegen Investorensicht, muss Wert geschöpft werden mit dem, was wir tun.

 

Joubin Rahimi

Total, sonst macht es ja keinen Sinn. Weil das mit den AWs finde ich noch mal spannend, weil das die 5 Minuten sind es ja, aber das ist ja ein festgelegter Wert. So Reifenwechsel, wenn der Azubi länger braucht, dann ist egal. Du hast ja vordefiniert, wie viel AWs das sind. So funktioniert das ja.

 

Toralf Feuchtenhofer

Ich kann ja die Geschichte kurz erzählen. Was haben wir da gemacht? Wir hatten eine sehr große Niederlassung und da ist ein Mitarbeiter, ein Mechatroniker, wenn er ein Ersatzteil brauchte, ist ins Kleinteilelager gelaufen. Hat auf dem Weg noch einen Freund vom Wochenende getroffen, dann sind schon mal 2 AWs weg, 10 Minuten. Dann hat er sich einen Kaffee geholt, noch mal ein AW weg, 15 Minuten. Dann ist er zum Kleinteilelager gegangen, hat sich die Ware besorgen lassen, noch 2 AWs weg, 25 Minuten nicht fakturierbare Arbeitszeit. Dann ist er zurückgelaufen. In diesem Betrieb haben wir Roboter eingeführt, die vom Arbeitsplatz vom Arbeitsplatz ins Kleinteilelager holen und die, sag ich mal, Ersatzteilversorgung am Arbeitsort machen. Und haben innerhalb von, glaube wir haben im ersten Jahr für 850.000 AVs eingespart. So, und die Roboter fuhren durch die Gegend und haben halt die Kleinteile zum Arbeitsplatz gebracht. Kennt man aus dem E-Commerce, ist dann Teil zur Person oder Person whole tile.

 

Joubin Rahimi

Super, danke für die Einblicke. Wir könnten bestimmt auch richtig lange diskutieren.

 

Toralf Feuchtenhofer

Wir haben ja jetzt auch ein Abo aufeinander.

 

Joubin Rahimi

Genau, wir haben ein Abo. Magst du das zeigen oder ist das geheim?

 

Toralf Feuchtenhofer

Nee, ist nicht geheim, aber es ist halt ein ist ein Werkzeug, was ich dabei habe und wodurch ich auch noch mal mitschneide.

 

Joubin Rahimi

Genau, und das ist eigentlich auch ganz spannend, dass so was sich ja verändert. Das spart dir ja auch persönlich Zeit ein, deine AWs.

 

Toralf Feuchtenhofer

Ja, meine AWs, das spart mir jeden Monat etwa, ich glaube, 2 Tage Protokolle schreiben und dergleichen ein.

 

Joubin Rahimi

Und in diesem Sinne sage ich Augen auf, es verändert sich so wahnsinnig viel. Ich freue mich immer, dass ich jedes Mal hier was lerne. Auf unterschiedlichsten Ebenen. Danke, Toralf, für die Zeit.

 

Toralf Feuchtenhofer

Danke dir.

 

Joubin Rahimi

Und wenn ihr Fragen an Toralf habt, auf LinkedIn sehen wir uns ja genauso.

 

Toralf Feuchtenhofer

Genau.

 

Joubin Rahimi

Könnt ihr sicherlich direkt kontaktieren oder Kommentare unter den Post schreiben.

 

Toralf Feuchtenhofer

Vielen Dank. Danke dir. Super.

 

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Joubin Rahimi
Managing Partner synaigy GmbH

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