#tbd - Was der E-Commerce jetzt aus 25 Jahren Erfahrung lernen muss
Über 25 Jahre E-Commerce-Erfahrung, eine klare Meinung und null Lust auf Ausreden: In der neuen insights!-Folge spricht Melanie Vogt mit Joubin Rahimi darüber, warum die fetten Corona-Jahre den Onlinehandel bequem gemacht haben, wie du KI pragmatisch in deinem Team einführst und weshalb Mut und Fehlerkultur die wahren Treiber der digitalen Transformation sind. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen: von Datensilos über die Click-Diät im Checkout bis zur Frage, warum die Gen Z vieles besser macht.
6 Min. Lesezeit

„Wir sind nicht in der Zeit, 9 to 5 abzusitzen und Geld zu verdienen für etwas, das uns in zwei Jahren schon überholt hat. Also wir müssen wirklich experimentierfreudig bleiben. Und dazu würde ich immer aufrufen: dass alle, die digitale Veränderung können und verstehen, was dahintersteht, den Mut aufbringen, das auch zu machen.“
Die fetten Jahre sind vorbei: Warum Erfolg den E-Commerce bequem gemacht hat
Wenn jemand seit über 25 Jahren im E-Commerce arbeitet, hat er die komplette Geschichte des Onlinehandels miterlebt: von PHP-Entwicklung und Paketpacken im Firmenkeller bis zu KI-gestützten Prozessen. Melanie Vogt gehört zu dieser ersten Generation, und genau deshalb sitzt ihre Analyse der letzten Jahre so präzise. Die Corona-Zeit war für den E-Commerce die Phase der Rekordumsätze. Zahlen, von denen viele nur geträumt hatten, fielen den Unternehmen quasi in den Schoß. Klingt nach einem Erfolgsmärchen, war aber der Anfang eines Problems.
Denn mit dem Erfolg kam die Bequemlichkeit. Viele Unternehmen wurden leichtsinnig und übermütig, verloren den Fokus auf ihre Kunden und dachten nur noch in Technologie. Wer dann auch noch die Corona-Umsätze als Basis für künftige Forecasts nahm und einfach 30 Prozent draufschlug, betrieb das, was Melanie Vogt trocken eine Milchmädchenrechnung nennt. Die Konsequenzen sieht man heute am Markt: Bekannte Fashion-Retailer, die es nicht mehr gibt. Customer Centricity ist eben kein neues Buzzword, sondern war im E-Commerce schon immer die Überlebensbedingung. Wer sie ignoriert hat, ist heute weg.
KI im E-Commerce einführen: Feuer frei zum Experimentieren
Wie also umgehen mit der nächsten großen Welle, der künstlichen Intelligenz? Melanie Vogts Ansatz ist erfrischend pragmatisch: nicht auf den perfekten Plan oder den ultimativen KI-Experten warten, denn den End-to-End-Experten gibt es ihrer Meinung nach schlicht noch nicht. Stattdessen gilt: Low-Budget-Tools suchen, dem Team zeigen, was möglich ist, und dann Feuer frei zum Ausprobieren geben. Erst wenn es richtig Geld kostet, wird Kosten und Nutzen sauber gegeneinander gerechnet.
Dieser spielerische Ansatz hat einen ernsten Kern, denn KI verändert Berufsbilder radikal. Melanies Prognose: Der Anteil klassischer Developer wird ganz klein werden. Übrig bleiben wenige Kontrolleure, die prüfen, ob der generierte Code wirklich korrekt ist. Blindes Vertrauen in die KI wäre aktuell noch ein Fehler, aber die Richtung ist eindeutig. Die Skills der Zukunft sehen deshalb anders aus als der klassische Lehrplan:
Prompten lernen: Wer präzise Anforderungen formulieren kann, holt aus KI-Tools echten Mehrwert heraus.
Kritisch denken: KI-Ergebnisse müssen geprüft und hinterfragt werden, statt sie blind zu übernehmen.
Neugierig und experimentierfreudig bleiben: Tools verändern sich schneller, als jede Ausbildung mithalten kann.
Alltagskompetenzen aufbauen: Vom Umgang mit Geld bis zur Steuererklärung, auch hier kann KI konkret unterstützen.
Und dieses Thema endet nicht an der Bürotür: Auch in Schulen fehlt es massiv an KI-Kompetenz. Lehrkräfte sollen den Umgang mit KI kontrollieren, haben aber selbst nie eine Fortbildung dazu erhalten. Hier sieht Melanie Vogt die Digitalbranche in der Pflicht, etwa mit Formaten wie Teach the Teacher, um Multiplikatoren in die Schulen zu bringen.
Datensilos aufbrechen: Ohne Fehlerkultur keine digitale Transformation
Auf die Frage nach der größten Herausforderung für Unternehmen kommt keine Technologie-Antwort, sondern eine kulturelle: Datensilos aufbrechen und eine gesunde Datenbasis schaffen. Das bedeutet nicht automatisch einen ERP-Wechsel. Es bedeutet zuerst, dass alle Beteiligten bereit sind, einen Schritt zurückzugehen, aus der Adlerperspektive auf das Ganze zu schauen und ehrlich zu klären: Was haben wir, was wollen wir, und welchen Schmerz müssen wir in Kauf nehmen, um das geradezuziehen?
Genau daran scheitert es in der Praxis am häufigsten, denn Offenheit setzt Fehlerkultur voraus. Wer zugeben soll, dass Prozesse oder Daten in seinem Bereich nicht sauber sind, braucht die Sicherheit, dass ihm dafür niemand in die Karre fährt. Erst mit dieser Basis können die Mutigen im Unternehmen Tempo aufnehmen. Oder in Melanies Worten: Erst wenn im Keller richtig aufgeräumt ist, kannst du mit deiner Datenbasis wirklich Vollgas geben.
Click-Diät statt Checkbox-Wahnsinn: Customer Centricity im Checkout
Wie kundenzentriert ein Unternehmen wirklich denkt, zeigt sich selten in Strategie-Slides, sondern im Checkout. Melanie Vogts Lieblingsbeispiel: ein Bestellprozess mit zwölf Checkboxen. Ihre Frage dazu bringt das Problem auf den Punkt: Wie oft wollen wir den Kunden eigentlich noch aus dem Shop rausschubsen? Ihr Rezept dagegen ist die Click-Diät: einfach mal zählen, wie viele Klicks zwischen Kunde und Kauf liegen, und dann konsequent reduzieren.
Dahinter steckt ein größeres Prinzip: Lass die Experten ihren Job machen. Usability gehört in die Hände von Usability-Experten, nicht in die der IT oder des Datenschutzes, die naturgemäß andere Prioritäten setzen. Newsletter, CRM, Sales: Jede Disziplin braucht ihre Expertise, und niemand sollte glauben, für alles Experte sein zu können. Wenn alle Instanzen gut miteinander sprechen, fühlt sich am Ende der Kunde gut aufgehoben. Und für den machen wir das Ganze schließlich.
Von der Gen Z lernen: Warum Mut die wichtigste Währung bleibt
Zum Schluss dreht sich das Gespräch um eine überraschende Erkenntnis: Die Gen Z macht vieles besser als die Pioniergeneration des E-Commerce. Wo früher Ellbogen und ein permanentes Höher-schneller-weiter regierten, bringt die junge Generation eine bessere Feedback-Kultur, mehr Fürsorge im Team und gesündere Selbstfürsorge mit. Davon können auch alte Hasen lernen, findet Melanie Vogt, und nimmt sich selbst dabei nicht aus: auch mal sagen zu können, für heute reicht es, ich habe einen guten Job gemacht.
Was am Ende hängen bleibt, ist vor allem ein Satz: Die Dinge, die mit Mut passiert sind, waren immer besser als die, die mit Angst passiert sind. Angst macht übervorsichtig, verhindert Experimente und kostet damit mehr, als sie schützt. Mut dagegen heißt nicht Übermut, sondern Respekt ohne Angst, gepaart mit einer Fehlerkultur, die kleine Rückschläge aushält, und der Bereitschaft, Erfolge auch zu feiern. Wenn du wissen willst, wie sich das in der Praxis anfühlt, schau dir die komplette Folge an. Und dann: Sei mutig!
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Joubin Rahimi
Grandios, dass ihr wieder dabei seid zu einer neuen Folge von insights! Mein Name ist Joubin, Joubin Rahimi und heute mit dabei Melanie Vogt. Hi Melanie!
Melanie Vogt
Hi Joubin!
Joubin Rahimi
Wir kennen uns ja schon einfach eine Weile lang.
Melanie Vogt
Ja, immer mal wieder getroffen.
Joubin Rahimi
Immer mal wieder getroffen über Behind Closed Doors, aber wir haben nie wirklich intensiv miteinander gesprochen.
Melanie Vogt
Das stimmt.
Joubin Rahimi
Und da sind immer 30, 40 Leute und man hat nie genügend Zeit, mit allen zu sprechen. Und dann haben wir uns doch vor vor paar Wochen auf einer Veranstaltung intensiver austauschen können.
Melanie Vogt
Gut, haben gemerkt, das wir das Gleiche machen.
Joubin Rahimi
Du musst hier in den Podcast. Magst du mal zwei Sätze zu dir erzählen und dann steigen wir einfach mal in die Thematik ein?
Melanie Vogt
Ja, total gerne. Ja, ich bin Melanie Vogt, ich bin über 50, haben wir gerade festgestellt, und immer noch im E-Commerce. Seit über 25 Jahren habe ich festgestellt. Gestern, ich habe meinen LinkedIn bisschen bearbeitet. Genau, also eigentlich so ein bisschen E-Commerce der ersten Stunde, mit einem Riesenzufall dahin gekommen. Also ich habe nicht E-Commerce studiert, weil als ich meine Ausbildung gemacht habe, gab es noch gar kein Internet. Genau, seitdem bin ich jetzt halt in verschiedenen Positionen, in verschiedenen Unternehmen im E-Commerce unterwegs, mal mehr, mal weniger großen Projekten oder Teams. Ja, aber fühle mich da sehr wohl, weil mich die Bewegung und der Wandel und die Flexibilität im E-Commerce einfach begeistern. Also ich brenne dafür und vor allen Dingen bin ich so ein kleiner digitaler Weltverbesserer. Ich möchte immer, wenn ein Prozess nicht funktioniert, den irgendwie verbessern und sagen: Moment, das muss doch auch anders gehen.
Joubin Rahimi
Und das fand ich auch mega spannend, weil du hast eine Menge Erfahrung, richtig viel Erfahrung, aber bist so frisch im Kopf. Und das ist ja das, was selten ist. Viel Erfahrung und trotzdem noch flexibel neue Gedanken angehen, Energie haben. Das ist ja häufig immer das, was man jungen Menschen abspricht, was sie der Gen Z nicht immer hatten, klare Zusprüche, muss ich zugeben. Aber das fand er ja mal so imponierungswürdig, dass ich gesagt habe, komm, wir müssen mal miteinander sprechen.
Melanie Vogt
Kann ich natürlich nur für mich beantworten. Ich kenne ja nur mich, so wie ich unterwegs bin, und bin halt immer neugierig gewesen. Und für mich ist es eher andersrum. Und ich glaube, für andere manchmal auch schwer auszuhalten, dass ich diese Flexibilität habe. Weil ich, wenn ich Dinge sehe, mich das neugierig macht, ich verstehen möchte, wie es funktioniert, und dann meistens auch schon eine Lösung oder eine Idee dazu habe, wie man es angehen könnte. Und ja, Geduld gehört nicht immer zu meiner starken Seite, ist nicht mein zweiter Vorname, aber ich glaube eben gerade diese Bewegung, diese Geschwindigkeit, die wir im E-Commerce, also wo wir eigentlich im E-Commerce herkommen, was wir zwischendurch aber verloren hatten mit dem Erfolg, den wir eigentlich gehabt haben. Also es gab ja die fetten Jahre im E-Commerce, gerade Corona-Jahre, die persönlich ganz für viele Menschen natürlich einschneidend waren. Alle, die im E-Commerce waren, haben natürlich sich die Finger geleckt, weil wir haben plötzlich Umsätze geschafft, von denen wir sonst nur geträumt haben. Es ist uns mehr oder weniger in den Schoß gefallen. Aber ja, das waren schon die fetten Jahre, und da sind wir an mancher Stelle, sind viele von uns auch leichtsinnig und übermütig geworden, finde ich, und haben den Fokus verloren.
Joubin Rahimi
Und bequem.
Melanie Vogt
Bequem, genau. Weil wir sind einfach erfolgsverwöhnt gewesen. Ich finde, das waren super anstrengende Jahre, weil wir haben wirklich in der Zeit immer auch, ja, es gibt ja Customer Centrication, dieses Buzzword, was jetzt gerade so hochgespielt wird. Das muss es im E-Commerce immer gegeben haben eigentlich, weil wenn du das nicht gemacht hast, gibt es dich heute eben einfach auch nicht mehr. Weil für wen machen wir das denn?
Joubin Rahimi
Das so oder so immer.
Melanie Vogt
Aber das haben viele in dem Moment aus den Augen verloren, die haben nur in Technologie geguckt und auch in Technologie gedacht. Wir haben uns echt, wir haben in Corona die ganzen Pakete umgeleitet, wir haben die alle wieder zurückkommen lassen aus den Filialen, umetikettiert, und wir haben da Also ich möchte nicht sagen nächtelang, aber tage-, wochenlang bestanden, damit die Kunden ihre Sachen kriegen.
Joubin Rahimi
Wie meinst du, aus den Filialen? Die dann in den Filialen gepackt worden sind, aber nicht verschickt?
Melanie Vogt
Also alles, was in die Filialen ging an Kunden, und alles, das war ja so ein fliegender Prozess, ne, 17. März, kann mich noch genau erinnern, plötzlich hieß es, jetzt geht nichts mehr, macht mal die Tür zu. Und dann haben wir alles zurückgeholt, was in die Filialen geschickt war, haben alles aus den Filialen in den E-Com reingeschickt, und wir haben die Kundenbestellungen umetikettiert mit der ganzen Mannschaft. Alle aus allen Abteilungen, aus allen Fachabteilungen gingen in die Logistik. Alle Mann an Bord. Hat man in die Hände gespuckt und dann wurde man demütig eigentlich, finde ich, ne, weil jeder plötzlich geschmeckt hat, was das eigentlich bedeutet, ne. Und wir haben dann wirklich so in die Hände gespuckt, dass wir also die Lieferantenbedingungen erfüllen konnten, keine Fördergelder brauchten und das Unternehmen damit auch retten. Ja, retten hört sich groß an, ne, aber wir konnten nicht nur das Unternehmen retten, sondern auch nachhaltig die Kunden begeistern und eben auch dann ja bei uns behalten am Ende. Die sind geblieben. Ja, natürlich, wenn man die Kennzahlen nehmen würde und man würde sagen, ach, wir nehmen jetzt mal die Zahlen von 2020 und sagen in 2022 und 2023, wir haben kein Corona mehr, die Filialen sind wieder komplett da, jetzt setzen wir auf die Summe für unseren Forecast noch mal 30% drauf.
Joubin Rahimi
Das geht natürlich nicht. Aber das ist ganz häufig gewesen.
Melanie Vogt
Genau, also das ist Leichtsinn, hier noch Milchmädchenrechnung, dass das nicht funktionieren wird.
Joubin Rahimi
Das mit dem Pakete packen unterstütze ich total. Ich habe auch eine Zeit lang mit einem Freund von mir einen Onlineshop gehabt. Das ist jetzt echt lange her und wir haben Pakete gepackt.
Melanie Vogt
Ich habe so angefangen. Ich habe im Keller von Unternehmen Pakete gepackt.
Joubin Rahimi
Morgens, ja, so 40 bis 100 am Tag. Und das dann immer, man fängt an, das ist so witzig, da dann wirklich zu optimieren, wie sind deine Laufwege, dass du immer schnell das machen kannst. Ob du nur 2 Minuten oder eine Minute brauchst, macht echt einen Unterschied.
Melanie Vogt
Ob es Sinn macht, die Pakete vorher schon mal aufzustellen, ob man die lieber in To-Do-Workflow aufbaut. Genau, also im Prinzip genauso ist das bei mir auch angefangen. So habe ich E-Commerce kennengelernt. Damals war das ja auch noch so, wenn man überlegt, wo man herkommt, es kam aus der PHP-Entwicklung. Wir haben uns alle nicht vor die Pumpe laufen lassen, sondern wir hatten offene Community, wir haben uns ausgetauscht miteinander und haben gesagt, ey, das habe ich mal ausprobiert, das war wirklich nichts, mach das lieber nicht. Dann haben wir mit dem Erfolg im Grunde genommen das aus den Augen verloren und jeder war sowieso der Geilste. Ist ja so.
Joubin Rahimi
War schon so.
Melanie Vogt
Jetzt sind wir so ein bisschen wieder auf der demütigen Basis angekommen und sagen, wir können uns auch wieder austauschen und sagen, habe ich gemacht, war nicht so ganz geil. Genau, und das liebe ich eigentlich an der Branche, diesen offenen Austausch, der hat mich begeistert. Also als ich das erste Mal auf der DMEXCO war zum Beispiel, da habe ich mir noch Urlaub dafür genommen damals, und ich komme eigentlich aus sehr kreativen Bereich. Und da habe ich auf der DMEXCO einen Mann laufen sehen, barfuß, aufgekrempelte Hose, Dreadlocks. Und da habe ich gedacht, hier kann ich mich wohlfühlen, das finde ich richtig gut. Hier kannst du rumlaufen, wie du willst, hier kannst du sein, wie du willst. Du kannst Ideen haben, du kannst rumspinnen. Ich spinne immer noch auf Veranstaltungen mit Leuten herum.
Joubin Rahimi
Wahnsinn. Ich weiß nicht, ob ihr das hört, aber es ist echt jetzt mal Peak hier mit lauter Musik gespielt. Nach bayerischer Folklore-Art, oder?
Melanie Vogt
Ich glaube, dass jetzt alle froh sein— jetzt ist der Moment, wo ihr alle froh sein könntet, wenn wir nicht mitsingen.
Joubin Rahimi
Aber wir machen trotzdem mal weiter. Du hast gesagt, du baust Lösungen mit ein. Und in Deutschland sind wir häufig für die Ingenieure. Guckst du, was könnte passieren? Was macht Sinn? Was macht keinen Sinn? Wie gehst du damit um? Weil ich vermute mal, das ist nicht das, wo du sagst, ja, ich liebe diejenige, die dauernd nur das beschreibt, was nicht geht.
Melanie Vogt
Nee, ist eigentlich eher genau das Gegenteil. Also wenn ich feststelle, dass es neue Sachen gibt, Thema AI, KI, wie auch immer man das nennen will, spielen schon relativ lange herum. Keiner wusste so recht, wo man es anpacken kann. Wir haben dann in Thun Dinge gefunden, die KI-basiert funktionieren, die aber vom Budget her noch relativ low budget waren. Dann habe ich dem ganzen Team gezeigt, was wir haben, was geht, was man tun könnte, und dann gesagt: Feuer frei, probiert aus, was geht. Und ich finde, dass wir immer noch in der Experimentierphase sind. Ich glaube, dass wenn du jetzt einen KI-Experten findest, Ich glaube, den End-to-End-Experten KI gibt es noch nicht. Ich glaube, dass du auf deine Anwendung, auf deine Workflows KI anpassen kannst, die zu deinem System passen, um dir Zeitfenster freizuräumen, um Dinge zu machen, für die du vielleicht sonst gar keine Zeit gehabt hättest. Und Tiny ist da jetzt nur ein Beispiel. Also wenn wir Themen haben, wo ich sehe, dass es gibt ein Tool, was man mal ausprobieren probieren kann. Dann sage ich immer: Hey, feuerfrei spielen, solange wie es geht, bis es richtig Geld kostet. Dann müssen wir überlegen, ist es tatsächlich, macht es Sinn, macht es am Ende dann eben auch Spaß, hilft es uns wirklich so, dass Kosten-Nutzen gegeneinander zu rechnen sinnvoll ist. Dann muss man drüber verhandeln, haben wir gerade das Geld oder haben wir es nicht natürlich. Ansonsten eben Low Budget weitermachen und nutzen, soweit es geht. Und wenn jemand was entdeckt, finde ich immer gut, wenn man drüber spricht, am besten das ganze Team mitnehmen, vorstellen, einmal sagen, hey, ich habe da was gesehen, das, oder andere machen das so, ich habe da was gehört, das findest du total cool, sollen wir das nicht auch mal ausprobieren?
Joubin Rahimi
Immer.
Melanie Vogt
Und ich finde, da muss man immer im Sparring sein, da muss man immer im Team oder auch eben mit anderen Leuten drüber sprechen. Deswegen finde ich eben gerade dieses, dass die Community wieder so offen wird, so gut. Ich treffe auch hier auf der Messe jetzt Leute, mit denen ich über Themen spreche, wo ich sage, ich habe da was gesehen, hat das irgendwer von euch mal ausprobiert? Probiert, ne? Wie war es denn so? Hat's wehgetan oder nicht? Ja, und wenn die meisten Leute dann eher sagen, okay, wir hatten Startschwierigkeiten, das und das war nicht so gut, das hätte man besser anders gemacht, dann können wir doch alle nur daraus lernen, weil am Ende, ich glaube, wollen wir alle das Gleiche.
Joubin Rahimi
Ja, selbst wenn Marktbegleiter hier sind und sich dann austauschen, wir hängen Summe einfach hinterher, und dann ist das bisschen austauschen, auch kein Problem.
Melanie Vogt
Und Marktbegleiter, ich meine, da kann man ja auch gucken, inwieweit tauscht man sich aus? Hat man dieselben Systeme vielleicht sowieso oder nicht? Weil dann hat man ja auch die gleichen Schnittstellen, die sowieso dir das Gleiche erzählen? Am Ende wollen wir dasselbe, und zwar erstmal jetzt tatsächlich auf dem europäischen und auch auf dem Weltmarkt irgendwo weiter existieren. Also mein Wunsch wäre, dass alle, die ich jetzt hier treffe, dass ich die in 10 Jahren immer noch treffen würde. Und nicht, dass ich dann hier vielleicht Chinesisch sprechen muss oder so, zum Beispiel.
Joubin Rahimi
Da haben wir einen Chip-Übersetzer mit an Bord. So einen kleinen Knopf im Ohr. Wahrscheinlich dann wahrscheinlich.
Melanie Vogt
Ich habe schon ein Implantat am Ohr dann wahrscheinlich.
Joubin Rahimi
So Hörgeräte gibt es ja wirklich so klein, die siehst du von außen quasi nicht. Das ist ja nur ein schwarzer Punkt und die können Telefongespräche annehmen, also mit Bluetooth und allem Drum und Dran.
Melanie Vogt
Krass, ne? Genau, und ich glaube, diese krassen Veränderungen, die andere Länder halt schon schaffen, da hängen wir halt so hinterher, da könnte ich jetzt der 20. oder 20.000ste sein, der drüber jammert, aber mein Teil der Geschichte wäre, mein Lieblingsteil der Geschichte wäre lieber der, dass ich der Teil bin, der geholfen hat, es ein bisschen besser zu machen und nicht der, der das mit ausgehalten hat oder der das mit, ja.
Joubin Rahimi
Ausgehalten ist glaube ich der richtige Begriff. Viele halten einfach aus.
Melanie Vogt
Da sind wir nicht in der richtigen Zeit für, finde ich. Also wir sind nicht In der Zeit 9 to 5 abzusitzen und Geld zu verdienen vielleicht für was, was am Ende in 2 Jahren uns schon überholt hat. Also wir müssen wirklich experimentierfreudig bleiben und dazu würde ich immer aufrufen, da würde ich immer darum bitten, dass alle, die digitale Veränderung können und verstehen, was dahinter steht, oder überhaupt Veränderung können, den Mut aufzurufen, das auch zu machen.
Joubin Rahimi
Jetzt habe ich noch eine Frage, die ist aber ganz anders. Du hast zwei Kinder, ich weiß jetzt nicht, wie alt sie sind. Vielleicht trifft das genau ins Schwarze, oder vielleicht ist das auch schon zu spät. Aber wenn du deinen Kindern jetzt raten würdest, die stehen vor der Wahl eines Studiums oder eines Berufswunsches, was würdest du denen sagen, sollten sie machen, was Zukunft hat? Also klar, kannst du auch sagen, das, was sie begeistert und Spaß macht, Aber wenn du die Frage stellst, was würde ich mitgeben, was auch Zukunft bringt.
Melanie Vogt
Also das finde ich extrem schwer, das zu raten, aber gut, dass du das erzählst, weil meine Kinder sind erwachsen tatsächlich, und mein Sohn, bin ich total stolz drauf, muss ich an der Stelle mal sagen, hat jetzt gerade seine Diplomarbeit abgegeben und seine Note bekommen, also bestanden und auch brillant, ganz wunderbar. Meine Tochter ist auch schon fertig, die haben was völlig Unterschiedliches studiert. Ich habe beiden gesagt, ihr sollt das machen, was euch glücklich macht, das ist das Wichtigste.
Joubin Rahimi
Genau, das glaube ich auch.
Melanie Vogt
Genau, die machen auch beide was völlig Unterschiedliches. Ich habe auch noch eine Stieftochter, die wieder noch was ganz anderes macht. Also bei meiner Tochter war es International Studies, die hat in Den Haag studiert, die ist jetzt an der Uni Bonn und berät Refugees, ist also Studienkoordinatorin. Mein Sohn hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und meine Stieftochter studiert Psychologie. Also alle völlig unterschiedlich, alle finde ich gut und richtig aufgehoben in dem, was sie tun. Alle auch, zumindest die großen beiden, sind ja eben fertig, ne, 27 und 24. Denen sind die Herausforderungen klar, aber ich glaube, was das Beste war, was ich mitgegeben habe, war eigentlich, ich habe ja das, was ich jetzt mache, überhaupt nicht studiert. Ich habe das überhaupt in dem Sinn, also ich habe das ja nicht gelernt.
Joubin Rahimi
Gab es damals ja auch nicht.
Melanie Vogt
Genau, ich habe das schon gelernt mit dem harten Weg, nämlich ich habe es mal gemacht und war immer neugierig, immer dabei. Also Studium ist mein Leben eigentlich im Grunde genommen. Aber ich habe immer gesagt, wenn du was wirklich willst, dann kannst du das auch machen. Wenn dich was wirklich interessiert, dann kümmere dich darum, dann bleib fleißig, bleib dran, bleib hartnäckig, dann schaffst du das auch. Dann musst du nicht irgendwie super schlau oder Überflieger dafür sein. Und genauso hat sich das gezeigt bei allen Kindern, wenn wir zu dem Rat zurückkommen, dass sie das getan haben, was sie tun wollten, mit Fleiß, Ehrgeiz und vielleicht auch ein kleines bisschen Cleverness tatsächlich ihre Ziele bis jetzt erreicht haben zumindest. Und alle mit einem guten Selbstbewusstsein unterwegs sind und sagen: Das, was ich jetzt mache, ist das, was ich tun will. Und wenn ich was nicht mehr tun will, dann mache ich was anderes.
Joubin Rahimi
Ich glaube, die Flexibilität. Ich habe halt die Frage aufgestellt, wir haben ein Create the Future Programm, wo wir halt überlegen, was ist wichtig für uns in der Zukunft als Firma, um dann mal zu überlegen, was rätst du deinen Kindern? Und die von meiner Frau und mir sind ja ein bisschen jünger. Informatik war es ja mal früher, aber ich sehe halt gerade die... Der Informatikberuf, der wird immer noch gebraucht, aber der ist anders. Und mit AI machst du ganz vieles. Und meine Tochter hat gesagt: Papa, ich lerne doch in der Schule gar nicht das, was ich brauche. Sie ist 13, also okay, was brauchst du denn aus der Sicht? Naja, wie ich mit Geld umgehe, also ganz platt, das würde ich gerne lernen. Wie geht man mit der AI richtig um? Sag mal auf nicht Daten suchen und so weiter, sondern wie komme ich, wie kann ich die nutzen, um Sachen selber zu machen. Das fand ich spannend. Da habe ich ein Interview von jemand anderem gelesen, der meinte halt, kritisch denken ist eine der Kernskills in der Zukunft, egal was du dann machst, was mega wichtig ist.
Melanie Vogt
Ja, vom Neugierig bleiben. Aber ohne Fleiß wird es auch nicht gehen. Also man muss auch ein bisschen Durchhaltevermögen haben, dranbleiben. Auch wenn es mal unbequem wird, nicht gleich wegknicken, sondern sagen, okay, ich ziehe jetzt durch, ne. Aber spannend, was du sagst ist das Thema, wie lernt man was in der Schule. das habe ich tatsächlich letzte Woche auch im Female Circle gehabt, da haben wir uns auch darüber unterhalten. Ich habe mich spannenderweise im Karneval in diesem Jahr mit einer Lehrerin über das Thema KI unterhalten und ich glaube, da wird es richtig kritisch, weil die Lehrer wenig Schulung dazu bekommen, wie man mit KI umgeht. Und die, mit der ich mich unterhalten habe, ist jetzt auch noch in einem Gymnasium tätig, wo es einen großen Migrationshintergrund gibt, und sie sagte, viele von meinen Schülern haben halt auch Kopfbedeckungen auf. Ich muss dafür sorgen, dass sie KI nicht nutzen für Mathearbeiten. Ich kann aber ja gar nicht kontrollieren, ob die einen Knopf im Ohr haben. Sie selber weiß auch gar nicht, wie man mit KI umgeht, weil sie hat da keine Fortbildung dazu gehabt. Und das finde ich wirklich richtig kritisch, dass natürlich Leute, die unseren Kindern die Zukunft gestalten oder beibringen sollen, keine Ausbildung dazu haben. Sie sagt dann aber als Beispiel, da kommen wir wieder zu dem Thema Lösungsorientiertheit, sagte er, ich habe ja auch keine Zeit, mich darum zu kümmern. Ich dachte, wie schaffst du denn deine, oder wie planst du denn deine Klassenfahrt zum Beispiel? Er sagte, das dauert so 2 bis 3 Wochen und dann mache ich das schon auch mit Google und so, und dann gucke ich auch, wo wollen wir denn hinfahren und so weiter. Ich sag, warum fragst du nicht mal die KI, dann würde die das für dich machen, und in der Zeit hast du 2 bis 3 Wochen Zeit, dich um KI zu kümmern. Und ich sagte, das ist so eine angewandte Idee, wieso bin ich da nicht von selber drauf gekommen? Und ich glaube, diese Kernaussage, das ist ja kein Hexenwerk, ne, aber wenn du damit nicht so viel zu tun hast, sondern nur merkst, da steht ein Endgegner im Raum, den du irgendwie bewältigen oder handeln musst und aber keinen Lösungsansatz dazu hast, Und ich glaube, dass da von uns zum Beispiel auch ein Impact in die Schulen gehen könnte, wo wir in der Digitalszene unterwegs sind. Auch sagen können, hey, wir könnten ja mal sowas machen wie Digital Teacher oder irgendwie sowas, ne. Oder dann eben das weitere Bildungsprogramm Teach the Teacher, dass man Multiplikatoren draus macht, so wie wir es ja mit unserem System auch machen. Du hast einen kleinen Kreis von Lehrern, die du einlädst zu einem Event und die könnten das in die Schulen tragen. Also ich glaube, da haben wir als Digitalszene auch einen Auftrag, die Lehrer mehr abzuholen und mehr in das Thema, was uns total vertraut ist, reinzuholen.
Joubin Rahimi
Die Lehrer, viele auch die Eltern, die hängen ja eher bei dem Thema. Ich durfte mal einen Vortrag halten vor der Schule, vor Schuleltern, eher Schulen. Für die ist das mal wichtig, und das verstehe ich auch total, Handy-Nutzung, Kinder hängen nur am Smartphone. Ich kann gar nicht kontrollieren, was sie machen, ist es was Gutes oder was Schlechtes. Und zwar in der Schule hätte man noch mal Möglichkeiten, wahrscheinlich. Das muss durchbrochen werden.
Melanie Vogt
Aber ich glaube, das ist tatsächlich auch so, das war auch so ein Thema dann, dass die jüngeren Lehrer da sehr offen wären und die älteren Lehrer aber machen wie immer. Und wir haben natürlich auch so ein bisschen Generationswechsel. Und bei älteren meine ich durchaus auch die, die in meinem Alter sind. Ich glaube, ich darf das sagen, weil ich das Alter entsprechend habe, da darf ich dann auch mal kritisch sein und sagen, hey, du kannst nicht immer nur jammern und du kannst nicht immer nur sagen, ja, was zeigt mir ja auch keiner, und du zeigst dich aber selber gar nicht offen dafür. Du musst dir vielleicht auch mal Hilfe suchen. Also du kannst nicht nur sagen, ja, aber ich habe das ja alles nicht, sondern dann auch fragen, wer kann mir denn helfen.
Joubin Rahimi
No excuses.
Melanie Vogt
Genau.
Joubin Rahimi
Aber das Witzige finde ich, ist ja bei AI, das entdecke ich bei mir auch immer wieder, ich weiß gar nicht, wie das geht, aber dann zu sagen, ich frag die AI, du kannst ja jede Frage fragen. Du musst einmal nur das Ding einfach haben.
Melanie Vogt
Genau.
Joubin Rahimi
Dann kannst du sagen, okay, ich weiß zwar nicht, wie es geht, aber ich frage.
Melanie Vogt
Oder ich beschäftige mich schon mal damit. Das ist ja schon mal ein Anfang zumindest. Ich höre mal, was gibt es denn überhaupt alles, was kann man denn damit so machen und so weiter. Es ist ja auch tatsächlich so, wie du sagst, welche Berufe wird es zukünftig noch geben. Ich glaube tatsächlich, dass die Developer, der Anteil wird ganz klein sein. Es wird ein paar Controller geben sozusagen, die noch mal gucken, ist das Coding auch korrekt irgendwie? Weil nur sich auf Claude zu verlassen, glaube ich, ist im Moment zumindest noch ein Fehler. Du musst schon auch noch gucken, ist das Ergebnis, was da rauskommt, das, was ich auch wirklich erwarte? Du musst prompten können, das musst du lernen. Das sind die Themen, die die Kinder lernen müssten. Aber so wie du sagst, Steuererklärung wäre vielleicht auch mal ganz cool zu wissen, oder Mehrwertsteuer. Was ist das überhaupt? Was mache ich damit?
Joubin Rahimi
Steuererklärung haben wir die ganzen Dokumente, die einfliegen, die abzugreifen und die dann halt so zu sortieren. Und so geht ja jetzt auch, weil ich habe Steuererklärung jetzt mal gemacht, ich habe dann die Sachen immer runtergeladen und aber nie sortiert. Und das war dann halt einfach zu sagen, okay, sortieren wir das einmal, das für den Steuerberater dann einfach raus und erstellen eine Tabelle. Für die steuerlich relevanten Informationen oder mit Betrag, was es ist, damit ich die Dateien habe. Wie geil war das denn?
Melanie Vogt
Ja, das hat aber auch gestimmt, oder?
Joubin Rahimi
Ja, also ein bisschen was fehlt da, aber größtenteils war drin. Du hast dann auch festgestellt, was fehlt. Und so war das halt jetzt witzig. Aber jetzt bin ich eigentlich von der ursprünglichen Frage abgekommen. Mut hast du gesagt, Mut ist wichtig. Warum ist Mut wichtig?
Melanie Vogt
weil wenn du nicht mutig bist, dann kommst du genau in dieses No-Excuses-Thema rein, weil dann ist es ja so, dass du dir für alles Entschuldigungen suchst. Du bist ja in ständiger geduckter Haltung, weil du denkst, irgendwer könnte dich ja angreifen. Wenn du aber mutig bist und nach vorne guckst, dann hast du das hinter dir gelassen. Dann weißt du ja eigentlich, weißt nicht immer, ob du es richtig machst, du bist auch nicht überheblich deswegen und denkst, naja, wer kann mir schon was, sondern du sagst eigentlich, okay, ich weiß, es gibt eine Menge Dinge, die mir passieren könnten, aber wenn ich jetzt Schiss habe davor, macht das erstmal nicht besser. Respekt ja, aber Angst nicht. Und mit Mut vorauszugehen und zu sagen, ja, also mir ist ja noch nie was passiert, also noch nie was richtig Schlimmes passiert. Jetzt kann man natürlich definieren, was ist richtig schlimm, ne? Also ich bin vielleicht auch, habe Glück gehabt bis jetzt, mir ist noch nichts richtig Schlimmes passiert nach meinem Empfinden. Wenn ich eine andere Sicht der Dinge hätte, vielleicht schon, weil mir sind natürlich im Leben Sachen passiert.
Joubin Rahimi
Ja, was machst du daraus?
Melanie Vogt
Genau, aber bis jetzt sage ich mal, sind die Dinge, die mir mit Mut passiert sind, besser gewesen als die, die mir mit Angst passiert sind. Und deswegen—
Joubin Rahimi
Das kann man doch einfach mal wirken lassen. Ja, Dinge, die mit Mut passiert sind, besser gewesen als die mit Angst. Ja, ja, ein Sprichwort dafür. Angst ist ist kein guter Berater.
Melanie Vogt
Das ist korrekt, das ist korrekt, weil dann wirst du auch übervorsichtig, dann probierst du Dinge nicht mehr aus, und dann entgeht dir aber auch extrem viel. Na ja, klar kostet das manchmal was, kostet Kraft, blaue Flecken und Muskelkater vielleicht, aber ehrlich gesagt, Schlimmeres ist dabei noch nicht passiert.
Joubin Rahimi
Dann Mut im Kopf. Frage: Wo siehst du im Moment die Herausforderung von Unternehmen? Also vor allem ort, wo du tätig gewesen bist, also von der Branche, wo siehst du da die Hauptherausforderung?
Melanie Vogt
Große Herausforderung ist tatsächlich, diese Jungs aufzubrechen und eine gesunde Datenbasis zu schaffen für alles. Das bedeutet nicht, dass jeder einen ERP-Wechsel vornehmen muss, sondern das bedeutet erstmal, dass— da sind wir wieder beim Thema Mut, dass alle Instanzen, die die Silos beherrschen oder auch nicht, bereit sind, einen Schritt zurückzugehen und zu sagen, okay, für die große Sache gehe ich jetzt mal einen Schritt zurück, lass uns mal aus der Adlerperspektive, gerne mit den verschiedenen Fachabteilungen, auf das gucken, was wir eigentlich haben, und dann auf das, was wir eigentlich haben wollen, und sich dann darauf zu fokussieren, was brauchen wir denn dafür, und sich dafür einmal auch an den Tisch zu setzen, die Hosen runterzulassen und dann auch mal fest fragen stellen: Welchen Schmerz müssen wir in Kauf nehmen, um das gerade zu ziehen, um dann aber mit dieser gesunden Datenbasis wirklich Vollgas geben zu können? Weil damit hast du dann im Grunde genommen einmal im Keller richtig aufgeräumt. Ich glaube, dass viele Unternehmen das schon tun, dass sie schon dabei sind, das zu tun. Aber ich glaube, dass wenn so ein bisschen Also jeder bereit, mehr bereit wäre, die Hosen runterzulassen, bisschen mehr Offenheit da wäre und vielleicht damit auch mal eine Fehlerkultur zugestehen würde und sagen würde: Ja, das habe ich gemacht, das habe ich nicht gut gemacht oder so, ohne dass ich die Angst haben muss, da ist sie wieder, dass mir damit jemand in die Karre fährt. Ich glaube, dann würden wir ein anderes Tempo aufnehmen können mit den Mutigen, die es gibt, aber die brauchen eben die Basis.
Joubin Rahimi
Es ist so laut, dass es mir gerade die Frage weggeblasen hat. Was würdest du einem Fashion Retailer raten? Also wir haben ja Kunden gehabt wie Gerry Weber, Esprit, Reno Schuhe, bewusst gehabt, die sind ja nicht mehr am Markt. Einige sind ja mal so, Deichmann beispielsweise, ganz anders game, wobei wie Reno ähnliche Ausgangslage. Aber wo siehst du halt wirklich den Unterschied von Firmen, die den positiven Aufschwung schaffen, auch nach dem Corona-Hype im Onlinegeschäft und der Delle? Was würdest du da jemandem raten bei so einem Familiengespräch abends, der sagt: Mensch Melanie, Ich weiß nun nicht, was ich jetzt machen soll mit der Digitalität. Alle sagen mir irgendwas anderes. Und jetzt weiß ich auch wieder meine Frage.
Melanie Vogt
Also rein menschlich oder rein technisch oder wie ist, worauf zielt deine Frage?
Joubin Rahimi
Auf das, was zu tun ist. Was zu tun ist.
Melanie Vogt
Wenn das so einfach wäre, dann wäre ich jetzt Berater und würde ungefähr 5.000 am Tag bekommen dafür. So einfach ist es halt nicht. Tatsächlich, es gibt nicht die eine Wahrheit. Also es zielt schon dahin tatsächlich, wo auch schon viele dran sind, Transformation, wo ganz viele schon dran arbeiten. Also ich glaube, jetzt sage ich doch mal ein Buzzword, eben Customer Centricity ist schon wichtig, ist aber auch nicht erst jetzt wichtig. War immer schon wichtig. Wichtig ist, dass wenn ich jetzt genau dieses Thema beleuchte, dass ich nicht eine IT einen Shop bauen lasse zum Beispiel und auch nicht den Datenschützer. Die gehen da sicherlich sehr anders mit um, als der Kunde damit umgehen würde. Ich habe jetzt ein schönes neues Wort gelernt, die Vokabel möchte ich gerne mitgeben: Click-Diät. Dass man mal im Shop eine Click-Diät macht und mal guckt, wie viele Klicks muss denn so ein Kunde machen, bis er kaufen kann. Und kann ich vielleicht noch eine Click-Diät machen?
Joubin Rahimi
Ja.
Melanie Vogt
Das finde ich, das liebe ich dieses Wort, ist bei mir in meinem Wortschatz 2 Wochen alt.
Joubin Rahimi
Ja, übernehme ich jetzt auch.
Melanie Vogt
Sehr gerne. Genau, tatsächlich in einer der letzten Checkouts, die ich hatte, haben wir 12 Checkboxen gehabt, so dass ich irgendwann auch gefragt habe, wie oft möchten wir den Kunden denn aus dem Shop rausschubsen? Wie oft denn noch? Oder kriegen wir das vielleicht auch smarter geregelt? Dann hat man natürlich Diskussionen mit dem Datenschützer und auch Diskussionen mit der IT, die natürlich eher blaue Elefanten in den Raum reinstellen, als den rosa einzufärben oder vielleicht garniert. Also wichtig ist tatsächlich, dass man die Experten den Job machen lässt. Also Usability sollte, wenn es gut geht, ein Usability-Experte machen.
Joubin Rahimi
Verrückter Gedanke.
Melanie Vogt
Newsletter vielleicht ein Newsletter-Experte, CRM ein CRM-Experte und dann sollte man nicht denken, dass es einen gibt, der für alles Experte sein kann. Es kann einen geben, der so ein bisschen aus der Adlerperspektive drauf guckt, aber der sollte also den Experten die Expertise auch zugestehen. Und genauso ist es dann auch ganz oft eben, hat man auch dieses Konflikt zwischen E-Com und Marketing auch ein Thema. Keiner läuft keinen den Rang an, sondern die begrüßen sich gegenseitig, vermarkten sich selbst. Und man braucht auch alle Instanzen. Sales ist Sales. Am Ende sollte alles so gut miteinander sprechen, dass der Kunde sich gut aufgehoben fühlt. Weil für den tun wir das Ganze.
Joubin Rahimi
Jetzt komme ich zu der Frage, die mir hier weggeblasen wurde.
Melanie Vogt
Schnell! Sag mal!
Joubin Rahimi
Es neigt sich dem Ende, die drehen immer mehr auf. Das Miteinander hast du gesagt, das ist ja so wahnsinnig wichtig. Und ich glaube, das Füreinander ist es in dem Projekt, oder? Das Marketing, das für den Sales, für bei uns halt die Delivery, Umsetzung, um Einheiten, die dann vielleicht direkt für den Kunden, dieses Füreinander zu denken.
Melanie Vogt
Und ich glaube, das macht tatsächlich Gen Z viel besser. Also wo wir zwischendurch mal die Ellbogen rausgeholt haben, ist Gen Z viel fürsorglicher. Die haben eine ganz andere Feedback-Kultur gelernt, die haben eine ganz andere Selbstfürsorge gelernt. Ob das alles immer in dem Umfang richtig ist oder nicht, mag man drüber diskutieren, das macht ja auch nicht jeder im gleichen Ausmaß. Aber ich glaube, wo wir höher, schneller, weiter immer wie so Tobazellhasen durch die Gegend gehekelt sind, viel aufgebaut haben auch zugegebenermaßen, pioniermäßig unterwegs waren, ist die Gen Z netter zueinander. Und das möchte ich gerne lernen. Ich bin das immer gewesen, ich möchte gerne mehr davon haben, auch netter zu mir selber zu sein. Ich selber habe schon die Herausforderung schneller, weiter und jetzt. Immer noch ein bisschen, immer noch ein bisschen, immer noch. Das kann doch noch nicht alles gewesen sein. Aber auch ich muss nicht abends um 11 im Industriegebiet Fenster aufmachen, mal einmal kurz rausschreien, ein böses Wort, wofür ich jetzt einen Euro ins Sparschwein tun müsste, sondern ich kann auch einfach mal sagen, für heute reicht's. Für heute ist gut, weil ich habe heute einen guten Job gemacht.
Joubin Rahimi
Meistens, wenn es 11 Uhr durch ist, kommt nicht Besseres mehr raus unbedingt. Selten, ja. Manchmal finde ich, wenn dann so das Tagesgeschäft weg ist und du dann dich irgendwo reindrillst, so dann 1, 2 Stunden und dann ist es vielleicht auch 11, das sind meine Knotennächte und dann noch mal flupp 3 Uhr.
Melanie Vogt
Du hast auch dann so einen Startup-Spirit in dir in dem Moment?
Joubin Rahimi
Du bist im Job drin.
Melanie Vogt
Das ist schon wichtig, ne?
Joubin Rahimi
Ja.
Melanie Vogt
Aber es macht deine Arbeit für nächsten Tag nicht besser, weil den Schlaf brauchst du schon auch.
Joubin Rahimi
Das ist dann erstmal, da musst du Sachen nur noch abarbeiten können, ohne dass du oder dann halt ja wirklich frei ist. Aber ja, so ist halt, wir werden auch nicht jünger.
Melanie Vogt
Aber ich glaube, wir können alle voneinander extrem gut lernen, und das ist das, was wir alten Hasen mitnehmen können, finde ich, von der neuen Generation. Aber wir können so ein bisschen unsere Erfahrung mit einbringen, und das ist das, was mir extrem wichtig ist jetzt für meine nächsten Berufsjahre auch noch, dass ich einfach jüngere Leute, die jetzt vielleicht gerade Bock haben auf dieses Geschäft, dass ich die so begeistert bekomme, wie wir es damals auch gewesen sind, auch heute noch sind. Wo man auch sagen kann, ey, wir bewegen hier wirklich tolle Sachen. Dafür muss man die auch bewegen, zugegebenermaßen, und auch den Mut haben, das bewegen zu dürfen. Mit der Fehlerkultur zu sagen, okay, war schon ganz gut, noch nicht ganz optimal, machen wir vielleicht so genau nicht noch mal. Beim nächsten Mal versuchen wir es ein kleines bisschen anders, aber so richtig schlimm ist jetzt auch nicht gewesen. Ja, und ich glaube, das ist das, was wir mitgeben können, mitnehmen können, von den Jüngeren zu lernen, von den von uns zu lernen, nee, lehren, lernen, mitgeben.
Joubin Rahimi
Wunderschönes Schlusswort, weil das ist ja auch direkt einfach unterschiedliche Teamstrukturen, unterschiedliche Menschentypen da drin zu haben und offen füreinander, das Beste für die Firma in dem Fall ja dann rauszuholen.
Melanie Vogt
Und Feiern nicht vergessen?
Joubin Rahimi
Feiern nicht vergessen, genau.
Melanie Vogt
Ja, genau, ich glaube tatsächlich, diese Erfolge, die man hat, die kleinen, muss man auch feiern.
Joubin Rahimi
Das wahrscheinlich total, da ich vergesse das.
Melanie Vogt
Das hast du vergessen so ein bisschen.
Joubin Rahimi
Ja, wir haben sogar einen Prozess Feiern. Ach, wir haben Prozess Feiern. Nach so einem Launch muss man feiern.
Melanie Vogt
Ja.
Joubin Rahimi
Und das ist total wichtig.
Melanie Vogt
Ja.
Joubin Rahimi
Ich bin nicht derjenige, der den am besten einhält oder pusht, aber ich feiere jeden, der feiert. Das musst du einmal machen, weil du hast dann was abgerissen mit dem Kunden zusammen. Wenigstens essen gehen.
Melanie Vogt
Das zusammen zu feiern ist mehr wert als jedes Lob?
Joubin Rahimi
Am Ende.
Melanie Vogt
Ja, total. Weil du gelebtes Feedback hast.
Joubin Rahimi
Ja, und du fühlst es dann.
Melanie Vogt
Ja, genau.
Joubin Rahimi
Insofern, feiert! Danke für die Zeit.
Melanie Vogt
Sehr gerne. Danke für die Einladung.
Joubin Rahimi
Gerne. Und wenn ihr Fragen habt, direkt unten rein oder direkt an Melanie aus dem LinkedIn-Account schreiben und ja, Kontakt suchen. Diverse Teams.
Melanie Vogt
Sprecht!
Joubin Rahimi
So machen wir's.
Melanie Vogt
Seid mutig!
Joubin Rahimi
Seid mutig!
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- Joubin Rahimi
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